INTERVIEW MIT SLAM & HOWIE



Seit 2004 hat sich rund um Lt. Slam eine Speed Country-Band formiert, welche in den letzten 2 Jahren über 200 Konzerte im In- und Ausland (Deutschland, Tschechien, Belgien, Spanien, Niederlande und Italien) gespielt hat. Zur Veröffentlichung des 2. Albums "Guilty" haben wir Sänger Lt. Slam getroffen.

hitparade.ch: Wie bist du auf den Musikstil Country bzw. Speed-Country gekommen?
Slam: Ich selber komme aus der Rockmusik und habe von Hardrock, über derbsten Metal bis zum 70-Jahr-Rock in diversen Bands gespielt. Irgendwann bin ich auf Johnny Cash gekommen von dem mir nicht die alten Sachen wie "Folsom Prison" gefallen haben, sondern die neueren ruhigeren Songs. Zu diesem Zeitpunkt hab ich dann auch ein Paar eigene Songs aufgenommen, die zu ruhig waren und nicht zu den Rockbands gepasst haben, bei denen ich damals spielte.
Ich hab mir dann gedacht, mach mal einen Country-Song und es hat mir extrem gut gefallen. Zu diesem Zeitpunkt war für mich Country ein Schimpfwort wie Schlager. Irgendwann musste ich akzeptieren, dass ich diese Stilrichtung gut finde, denn Country ist nicht gleich Country, so wie Rock nicht gleich Rock ist. Es gibt ja so viele Schattierungen und man kann es mit so vielem kombinieren. Am Anfang hat der Country noch etwas geschlummert, ich habe zwar immer wieder mal einen Song geschrieben aber aufgetreten damit bin ich nicht.
Irgendwann begann ich dann mit Howie zusammen Musik zu machen. Zuerst hatten wir zwar einige Country-Songs im Repetoire, aber vor allem andere Stile und Covers prägten unsere Auftritte. Je mehr eigene Songs dazu kamen desto Country-Lastiger wurde das ganze. Es ist also schleichend gekommen, innerhalb von knapp einem Jahr.

hitparade.ch: Ihr seid einige Zeit als Slam & Howie unterwegs gewesen. Wie kam es zum Entschluss neue Musiker dazu zu holen?
Slam: Wir waren etwa ein Jahr lang zu zweit als Projekt unterwegs und hatten beide noch andere Bands nebenher. Es ist sehr schnell sehr gut gelaufen und wir haben schon im ersten Jahr mit extrem wenig Aufwand viele Konzerte spielen können. Es war auch einfacher, denn wir konnten zu zweit überall auch in kleinen Lokalen spielen. Irgendwann kamen grössere Anfragen wie zum Beispiel ein Support im Kiff in Aarau. Wir sassen damals beide noch und hatten einen guten Draht zu den Leuten. Es ist nicht aufgefallen, dass der Sound eigentlich nur aus einem Schlagzeug und einer Akustischen Gitarre bestand. Wie gesagt, bei kleinen Sachen hat das gut funktioniert, aber bei etwas grösseren Sachen war es dann nicht mehr so, da sitzen zwei auf der Bühne und bringen einen halbpatzigen Sound...
Andererseits fragten die Leute nach einiger Zeit auch nach CDs von uns, jedoch hatten wir damals noch keine. Irgendwann haben wir uns dann entschlossen eine CD zu produzieren. Es war aber schon von Anfang an klar, dass wir die CD nicht zu zweit sondern mit einer Bandbesetzung aufnehmen würden. Wir wollten keine Platte machen, die man Spur um Spur einspielen muss.
Also haben wir einfach Musiker gefragt und sind zu viert spontan für 2 Tage ins Studio. Beim ersten Konzert danach auf der Tour im Frühling 2007 durch Deutschland, die Niederlande und Tschechien hatten wir noch nie wirklich zusammen gespielt und probierten es live. Das Ergebnis war wirklich sehr gut, aber anders als zu zweit. So haben einige Dinge, die zu zweit funktioniert haben nicht mehr funktioniert und es gab dafür andere Sachen die du zu viert machen konntest. Am Anfang hatten wir dann noch unterschiedliche Konzerte, zu zweit oder zu viert. Doch mittlerweile spielen wir bis auf wenige Ausnahmen nur noch zu viert.

hitparade.ch: Die Musiker kommen ja aus verschiedenen Regionen und teilweise aus verschiedenen Stilrichtungen. Wie habt ihr zusammengefunden?
Slam: Howie und ich haben uns übers Internet kennen gelernt. Er kommt eher aus dem Garage-, Beat-, Surf-, Ska-Ecke und ich aus dem Hardrock/Rock/Metal-Bereich. Wir beide haben jemanden gesucht um etwas anderes zu machen als bisher.
Ringo (Gitarre) haben wir über einen Kollegen kennen gelernt als wir noch zu zweit gespielt haben. Auf einmal ist er einfach mittendrin gestanden und hat gefragt, ob er zwei oder drei Lieder mitspielen dürfe. Er kannte die Songs gar nicht und aus den zwei drei Liedern wurde auf einmal der Rest vom Konzert. So war es klar, wenn wir mal was mit mehreren Musikern machen, dann muss er dabei sein. Django (Bass) war ein Kollege von Ringo und ist so in die Band gekommen. Wir wissen, dass alle aus etwas anderen Stilen kommen. Es bringt jeder seine Erfahrungen und seinen musikalischen Hintergrund mit, aber es war noch nie ein Thema dies bewusst zu mischen.

hitparade.ch: Bei einer MusicNight-Sendung im Schweizer Fernsehen habt ihr erwähnt, dass das 1. Album "Vicious Songs" nach nur 2 Bandproben mit allen 4 Musikern in 2 Tagen live im Studio aufgenommen wurde ist. Wie lief es beim aktuellen Album ab?
Slam: Das aktuelle Album wird ziemlich genau ein Jahr nach dem ersten Album erscheinen. In dieser Zeit haben wir rund 100 Konzerte gespielt und deshalb hatten wir nicht wirklich viel Zeit um etwas anders zu machen. Es ging vor allem darum mehr Songs zu haben um sie live zu spielen. Das erste Album hat gerade mal eine Laufzeit von 30 Minuten und darunter ist noch eine Ballade die man nicht jedes Mal spielt. Wir haben schlicht und einfach neues Material gebraucht. Ringo oder ich sind mit Grundideen gekommen, haben sie etwas ausgearbeitet und haben auch mal ein Proben-Wochenende in den Bergen gemacht wo wir die Songs zusammen angeschaut haben. Danach haben wir uns etwas mehr Zeit genommen und in 8 Tagen aufgenommen. Aber die Basics wie Schlagzeug, Gitarre und Bass wurden wieder wie beim ersten Album live eingespielt. Die Gesänge und einige Zusatzinstrumente wie Mandoline, Banjo oder Geige wurden separat aufgenommen. Wir haben uns zwar mehr Zeit genommen, aber haben eigentlich das meiste gleich gemacht wie beim ersten Album.

hitparade.ch: Hat es einige neue Einflüsse dabei oder ist es mehr oder weniger im gleichen Stil wie "Vicious Songs"?
Slam: Ich persönlich finde es hat neue Einflüsse. Aber es gibt schon die ersten Reviews von Metal-Fanzines aus Deutschland, die behaupten es sei nichts Neues. Zwar nicht schlecht, aber es gehe im gleichen Stil weiter. Ich finde es ist ähnlich wie bei "Vicious Songs" wieder mit ganz schnellen Nummern und Balladen, aber dieses Mal haben wir auch versucht etwas dazwischen zu machen. Ob dies gelungen ist oder nicht ist schwierig zu sagen, da ich halt nicht die nötige Distanz dazu habe. Und die stilistische Erweiterung gibt es zwar, aber wir sind jetzt sicher keine andere Band geworden. Es hat etwas mehr Elektrische Gitarren dabei, was aber nicht unbedingt heisst das es rockiger geworden ist sonder eher etwas breiter.

hitparade.ch: Ihr seid ja manchmal zu fünft, zu viert oder zu zweit oder auch mal alleine unterwegs. Hast du eine Zusammensetzung, die du bevorzugst?
Slam: Der Kern ist klar Howie, Django, Ringo und ich, also zu viert. Es gibt hie und da spezielle Anlässe wie Promotion-Auftritte in Plattenläden welche Ringo und ich zu zweit machen. Howie und ich sind ganz selten auch noch zu zweit unterwegs. Während der Open-Air-Saison 2008 waren wir wegen den grösseren Bühnen meistens zu fünft unterwegs mit einem Freund, der auch schon als Aushilfe bei uns gespielt hat. Uns gefiel die Idee mit drei Elektrischen Gitarren, zudem spielt er auch noch Banjo und Lap Steal. Wie es weiter geht haben wir uns noch nicht überlegt. Wir werden wohl grundsätzlich zu viert spielen und auch mal spontan zu fünft.

hitparade.ch: Wenn man euren Tourkalender anschaut fallen einem automatisch die vielen Tourneen im Ausland auf. Wie habt ihr diese Tourneen organisiert?
Slam: Auslandtourneen sind grundsätzlich für jede Band möglich. Es hängt einfach damit zusammen, ob man bereit ist Zeit zu investieren um man die Konzerte abzumachen. Wir waren schon im Ausland als wir nur zu zweit waren. Wir haben alles übers Internet gemacht, entweder nach Städten und Clubs gesucht oder geschaut wo andere Bands bereits gespielt haben. Nach all den Anfragen haben wir von etwa 10% der Clubs eine Antwort gekriegt, darunter auch Absagen.
Wir wollten ins Ausland weil wir gerne spielen, neues erleben wollten und auch sehen, was andere über uns sagen. In vielen Ländern haben wir mittlerweile Agenturen und Leute, die für uns das Booking übernehmen oder uns Tipps geben. Es ist für uns sicher einfacher geworden. Manchmal kommen wir auch zu Clubs wo wir gerne wieder spielen, aber ab und zu gibt es auch Orte in denen wir nie mehr spielen wollen, sondern uns etwas Besseres suchen. Je mehr Konzerte du gibst, desto mehr wirst du gebucht. Es muss nicht immer sein, aber es hilft sicher.

hitparade.ch: Auf einer Tour erlebt man ab und zu ziemlich witzige oder komische Sachen. Kannst du uns eine witzige Episode aus eurem Tourleben erzählen?
Slam: Da muss ich etwas überlegen, es gab schon soviel... Spanien war sehr eindrücklich. Die Spanier machen gerne Party, jedoch fängt alles sehr viel später an. Da sie erst erst um 23.00 Uhr essen, musst du um 1.00 Uhr morgens noch nicht spielen wollen, denn dann kommen die erst langsam zurück vom Abendessen. So haben wir im Baskenland einmal gespielt, wo sie beim ersten Lied schon fast durchgedreht haben. Plötzlich haben bei uns auf der Bühne viele Pärchen getanzt, nicht etwa zu den Balladen, sondern zu den schnellen Songs. Keiner hätte dich jedoch gestossen oder so, es war sehr friedlich. Auf einmal ist der Clubbesitzer auch noch auf die Bühne gekommen mit einem riesigen Sombrero mit Rasseln und hat zu gewissen Songs auch noch mitgemacht. Dies war wirklich ein lustiger und schöner Abend.
Wir hatten auch Erlebnisse, dass der Bus auf der Autobahn plötzlich nicht mehr gefahren ist weil wir keinen Diesel mehr hatten und mussten dann wir wie in der Werbung irgendwo im nirgendwo zur nächsten Tankstelle laufen.
Es gab auch noch den Fall, dass der Motor vom Auto kaputt gegangen ist und man abgeschleppt wurde. Wir hätten aber am gleichen Tag von der Schweiz nach Prag fahren sollen und das ganze ist in Stuttgart passiert. Nach langem haben wir dann einen Ersatzwagen bekommen und sind damit nach Prag gefahren. Wir konnten nur noch ausladen, stimmen und mussten gleich spielen. Und dann natürlich unzählige Partys, die wir besser für uns behalten...

hitparade.ch: Ihr habt ja natürlich auch eine MySpace-Seite. Was sind deine Erfahrungen damit?
Slam: Wir haben eigentlich gute Erfahrungen mit MySpace. Wenn du heute als Band keine MySpace-Seite hast, machst du es dir nur unnötig selber schwer. Noch vor ca. 4 Jahren war es völlig normal, dass du den Clubs ein Promopaket geschickt mit einer CD usw., man hat sie natürlich auch angemailt und auf die Homepage aufmerksam gemacht, wo Songs als mp3 zum runterladen abgeboten wurden. Die Antwort war dann meistens dieselbe, man solle eine CD schicken, sie hätten keine Lust die mp3-Songs runterzuladen. Heute steht schon auf vielen Seiten der Clubs, dass man keine CDs einsenden solle und sie selber beim MySpace-Link im Mail deine Songs anhören.
Es gibt dann aber auch Bands und Leute die fast nur noch im MySpace leben. Zum Beispiel Bands, die 10 Konzerte pro Jahr spielen, aber vielleicht 5000 Freunde haben und ein grosses Theater machen finde ich etwas übertrieben. Ich finde MySpace sehr hilfreich wenn man es richtig einsetzt, aber schlussendlich bist du eine Band die Live-Konzerte spielt und keine Computer-Band.

hitparade.ch: Was sind deine Wünsche für die Zukunft? Was würdet du mit der Band gerne erreichen?
Slam: Ich will nicht sagen dass ich Wunschlos glücklich bin, aber ich muss sagen ich bin sehr glücklich. Wir können sehr zufrieden sein was wir bis jetzt erreicht haben. Es ist zwar mit sehr viel Arbeit verbunden, aber bei uns zieht jeder mit. Wenn du 100 Konzerte pro Jahr spielst ist es klar, dass das Privatleben kürzer treten muss. Du bist immerhin fast jedes Wochenende unterwegs. Es gibt zwar noch viele Leute, die sagen sie würden gerne so viele Konzerte spielen. Wenn es aber darum geht es durchzuziehen kneifen die Meisten, da sie noch im Fussballklub sind oder mit Freunden abgemacht haben. Das sind halt Dinge die so nicht mehr gehen.
Ich möchte einfach, dass es so weitergeht. Wir haben es in der Band völlig unkompliziert und viel Freude zusammen. Rein kommerziell kann man es nur schwer steuern. Je mehr Leute dich kennen desto mehr Kritik gibt es auch und da musst du auch lernen mit negativer Kritik umgehen zu können. Wir möchten es noch etwas steigern, freuen uns aber an kleinen Sachen: bei der ersten Tour im Ausland mussten wir noch am Boden auf Matten schlafen, jetzt kriegen wir schon fast jedes Mal ein Hotel. Ich bin jedoch auch genügend Realist davon auszugehen, dass es immer schwieriger wird weiter hoch zu kommen und es auch nicht mehr so schnell aufwärts gehen kann wie es bis jetzt gegangen ist.

hitparade.ch: Kommen wir zur Top 10 der Schweizer Hitparade. Was kennst du und was denkst du über die einzelnen Songs?

9. Jack White & Alicia Keys - Another Way To Die
Slam: Hat etwas Wellen geschlagen dieses Duett zum James Bond-Film... Ich habe den Song noch nie gehört, bin aber gespannt.

7. Kid Rock - All Summer Long
Slam: Der Sweet Home Alabama-Song… Wenn man genau reinhört singt er über einen geilen Sommer den er erlebt hat und "Sweet Home Alabama" gehört hat. Für mich ist es gar kein billiger Abklatsch, sondern ich finde es einen schönen Liebesbeweis an den Song der mir gut gefällt.

6. Coldplay - Viva la vida
Slam: Ja, Coldplay sind Coldplay... Ist mir etwas zu langsam und zu patetisch.

5. Amy Macdonald - This Is The Life
Slam: Finde ich etwas erstaunlich, dass sie es mit ihrer Musik geschafft hat. Ich finde sie gut, es hatte aber auf dem Gurten zu viele Leute weshalb ich sie nicht gesehen habe.

4. Rhianna - Disturbia
Slam: Ist nicht mein Fall…

1. P!nk - So What
Slam: Den Song kenne ich zwar nicht, aber P!nk finde ich nicht schlecht. Rotzröhre, frech... sie sagt was sie denkt.


Linktipps:
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