INTERVIEW MIT SHAKRA



Shakra wollen den "Everest" besteigen und arbeiten nicht nur intensiv daran, sondern werden auch immer mehr mit Erfolg belohnt. Während für die einen beim besteigen ihrer "Everests" die Luft auf internationalem Terrain immer dünner wird, blühen die Emmentaler richtiggehend auf, und das alles ohne aufgesetzte Masken und skandalöse Marketing-Einlagen. Darum finden die Interviews mit Mark Fox nie in einer Szenebar bei Cüpli und Lachshäppli statt, sondern gemütlich und locker in einer Beiz um die Ecke. So wird das auch eine lockere Sache…

hitparade.ch: Herzliche Gratulation, euer Album "Everest" ist in die Top 10 eingestiegen und verweilt dort gerade noch etwas. Bereits zum zweiten Male ein solcher Einstieg. Was ist dir durch den Kopf gegangen, als du davon erfahren hast?
Mark Fox: Reden wir es noch etwas schöner, letztes mal Top 10 und diesmal Top 5… (lacht)

hitparade.ch: Detailreiterei…
Mark Fox: Ja klar, darf ja auch etwas sein. (lacht) Aber im Ernst, es ist natürlich schon geil, wenn man sich da in dieser Liste dort stehen sieht.

hitparade.ch: Wenn man eure Geschichte etwas genauer betrachtet, dann sieht man, dass euer Erfolg nicht von ungefähr kommt. Seit zehn Jahren wachst ihr kontinuierlich, unternehmt immer weitläufigere Touren, verkauft immer mehr Platten. Und im Gegensatz zu anderen Bands hört und liest man von euch aber nie irgendwie "Jetzt gehen wir dahin und erobern Deutschland. Jetzt entern wir Italien!" oder Ähnliches. Entspricht dieser eher ruhige Weg, ohne Mediengetöse, eher eurer Strategie?
Mark Fox: Wir haben einfach diesen ehrlichen Weg gewählt, weil wir nichts erzählen wollen, das am Schluss nicht der Realität entspricht. Gewisse Bands berichten, sie hätten jetzt Japan erobert oder seien jetzt in Deutschland "on the top". Unter dem Strich haben sie das dann aber doch nicht erreicht. Aber für den Marketing-Gag, um hier in der Schweiz besser zu funktionieren, reicht das dann schon. Es ist einfach so, dass das Publikum eher das kauft, was "erfolgreicher" ist. Wir merken auch, wie das funktioniert, gerade wenn wir sagen, wir gehen ins Ausland ein paar Konzerte wie gerade vor dem Album-Release. Dann interessieren sich plötzlich enorm mehr Menschen für Shakra und hören Hardrock. Und es ist in der Schweiz mehrheitlich so, dass man als Nicht-Mundart-Band lange nichts wert ist, solange man nicht im Ausland gewisse Sachen vorweisen kann. Und wir haben unsere Anstrengungen daran gesetzt, hier erst mal Top zu sein und hier zu wachsen, bevor wir weitere Wege beschreiten wollen.

hitparade.ch: Wenn ihr jetzt auf diesem Weg seid, kommt jetzt das Album "Everest". Wie sollen wir das interpretieren? Ihr habt den Berg erklommen und seid da, wo ihr immer hin wolltet? Oder steht ihr vor diesem Berg und wollt da hinauf, mit der Beharrlichkeit des Namensgeber George Everest, welcher gesagt hat, wenn du höhere Ziele erreichen willst, dann musst du etwas härter arbeiten als andere?
Mark Fox: Eher das Zweite. Es ist blöd in der Musik zu sagen, man hätte sein Ziel erreicht und man stehe nun auf dem höchsten Gipfel der Welt. Was willst du dann nachher noch? Wenn du die Bandgeschchte anschaust, siehst du bei jedem der Band-Mitglieder eine eigene Geschichte und wie er daran gearbeitet hat, dass dieser Karren rollt, diese Expedition dort hinauf gewagt werden kann und auch jeder geben will, was er kann. Es gibt genug, die es, auch verständlicherweise, nicht wagen. Nach der Ausbildung, einem Demo-Tape und ein paar Konzerten gehen sie nun in ein Büro arbeiten und sicheres Geld verdienen. Sie wollen sich diesen enormen Widerständen, die auf einem zwangsläufig zukommen, nicht entgegensetzen. Hinter dem Titel steht eine grosse Symbolik, für jeden von uns. Alle haben einen solchen Everest im Leben. Ob sie ihn dann erklimmen oder nicht, ist ein anderes Thema.

hitparade.ch: Du hast die Band-Mitglieder angesprochen. Einen, den wir uns an dieser Stelle schnell heraus pflücken, ist Dominik Pfister, der neue Bassist. Wie hat er sich eingelebt? Wie habt ihr ihn eingegliedert und wie hat er sich bereits in die Band und das Album eingebracht? Was konntet ihr mitnehmen auf eurem Weg von ihm?
Mark Fox: Ihn konnten wir vor allem mitnehmen! Das ist sehr wichtig. Er ist jung, 22, und hat noch nicht so viele Live-Erfahrung. Und sein erstes Konzert mit Shakra fand jetzt gerade mal noch in Holland statt. Das ist eine völlig neue Welt für ihn. Aber wir versuchen, ihn so gut wie möglich zu unterstützen. Bislang nimmt er es sehr gut auf und meistert die Situation souverän. Er kann die Songs perfekt spielen. Er ist sehr angenehm und vor allen eine sehr ruhige Persönlichkeit, wie das Schweizer Bassisten so an sich haben. Er taut dann sicher noch etwas auf. Im Studio hat er sich bereits eingebracht und bei der Live-Umsetzung auch, so machen wir Parts nur mit Bass und Drums, wie wir das früher nie hatten. Es kommt cool daher.

hitparade.ch: Wenn man sich durch die einschlägigen Magazine und Websites des härteren Rocks liest, dann ist die Resonanz auf euer neues Album durchwegs positiv. Alle wissen nur Gutes zu schreiben und loben euch. Besteht da manchmal nicht auch die Gefahr, dass man den Boden etwas unter den Füssen verliert und abhebt?
Mark Fox: Klar geniesst man es, wenn man beliebt ist und das, was man macht, Unterstützung findet. Wir wissen aber ja alle selber, dass wir auch irgendwo Abstriche haben, das hält einem dann schön auf dem Boden der Tatsachen. Wenn du stets nach dem Perfekten suchst, dann entdeckst du immer wieder Fehler. So hebst du auch nicht wirklich ab.

hitparade.ch: Ihr seid eine der wenigen Schweizer Bands, die von ausländischen Festivals und Bands angefragt werdet, um zu spielen, ohne Kulturaustausch und finanziellem Support von Fördergeldern. Gibt es da auch Geschichten, die ihr euch nie erträumt hättet, dass man da mal spielen kann und die nun selber da stehen und anklopfen, oder sonstiges Lustiges, welches ihr schon erlebt habt?
Mark Fox: Ja, Swedenrock ist so ein Festival, das immer wieder selber anfragt, aber auch andere Rock- und Metal-Festivals, von denen wir noch gar nie gehört haben. Wir kommen dann aus dem Staunen nicht mehr raus, wenn wir dort die Bühne betreten dürfen. Aber es gab auch schon, dass wir an einem kleinen Festival gespielt haben als Headliner, wo 90% der Bands dem Death- oder Black-Metal zuzuordnen sind. Wenn du dann nachts um halb zwei auf die Bühne kommst, hast du schon verloren. Denn die, die dir jetzt zuschauen, die wollen alles andere als unseren Hardrock hören. (lacht) Es gibt also negative und positive Überraschungen.

hitparade.ch: Wenn wir gerade bei "live" sind, so viele Termine sind noch nicht online… Frech gefragt: Ist das alles?
Mark Fox: Nein, sicher nicht. Aber wir handhaben es wie alle anderen auch, dass wir erst etwas aufschalten, wenn es wirklich fix ist. Es läuft sehr viel im Hintergrund, aber wir sind noch am Planen. Aber wer regelmässig reinklickt, wird das dann schon sehen. Im Herbst kommt noch eine Club-Tour, aber die will in der Schweiz gut organisiert sein, nicht dass du am Samstag einfach ein Dorf weiter spielst als am Freitag und man sich gegenseitig das Publikum raubt.

hitparade.ch: Zwecks einwandfreier Recherche für das Interview hab ich mich intensiv durch die Szene-Magazine geblättert und geklickt, welche ja mehrheitlich düster bis ganz schwarz gehalten sind, wie auch die Platten-Cover der dazugehörigen Bands. Wenn man jetzt aber auf euer Album stösst, kriegt man fast ein Schock, dieses Weiss von "Everest". Ist das ein Marketing-Gag oder wie hat sich das ergeben?
Mark Fox: Also am Anfang stand schon dieser Gag, dass wir uns gesagt haben: komm, alles ist schwarz, wir machen jetzt was in weiss. Aber das war noch weit weg von neuen Songs und vom Albumtitel und wurde irgendwie wieder vegessen. Als es dann um den Endschliff ging, der Titel und die Symbolik klar war, haben wir gemerkt, dass das alles dann auch in weiss sehr gut funktioniert. Dann haben wir uns dafür entschieden. Aber als Strategie war es nicht gedacht, als Witz aber schon. Dass es dann wirklich so kommt, hätten wir auch nicht gedacht.

hitparade.ch: Und es fällt auf…
Mark Fox: Ja, klar, aber die CD muss schön aussehen, die Farbe ist am Ende nicht das wichtigste. Und das ist uns sicher gelungen. Aber dass es als Marketing-Gag gedacht war, kann man uns sicher gut andichten, das versteh ich, ist aber nicht so schlimm.

hitparade.ch: Etwas weiteres, was bei euch auffällt, sind die Bandfotos. Wenn man sich wiederum durch die Galerien der Hardrock-Szenerie klickt, stösst man auf das Kabinett der böse drein schauenden Menschen. Wiederum nicht bei Shakra, dort schaut man zwar etwas ernst, aber keine Grimassen und Posen, mit denen man kleine Kinder erschrecken könnte, sondern einfach fünf Jungs von nebenan. Ist das mitunter auch ein Grund, wieso ihr auch ausserhalb der Hardrock-Fans auf viele Sympathien stösst?
Mark Fox: Also grundsätzlich sind wir auch keine Bösen und irgendwelche Poser. Wir sind immer irgendwo am Lachen. Und warum sollten wir uns dann anders verkaufen? Wir haben weder das Image noch die düsteren Texte, das alles würde ja nicht passen. Wir sind fünf Freunde und machen harte Musik. Das ist es, mehr nicht. Ich bin ein positiver Mensch, der will, dass es etwas gibt, an dem man sich freuen kann. Darum darf uns das Bild durchaus mehr als Lausbuben darstellen denn als düstere Teutonen-Metal-Freaks mit Rüstungen und Totenköpfen. Wer das will, der soll, aber unser Ding ist das nicht

hitparade.ch: Man hat allgemein das Gefühl, dass Shakra eher eine Band zum Anfassen ist. Ihr seid auf den bekannten Internetplattformen recht bekannt, haltet engen Fankontakt, auch an den Konzerten, während andere, gerade hier in der Schweiz, sich da sehr zurück halten und sich beklagen, dass die Fans schon fast vor der Wohnung übernachten. Was macht ihr anders oder hat es sich einfach so ergeben?
Mark Fox: Also Musiker, die solche Sachen behaupten, machen dies vermutlich eher, um wieder mal in der Zeitung zu erscheinen. Ich habe gerade das Schweizer Publikum als ein sehr zurückhaltendes kennen gelernt. Bei mir klingelt es selten an der Tür. Darum ziehen auch all diese internationalen Top-Stars in die Schweiz, nicht nur aus steuertechnischen Gründen. Man erkennt den Star schon, aber selten kommt dann jemand und verlangt ein Autogramm oder ein gemeinsames Foto. Das ist sehr angenehm. Ich denke eher, dass es eine faule Ausrede oder ein Desinteresse ist, sich nicht so intensiv mit den Fans abzugeben. Es ist ja kein Muss, du musst ja mit niemandem chatten oder schreiben, telefonieren, wie auch immer. Sich aber dann daran stören, ist dann also übertrieben, gerade hier in der Schweiz.

hitparade.ch: Nach dem Release ist vor dem Release. Klar, es ist vermessen, jetzt schon über weitere Alben sprechen und zu sinniern. Aber ich habe letzthin ein Interview mit einem Blueser gelesen, der sagte, für ihn sei die kreativste Phase jene direkt nach dem Release, weil ihm, wenn er auf der Promo-Tour all seine Songs x-fach anhören muss, Ideen kommen, was er als nächstes machen möchte. Dann beginnt bei ihm der Enthusiasmus, neue Songs zu schreiben. Ist das bei euch auch so?
Mark Fox: Ja, auf jeden Fall. Wir haben andauernd Ideen für Songs, die wir irgendwie zusammentragen. Bei uns gibt es kein Schema, dass wir beispielsweise ein Album machen, dann touren und dann erst wieder beginnen, Songs zu schreiben. Das ist bei uns ein stetiger Prozess. Klar, wenn wir finden, wir machen ein neues Album, dann wird das intensiviert und werden stärker Ideen ausprobiert. So soll es auch sein. Aber die Ideen müssen zuerst auch mal kommen. Und das geschieht wenn du auf Tour bist, in den Ferien, mit dem Hund Gassi gehst, was auch immer. Der kreative Prozess hört ja nie auf. Manchmal gibt es Hänger, das ist aber auch nicht schlimm. An anderen Tagen sprudelt es wieder schier unerschöpflich.

hitparade.ch: Wir haben gerade einen Blueser angesprochen. Ist bei Shakra der Metal oder Hardrock das Ende der Fahnenstange oder habt ihr euch auch schon überlegt, mal etwas anderes zu machen? Nicht für die Fans, sondern als Experiment für euch selber? So wie das bei vielen anderen Bands mit Unplugged-Projekten der Fall ist? War so was mal Thema bei euch?
Mark Fox: Also gerade Unplugged-Ideen sind viel diskutiert worden, ob wir das mal machen wollen, aber irgendwie ist die Lust im Moment gar nicht da. Dass man mal hin sitzt irgendwo und auf der akustischen Gitarre etwas spielt, ja - aber nicht für Platten und Konzerte. Vielleicht packt uns diese Lust irgendwann mal in ferner Zukunft, aber heute und morgen noch nicht. Was wir vor Konzerten immer als Witz bringen, dass man mal Shakra in Swing präsentieren könnte, mit Posaunen und Trompeten, einer richtigen Big Band. Aber das ist wirklich ein Witz, ist sehr unwahrscheinlich dass wir uns dazu hinreissen lassen. Obschon es doch Songs gibt, wo das vermutlich gut passen würde…

hitparade.ch: Es gab ja mal ein Album, wo diverse Schweizer Musiker wie Sina, Kuno, Büne oder Polo sich von einem Jazz Orchetser haben begleiten lassen. Ich fands nicht so ein Reisser, alles tönte eigentlich gleich wie vor, einfach mit Orcheser ergänzt. Aber geswingt hat's dann doch nicht wirklich…
Mark Fox: Nein, also wenn wir sowas machen, sollt's kein Abklatsch von irgendetwas werden, sondern so richtig groovy…


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