INTERVIEW MIT POVIA



Giuseppe Povia war 2005 mit seiner Single "I bambini fanno 'oh'" unglaubliche 20 Wochen an der Spitze der italienischen Charts. Nun ist sein neues Album erschienen, wir haben den Mailänder zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Du hattest deinen ersten großen Erfolg im Premio Recanti im Alter von 31 Jahren. Wie sah dein Leben davor aus?
Povia: Ja, ich schrieb diesen Song über Magersucht (Mia sorella) welchen ich dann bei Premio Recanti sang. Davor war ich 16 Jahre lang Kellner in einer Bar. Wenn ich Zeit hatte schrieb ich immer Songs bevor ich abends ins Bett ging.

hitparade.ch: Hast du schon immer eine Musikerkarriere angestrebt und siehst du dich eher als Hobbymusiker?
Povia: Es war immer mein Traum, hauptberuflich Musiker zu sein!

hitparade.ch: Mit deinem Song "I bambini fanno 'oh'" warst du unglaubliche 20 Wochen auf Platz eins der Italienischen Charts. Es ist sehr schwer oder gar unmöglich diesen Erfolg zu toppen. Hast du diesbezüglich einen gewissen Druck, oder motiviert dich das umso mehr?
Povia: Jeder Sänger hat solch einen großen Song einmal im Leben. Ich habe "i bambini fanno oh". Dieser Song hat es mir ermöglicht als Musiker zu arbeiten. Jedes Mal, wenn ich einen neuen Song schreibe, bin ich überzeugt, dass auch dieser erfolgreich sein wird.

hitparade.ch: Dieser Titel war auch in deutschsprachigen Ländern erfolgreich. Zudem hast du noch eine Spanische Version veröffentlicht. Bist du zufrieden mit dem internationalen Erfolg, oder könnte da noch mehr passieren?
Povia: Ja, ich bin sehr zufrieden. Jetzt hören die Menschen meine Texte. Ich möchte gerne auch noch Deutsche, Chinesische und Russische Versionen veröffentlichen. Wir haben zum Beispiel auch viele Konzerte in Serbien gespielt!

hitparade.ch: Was denkst du über die Entwicklung des Italo-Pops? Wieso hat dessen Wichtigkeit im internationalen Vergleich in den letzten Jahren ein wenig abgenommen?
Povia: Viele Italienische Künstler hören vermehrt Amerikanische Musik und eifern diesem Stil nach, kopieren ihn sogar. Wir wollen eben auch international anerkannt werden. Aber Italiener auf der ganzen Welt lieben nach wie vor Sachen wie Pavarotti, Volare oder 'O Sole Mio.

hitparade.ch: 1999 hast du das Finale in San Remo erreicht und 2006 sogar diesen Wettbewerb gewonnen. Denkst du, dass dieses Festival ein wichtiger Anfang für Künstler ist, um in Italien erfolgreich zu werden?
Povia: Ja, es ist sehr wichtig. Fernsehstationen, Zeitungen, jeder spricht über San Remo. Ich möchte jedes Jahr an diesem Festival dabei sein!

hitparade.ch: Wie ist es da mit den anderen Musikern? Herrscht da jedes Mal eine große Partystimmung?
Povia: Nein, jeder da will danach einfach nur schlafen. Den ganzen Tag hetzt man von Interview zu Interview und man hat am Abend bloß eine Stunde Zeit um seine Stimme zu erholen. Da ist keine Party, nur Arbeit.

hitparade.ch: Was denkst du über den Eurovision Song Contest? Der Event wird von Jahr zu Jahr größer, aber Italien hat seit 12 Jahren nicht mehr daran teilgenommen.
Povia: Weil der TV-Sender RAI damit kein Geld einnimmt, haben sie die Türen und somit die Möglichkeit zur Teilnahme geschlossen. Es ist schade. Wenn Italien die Chance hätte, sollten wir unbedingt wieder teilnehmen. Ich wäre jedenfalls hundertprozentig dabei!

hitparade.ch: 2009 wirst du wieder am Festival in San Remo mitmachen, diesmal mit dem Song "Luca era gay" (dt. Luca war schwul). Im Vorfeld gab es dazu schon einige hitzige Diskussionen. Hast du jemals daran gedacht, den Song zurückzuziehen?
Povia: Nein, ich beschäftige mich schon seit Jahren mit der Thematik der Homosexualität. 2004 habe ich im Zug von Mailand nach Rom einen Typen kennen gelernt. Obwohl ich damals noch nicht so bekannt war, wusste er wer ich bin. Er erzählte mich, dass er 20 Jahre lang schwul war und jetzt mit einer Frau zusammen ist und sie eine 5 jährige Tochter haben. Er hat mir vier Stunden lang von seinem Leben erzählt. Diese Geschichte hat mich dazu inspiriert diesen Song zu schreiben.

hitparade.ch: Deiner Ansicht nach wird niemand homosexuell geboren. Es existieren aber Wissenschaftliche Belege, welche das Gegenteil behaupten. Wie festigst du deine Meinung?
Povia: Diese Geschichte besagt ja, dass man jahrelang homosexuell sein kann und doch noch zum Hetero werden kann. Dieser Mann, den ich im Zug getroffen habe ist kein Einzelfall. Ich bin überzeugt, dass es noch viele andere "Lucas" gibt. Niemand wird schwul geboren. Die Wissenschaft sollte Homosexualität nicht wie eine angeborene Krankheit abstempeln.

hitparade.ch: Was denkst du über berühmte Künstler wie Elton John, Freddy Mercury, George Michael oder Boy George, die alle schwul sind/waren?
Povia: Wenn jemand sagt, dass er glücklich ist schwul zu sein, kann ich ihm das einfach nicht glauben. Lassen wir das Thema…

hitparade.ch: Dein Song ist sehr erfolgreich und ist sogar in die Schweizer Charts eingestiegen. Das Album kletterte diese Woche vom 20. auf den 16. Platz in Italien. Bist du zufrieden, wie sich alles entwickelt?
Povia: Ja, ich bin sehr zufrieden. Anfangs, als viele nur den Songtitel "Luca era gay" kannten, waren viele verärgert. Als sie den Song dann aber hörten, fanden ihn alle wundervoll.

hitparade.ch: Wie sehen deine Zukunftspläne aus?
Povia: Wir haben ein Programm im Oktober. Wir werden zuerst in Nordeuropa auf Tour gehen.

hitparade.ch: Werdet ihr auch ein Konzert in der Schweiz geben?
Povia: Ja, ich denke, in der Schweiz werden wir auch Halt machen.
Interview durchgeführt: Jim Kaufmann, Steffen Hung


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