MADONNA IN DER AWD-ARENA HANNOVER – DIENSTAG, 22. AUGUST 2006









Nachdem die „Queen Of Pop“ während ihrer letzten Welttournee einen Bogen um Deutschland machte, gastierte sie mit der „Confessions On A Dancefloor“-Tour nach Düsseldorf auch in der niedersächsischen Hauptstadt Hannover und begeisterte 40.000 zum Teil weitgereiste Fans – wie dem hitparade.ch-Reporter - und Noch-Nicht-Fans mit einer atemberaubenden Show.

Eigentlich handelte es sich bei diesem Konzert gar nicht um ein solches, sondern einfach nur um eine Mega-Show. 120 Minuten nonstop stand der mittlerweile 48jährige Superstar auf der Bühne und performte vor allem Titel ihres aktuellen Albums „Confessions On A Dancefloor“. Nach Erscheinen desselben hatte Madonna versprochen, die Welt in eine riesige Tanzfläche zu verwandeln – und was passt dazu besser als im Stadion eine überdimensionale Disco-Kugel aufzuhängen? Wer allerdings glaubte dadurch besondere Lichteffekte präsentiert zu bekommen, sah sich arg getäuscht. Dafür entstieg ihr die Queen herself gleich zu Beginn der Show, um mit „Future Lovers“ und Donna Summers „I Feel Love“ dem Publikum gleich richtig einzuheizen. Das mittlerweile berühmte schwarze Reiteroutfit und der mindestens ebenso berühmte elektrische Sattel als Bühnenutensil ebenso wie die Showeinlage, bei der Madonna auf einem ihrer Tänzer reitet, zeigen wie sich der Superstar durchaus selber auf den Arm nehmen kann. Vielleicht so etwas wie die Verarbeitung ihres Reitunfalls von 2004. Dazu auf der überdimensionalen Videoleinwand im Hintergrund der Bühne Bilder von rennenden Pferden. Durch Toneffekte erhält der Besucher den Eindruck als würde eine ganze Herde über ihn hinwegrasen.

Nach der aktuellen Single „Get Together“ wird das Publikum mit „Like A Virgin“ beglückt – erstmals großer Jubel unter den Massen. Auch die sonst nicht gerade berauschende Textsicherheit der Konzertbesucher macht hier einmal eine Pause.
In perfektem Deutsch heißt die Queen dann alle Fans zu ihrer Show willkommen und verspricht, nun allerdings wieder auf Englisch, dass jedem, dem noch kalt ist, am Ende sicher heiß wird.

Nach einem Zwischenspiel mit dem Titel „Jump“ kommt es zum ersten absoluten Highlight des Abends: Der umstrittenen Kreuzigungsszene. Die Hannoveraner Bischöfin Käßmann hatte mit ihrem Aufruf zum Boykott des „alternden Stars“ noch einmal für Diskussionsstoff gesorgt, nachdem bereits der Vatikan das Rom-Konzert verbieten lassen wollte. Aber dem Publikum gefiel es und schon als sich das riesige Kreuz langsam im Hintergrund erhebt, brandet riesiger Beifall auf. Auf der Videowall laufen, während Madonna den 1986er Hit „Live To Tell“ singt, Ziffern, die als Zahl 12.000.000 enden. Dann Madonnas Botschaft: 12 Millionen Kinder in Afrika sind mit AIDS infiziert, bis 2010 werden 20 Millionen Kinder in Afrika ohne Eltern sein, weil diese an AIDS gestorben sind. Ja wenn das keine Sünde ist!? Und der Vatikan verbietet Kondome, die vielen Frauen in Afrika das Leben retten könnten. Was bitte, Frau Käßmann, sollte die Gefühle eines Christen mehr verletzen – Madonnas sicher provokanter Auftritt oder die Hilflosigkeit angesichts all des Elends auf der Welt?

Gleich anschließend rangeln zwei der Tänzer mit einem Halbmond bzw. einem David-Stern auf der Brust mit den Händen – dazu Madonnas „Forbidden Love“ – verboten das Zusammenkommen der beiden, bis Madonna sie vereint…..
Sie ist und bleibt eben eine der größten Provokateure der Szene – aber nie wirkt das ganze platt und ist ohne Inhalt. Auch eine Bilderfolge, die George Bush, Condoleezza Rice, Tony Blair und Papst Benedikt XVI. gleich u. a. neben Kim Jong Il, Mao, Hitler, Saddam Hussein, Ghaddafi und Bin Laden zeigt, wird vom Publikum mehrheitlich begeistert aufgenommen.

Zurück zur Musik: Es folgen Hits auf Hits wie „Sorry“, „Ray Of Light“ und zur großen Überraschung „Erotica“ und „La Isla Bonita“, die immer wieder unterbrochen werden von Stücken aus dem aktuellen „Confessions“-Album. Madonna lässt die Disco-Ära wieder erwachen und das Publikum tanzt mit. Apropos Tänzer: Erstaunlich auch wie sich der Superstar Madonna immer wieder zurücknehmen kann, sich als Sängerin in den Hintergrund begibt und die ganz große Bühne der Crew überlässt. Da bläst der Sänger Isaac Sinwanhy das Schofar, jumpen die Tänzer in halsbrecherischen Sprüngen zum gleichnamigen Titel über die Bühne und fahren mit irrer Geschwindigkeit Skater über dieselbe.
Der Star selbst überzeugt diesmal sogar stimmlich. Trotzdem kann man sicher nicht von einem klassischen Konzertabend sprechen, dazu kommt zu viel Musik aus der Konserve, statt von einer überragenden Live-Band.

Als Madonna dann in einem Kostüm auf der Bühne erscheint, das ganz zufällig dem Outfit von Agnetha und Frida auf der letzten ABBA-Welttournee ähnelt, und mit einem Umhang geschmückt wird, der überdeutlich die Aufschrift „Dancing Queen“ trägt, weiß jeder im Stadionrund, dass gleich „Hung Up“ folgen muss. Aber der Star weiß, wie er die Stimmung aufbauen kann, denn es vergehen noch einige unendlich erscheinende Minuten bis er die Massen endgültig zum Kochen bringt. In dieser Zeit kann sich jeder „Fast-40er“ beruhigt in der Gewissheit zurücklehnen auch mit 48 Jahren noch Dinge leisten zu können und eine Figur zu haben wie ein Anfangzwanziger……

Dann das große Finale „Hung Up“ – das weite Rund singt mehrfach „Time Goes By, So Slowly“, aber ganz schnell ist der Star dann auch schon verschwunden. Auf der Videowall erscheint die Frage „Have You Confessed?“, das Stadionlicht geht an und die verdutzten Fans fragen sich war es das? Ja das war es. Nach genau zwei Stunden hat die „Queen Of Pop“ die Bühne verlassen – ohne Abschied und ohne Zugabe. Das ist vielleicht der einzige Wermutstropfen, den die Fans an diesem Abend empfinden. Und während sich 40.000 singend, tanzend, Merchandising-Artikel kaufend und in bester Stimmung auf den Weg zur U-Bahn oder dem Auto machen, sitzt Madonna wahrscheinlich schon ihrem Privatflieger nach London...
Hannes

Linktipps:
Discographie von Madonna
Offizielle Seite von Madonna

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