INTERVIEW MIT PLANKTON



Fast vier Jahre nach ihrem letzten Album meldet sich die Winterthurer Band mit unerhörten Geschichten und eigenwilliger Musik zurück: Das neue Album «Rätselkönig» ist eine Wundertüte voller Überraschungen. Wir haben die Winterthurer zum Interview eingeladen.

hitparade.ch: Rund vier Jahre sind seit dem letzten Album vergangen. Was war der Grund dafür?
Reto: Vier Jahre klingen nach viel, für uns ist die Zeit aber sehr schnell vorbei gegangen. Wir haben nach dem letzten Album sehr viele Konzerte gegeben, waren ein Jahr auf Tour. Ausserdem hatten wir in dieser Zeit einen Schlagzeuger-Wechsel, dies beansprucht auch viel Zeit. Matthias Kräutli ist gegangen, nun ist Dominik da, nach dem wir lange gesucht hatten. Wir haben in der Zeit einfach viel gespielt, neue Songs geschrieben und ausprobiert und im letzten Jahr haben wir uns dann an die Arbeit für das neue Album gemacht, vorproduziert, aufgenommen, die Zeit verging wie im Flug.

hitparade.ch: Habt Ihr nur in der Schweiz gespielt oder auch im Ausland?
Reto: Beides. In der Schweiz haben wir mehrheitlich auf der Strasse gespielt, und in Deutschland haben wir eine Tour gemacht. Weisst du, wir haben ja keinen Stress, wir müssen nicht Album um Album nachliefern. Wenn wir auf unserem Niveau bleiben möchten, und wenn man unseren Bekanntheitsgrad berücksichtigen, dann können wir uns den Luxus erlauben, uns Zeit zu lassen. Wir haben auch den Anspruch, uns immer wieder neu zu erfinden, sonst wird es langweilig für uns.

hitparade.ch: Vier Jahre sind in der heutigen Zeit, mit den Massen an Releases und Bands, eine lange Zeit, gerade für Bands die nicht über alle Massen bekannt sind. Ist das nicht sehr gefährlich, dass man da wieder fast ganz vorne anfangen muss?
Dominik: Es ist ja nicht so, dass wir nicht aktiv waren in der Schweiz, wir haben daran gearbeitet, unsere Kontakte zu wahren. Und es hat sich viel Neues ergeben. Sicher gibt es Leute, die uns vor vier Jahren gekannt haben, wo man wieder aufwärmen muss. Aber vielleicht ist es so eine noch grössere Überraschung, was jetzt daherkommt.

hitparade.ch: Und in Deutschland?
Dominik: Ich glaube Plankton war auch vorher in Deutschland nicht in aller Munde.
Reto: In Berlin gabs mal was, da wurde ein Song entdeckt, kam in die Berliner Hitparade und wurde in einem kleinen Radio gespielt. Aber sonst war es eigentlich sowieso nie unser Ziel, in Deutschland bekannt zu werden. Wir wollten in Deutschland eigentlich ausprobieren, wie unsere Musik ankommt, wenn man uns nicht kennt. Wie wirken wir auf Menschen, die uns zum ersten Mal sehen? Und vorallem, wie kommt die Musik an, auch wenn die Leute die Sprache nicht verstehen? So konnten wir herausfinden, was wir machen müssen, wenn wir die Leute begeistern möchten, selbst wenn sie die Sprache nicht verstehen. Unter diesem Aspekt waren wir in Deutschland. Das Ziel ist es aber, uns in der Schweiz zu etablieren. Ich denke, eine Plattenfirma würde sagen, vier Jahre seien viel zu lange! Aber wir haben ja keine Plattenfirma, also haben wir auch den Druck nicht.
Vincent: Man hat immer das Gefühl, die Leute vergessen sofort wieder alles. Das stimmt doch nicht! Man muss sich doch Zeit lassen. Die Leute haben unsere Konzerte genossen, das geht nicht einfach so vergessen. Ich glaube es gibt eine Hysterie, dass man zu schnell vergessen geht. Wenn man aber so denken würde, dann würde man ja nur noch herumrennen!
Dominik: Dann meldet man seine Geburtstage der Glückspost!
Reto: Oder man fährt ins Rignier-Gebäude rein :) Ich denke, wenn man sich selber einen solchen Druck aufhalst, man müsse sofort wieder was bringen, dann besteht auch die Gefahr, dass es dann einfach schlecht ist und es niemanden mehr interessiert.
Dominik: Man macht ja in einer solchen Zeit auch eine Entwicklung durch... musikalisch und persönlich. So verändert sich auch die Musik. Wenn man ein Album herausbringt im Jahr 2007, spielt dann eine Tournee und muss bereits im 2008 wieder ein Album bringen, dann hat man auch gar keine Zeit um weiterzukommen, man hat gar kein Material. Sicher gibt es Künstler, die genug Material haben, um dann gleich nochmals was zu bringen. Es ist halt einfach die Gefahr da, dass ein zweites oder auch ein drittes Album nicht mehr so tief geht wie das davor.

hitparade.ch: Nun seid ihr gerüstet für eine neue Runde, mit einem neuen Schlagzeuger im Rücken. Wie kam es zum Wechsel und wie seid ihr auf den Neuen gestossen?
Reto: Wir waren mit Matthias bereits acht Jahre lang unterwegs und er hat wohl einfach mal eine Veränderung gebraucht. Dominik haben wir lustigerweise in einem Internet-Portal gefunden. Wir hatten Anzeigen geschaltet und zahlreiche Schlagzeuger haben bei uns vorgespielt, unter anderem auch Dominik, obwohl er nicht gerade der Typ ist, der auf Internetportalen herumhängt um eine neue Band zu finden. Es war ein glücklicher Zufall.
Vincent: Nur schon, dass wir überhaupt auf einem Internetportal inserieren ist schon eine Sensation. Und dass dann er dort schauen geht, war wieder eine Sensation. Zusammen ergibt dies eine Riesensensation! (lacht)

hitparade.ch: Dominik, hast du denn die Band vorher schon gekannt?
Dominik: Ja, sie kommen ja aus Winterthur und ich aus Frauenfeld, das ist nicht so weit voneinander entfernt. Ich habe dort auch mit 14 angefangen, Musik zu machen. Wir hatten uns auch einmal bei einem Wettbewerb getroffen, wo sie mit Plankton gespielt hatten und ich mit meiner Band. Ich kannte sie daher schon. Ich bin auch mal an ein Konzert gegangen in Winterthur, sie haben mir sehr gefallen. Besonders auch den Schlagzeuger fand ich sehr cool. Dann habe ich sie fünf oder sechs Jahre aus den Augen verloren... Und dann zu Weihnachten, als nichts los war, habe ich im Internet geschaut, was so läuft. Ich habe viel Jazz gespielt und wollte unbedingt wieder eine richtige Band. Beim Jazz waren es immer nur so "Projektchen", aber ich wollte mal wieder richtig in eine Gruppe investieren, die miteinander Konzerte gibt und arbeitet. Dann kam ich auf diese Seite, sah "Plankton" und dachte: "Das gibts ja nicht". Das war im Dezember 2007.

hitparade.ch: 15 Songs umfasst euer Album "Rätselkönig". Der Name trägt den Titel des ersten Tracks. Was bedeutet es als Albumtitel für euch?
Vincent: Der Rätselkönig ist einfach der, der irgendwo Glück gehabt hat und nun irgendwie der Chef ist. Bernhard Russi ist beispielsweise so einer. Oder auch der neue UBS-Chef Grübel ist ein Rätselkönig. Oder auch die Bundesräte. Das sind so Leute, bei denen versteht man nicht was sie sagen, daher glaubt man ihnen auch nicht wirklich, da sie in Rätseln sprechen. Man kann es ja nicht wissen. Ich meine, wenn irgendwer etwas über die Börse sagt, beispielsweie... wir wissen doch, dass es eine Lotterie ist! Das ist wie bei der Meteorologie. Wie beim Wetter. Du kannst es nicht wissen. Also klar kann man es abschätzen, aber wenn es dann halt mal nicht stimmt, dann sagt man: "Das ist halt das Wetter, es macht was es will". Und bei der Börse ist es die Wirtschaft, die macht was sie will. Und dann gibt es solche, die sagen einfach: "So ist es!". Dies ist ein Rätselkönig. Einer der Glück gehabt hat im Leben und es zu was gebracht hat. Und auch wir anderen sehnen uns nach einer solchen Position. Dies zieht sich irgendwie durch das ganze Album, daher der Titel. "Da sind die Grossen mit dem Geld, und wir würden auch gern... Nur werden wir es nie können, weil wir uns selbst im Weg stehen und ganz einfach weil wir kein Glück haben". Heutzutage ist Erfolg sehr von Glück abhängig.

hitparade.ch: Musikalisch kann man euch in den 60ern und 70ern ansiedeln. Welches sind eure Einflüsse?
Reto: Ich denke, die Beatles beeinflussen jede Band irgendwie, sie sind sicher auch bei uns irgendwo im Unterbewusstsein.
Vincent: Dass man uns in den 60ern oder 70er Jahren ansiedelt, das haben wir noch nie gehört. Das höre ich heute zum ersten Mal. Wir hören ja nicht einmal solche Musik.
Dominik: Wir hören vielleicht Musik, die von den 60ern beeinflusst worden sind. Vieles wurde durch diese Musik beeinflusst.

hitparade.ch: Was hört ihr dann?
Dominik: Früher habe ich oft gesagt "Ich höre nur Led Zeppelin, oder ich höre nur Beatles oder nur Lenny Kravitz". Mittlerweile würde ich sagen, ich höre nur gute Musik. Musik, die mir im richtigen Moment das gibt was ich brauche. Das jann Jazz sein, Mani Matter, Earthwind and Fire, Clash... alles Mögliche! Einfach das, was mir gefällt.
Reto: Das ist bei mir ähnlich. Und alles, was man sich so anhört, kommt dann irgendwie in unseren Songs wieder zum Vorschein. Kann schon sein, dass dies alles ursprünglich wieder zu den 60ern und 70ern führt. Muss fast.
Vincent: Ja, bestimmt ist das so. Ich höre Radio, so ziemlich alles. DRS1 ist gut. Da kommt ein guter Mix. Der Sender nimmt auf alle Rücksicht... manchmal kommt französische Musik. Sie unterstützen auch kleine Bands und sind voll dabei. Die Aufmerksamkeit für neue Sachen ist sehr gross.

hitparade.ch: Radio DRS spielt "Madame Giraff" bereits in einer gewissen Regelmässigkeit. Bekommt man da auch mal komische Reaktionen, wenn man plötzlich gespielt wird, rufen da Freunde oder Mamis an oder solche Sachen?
Dominik: Auf hitparade.ch gibt es einen Kommentar zu diesem Song, da steht: Was für Drogen muss man nehmen, zum einen solchen Song zu schreiben? Manchmal sagen auch Kollegen, dass der Song gleich im Radio gespielt wird, man kriegt ein SMS oder so. Einmal hab ich dann das Online-Radio von DRS3 angemacht, und alle vom Büro kamen dann zuhören und haben sich total gefreut und gratuliert. Oder auch mein Vater erzählt mir oft davon, wenn er es im Auto im Radio gehört hat. Man erzählt ja auch seinen Eltern was man so macht. Die nehmen das dann nicht so ernst, bis sie es eben im Radio hören und wiedererkennen. Dann rufen sie an und freuen sich total.
Vincent: Der Effekt ist nach wie vor riesig. Es gibt ja so viele Lokalradios und Zeitungen, dass eigentlich jeder Mensch auf der Welt irgendwie mal in der Zeitung kommen kann. (lacht). Und doch ist der Effekt trotzdem da, dass man denkt: Wow, das kommt im Radio, das muss etwas Spezielles sein.

hitparade.ch: Es ist sicher speziell, den eigenen Sound im Radio zu hören..?
Dominik: Ja, das war wirklich so. Anfangs habe ich dauernd von Kollegen erfahren, dass sie es gehört haben, und ich hatte es jedesmal verpasst. Und als ich es dann das erste Mal gehört habe, habe ich mich sehr gefreut und dachte: "Hey, das klingt gut".

hitparade.ch: Euer Heimsender, Radio Top, will anscheinend noch nichts wissen von lokal aufstrebenden Bands, wie werdet ihr das noch ändern?
Reto: Am Sonntag sind wir dort und dürfen eine Stunde lang plaudern. Das soll eine grössere Sache werden, es soll die ganze Woche darum gehen, dass wir zu jemandem nach Hause gehen werden für ein Privatkonzert. Man kann uns gewinnen.
Dominik: Es geht dann darum, dass die Leute Vorschläge bringen können, weshalb wir jetzt bei unserem Release genau an ihrem Fest spielen sollen. Wir können uns dann den besten Vorschlag aussuchen.
Reto: Vom Radio Top ist also schon Goodwill da! Vor 10 Jahren, als der Sender noch lokaler war, ist es viel einfacher gewesen, dort gespielt zu werden. Sie sind nicht die ersten, die neue Bands pushen. Das spielt keine Rolle, ob man halt auch von Winterthur ist.

hitparade.ch: Und was macht ihr eigentlich, wenn der letzte Ton der Zugabe gespielt ist? Verkriecht ihr euch da in den Backstage-Bereich, bis der letzte Besucher verschwunden ist oder trifft man euch auch noch für einen Schwatz an der Bar danach?
Vincent: Ja, das ist was sehr Wichtiges. Wir reden mit den Leuten und tauschen uns aus, das ist auch für uns sehr wichtig. So erfahren wir auch, ob die Show gut gewesen ist.
Dominik: Dies haben wir vorallem in Deutschland sehr genossen. Wenn man wirklich auf Tournee ist, dann kann man seine Sachen dort liegen lassen, wo man gespielt hat, hat vielleicht gleich nebenan ein Hotelzimmer, man kann gemütlich noch was trinken, da man nicht noch nachts um drei nach Hause fahren muss. Man kann sich Feedback von den Leuten holen oder nochmals mit dem Clubbesitzer reden. Das ist wirklich viel relaxter auf Tour, wenn man nicht so viel Stress hat und noch ein bisschen reden kann mit den Leuten. Wir mussten ja auch nicht arbeiten am nächsten Tag, das war in Deutschland sehr angenehm.
Vincent: Auch für uns untereinander ist dies wichtig. Denn wenn danach jeder sofort nach Hause rennt und wieder seinen eigenen Dingen nachgeht, können wir auch nicht besser werden. Wir haben ja auch meist noch eine Nachbesprechung, was war schlecht, was war gut? Dies kann man nicht erst drei oder vier Tage nach dem Konzert machen.

hitparade.ch: Und zum Schluss die Top 10 der Schweizer Hitparade. Was kennt ihr davon?

9. Mando Diao - Dance With Somebody
Reto: Da fand ich das alte Album sehr lässig. Dieses hier ist sehr produziert. Aber ich kenne es nicht wirklich.

8. Leona Lewis - Run
Dominik: Die hat ja das Superstar-Dings in England gewonnen. Das ist eben der Unterschied: Leute von dort starten eine internationale Karriere, die ein völlig anderes Format hat als bei uns.

6. Kate Perry - Hot N Cold
Dominik: Cooler Popsong, finde ich gut.

5. Bligg - Rosalie
Reto: Wir sagen zu Dominik immer, wenn er nicht wisse, wie er Zürideutsch singen soll, dann solle er sich vorstellen, er sei Bligg.
Dominik: Ich habe ja einen anderen Dialekt als die anderen, da muss ich mich anpassen
Vincent: Bligg redet so richtig Züritüütsch

4. MusicStars - Min Tag
Reto: Das Musicstar-Lied klingt wie 4 Non Blondes

2. James Morrisson feat. Nelly Furtado - Broken Strings
Dominik: Diesen Popsong finde ich sehr gut. Ist sehr kommerziell.


Linktipps:
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