INTERVIEW MIT KENT STETLER



«Ein Fremder im Spiel»: Einer, der die Spielregeln nicht kennt und doch ein Teil des Spiels ist. Der Titel des neuen Albums von Kent Stetler, Sänger und Texter aus Kanada, erzählt von Unruhe und Zerstreuung und von der Suche nach der verloren geglaubten Seele in seiner Stimme. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Kent, Du bist ursprünglich aus Kanada und bist auf Umwegen hier gestrandet und geblieben. Was war anders hier als in Kanada? Warum bist du geblieben? Hat dich das Leben in Bern fasziniert?
Kent: Ursprünglich kam ich wegen meiner Freundin in die Schweiz, ein guter Grund also. Geplant war, dass ich für ein Jahr bleiben würde. Ich besuchte dann aber die Jazz-Schule in Bern und lernte viele neue Leute kennen, die mich hier in der Schweiz hielten.

hitparade.ch: Was hast du im vorhinein über die Schweiz gedacht?
Kent: Ich wusste nicht genau, wo die Schweiz ist (lacht). Wie die meisten hätte ich es wohl mit Schweden verwechselt. Inzwischen kenne ich das Land vielleicht sogar besser als viele Einheimische, da ich sehr viel reise und die Musik mich in alle Ecken der Schweiz führt.

hitparade.ch: Haben sich die Vorurteile über die Schweiz bestätigt?
Kent: Im Zusammenhang mit der Schweiz fiel mir Swatch, Käse und Jodeln ein. Das gehört hier natürlich wirklich dazu, aber es gibt noch ganz andere Seiten. Zum Beispiel ist alles sehr multikulturell, auch durch die Mehrsprachigkeit. Davon hatte ich beispielsweise vorher keine Ahnung!

hitparade.ch: Du bist nicht der Erste der hier landet und Musik macht. Chessy Weaver kam aus New York und aktuell bekannt gemacht wird auch der Engländer Gus MacGregor. Was hält dich, und vermutlich auch andere, in Bern und der Schweiz um Musik zu machen?
Kent: Musik mache ich, weil es meine Berufung ist und in der Schweiz bin ich, weil es mir gefällt. Diese zwei Dinge haben nichts miteinander zu tun. Der Vorteil hier ist, dass sehr viele gute Musiker auf engem Raum leben und die Ausbildungen hochwertig und zahlbar sind.

hitparade.ch: Kennst du die anderen beiden? Hast du sie kennen gelernt oder weisst du andere, denen es wie dir ergangen ist?
Kent: Ja, mit MacGregor hatte ich E-Mail-Kontakt und traf ihn nach einem Konzert. Ich schlug ihm gemeinsames Songwriting vor, weil ich ihn sehr talentiert finde. Bisher fanden wir jedoch nie gross Zeit uns weiter darüber zu unterhalten. Er ist auch viel unterwegs und im Ausland.

hitparade.ch:Du hast schon früh Musik gemacht, aber nicht, so steht es zumindest in deiner Bio, über den üblichen Weg mit einer Band. Du hast deinen Weg über grosse Projekte wie "Up With Music" oder Big Bands gemacht. Was hat dir daran so gefallen?
Kent: Meine erste Begegnung mit Musik hatte ich im Kirchenchor, in dem ich mit meinem Vater sang. Ausserdem brachte ich mir autodidaktisch das Klavier spielen und begann eigene Lieder zu schreiben. In der Highschool spielt ich in vielen Bands Saxophon Anschliessend wurde ich Mitglied in einer Band namens "Up With People". Hört sich ein wenig religiös an, war es aber nicht. Unterwegs lernte ich dann meine Freundin aus der Schweiz kennen.

hitparade.ch: Wenn man deine Sachen durchhört fällt auf, dass du ein wesentlich breiteres Spektrum anschlägst als man es von Singer/Songwritern erwartet. Du spielst recht rockige oder funky Songs aber auch Reggae und Soul. Kannst du dich nicht entscheiden oder spielst du so gern mit den Stilen?
Kent: Ich bin nicht ganz deiner Meinung. Meine Grundidee war es, dass alle Songs mit Gitarre und Gesang funktionieren. Der Rest entstand erst im Studio, durch die Inputs meiner Mitmusiker. Wobei wir uns nicht all zu viele Gedanken über den Stil gemacht haben.

hitparade.ch: Deine Songs drehen sich oft um romantische Themen. Bist du wirklich ein Romantiker?
Kent: Ja, bin ich. Gestern bewunderten wir zum Beispiel einen Sonnenuntergang in Luzern am See. Solche Dinge schätze ich sehr, gerade weil ich sehr viel arbeite und unterwegs bin. Sich Zeit nehmen und Kleinigkeiten im Leben bewundern finde ich wichtig.

hitparade.ch: Du hast aber auch keine Berührungsängste mit den unschönen Themen des Lebens, wie zum Beispiel der Songtitel "Don't Fuck Around With My Heart". Was fällt dir einfacher, über Schönes oder weniger Schönes zu schreiben?
Kent: Ich bin ein sehr positiver Mensch, aber meine Lieder haben oft ernsthafte Themen. In meinen Liedern versuche ich eigene Erlebnisse so zu verarbeiten, dass sie andere Leute ebenfalls verstehen. Viele erleben ja ähnliches, so soll jeder etwas aus meiner Musik entnehmen können. Ich denke, dass ist auch ein wenig die Idee der Musik.

hitparade.ch: Was sind denn solche Themen, die es dir wert sind einen Song darüber zu schreiben?
Kent: Es gibt die klassischen Themen wie die Liebe, die dreifach unterteilbar ist: Neue Liebe, ewige Liebe und vergangene Liebe. Als Herausforderung schreibe ich aber auch gerne über Dinge, die nicht unbedingt üblich sind.

hitparade.ch: Wenn ein Schweizer Englisch singt ist das schon fast das Normalste der Welt. Ein Kanadier der Mundart macht ist dann schon recht exotisch. Du hast das 2005 gemacht und es damit sogar auf einen Berner-Sampler geschafft. Deine Begrüdung: Wenn Gölä Englisch singen darf, darf ich auch auf Berndeutsch. War das ein einmaliger Gag oder spielst du noch mit dem Gedanken, weitere Mundart-Songs zu machen?
Kent: Ich würde sagen, das war ein einmaliger Gag. Die ganze Sache kam zu Stande, weil ein Freund von mir mich dazu überredete. Ehrgeizig wie ich bin, habe ich es versucht. Aber das ist sicher nicht der richtige Kent Stetler, denn der singt in seiner Muttersprache.

hitparade.ch: Wie sieht es aus live bei dir? Wie sieht deine Band aus, die dich begleitet?
Kent: Wir sind zu fünft. Manchmal spielen wir mehr unplugged, je nach Anlass. Das Schweizer Publikum ist eher höflich und verhalten. Mein Ziel ist es jedoch, dass sie mitmachen und teilnehmen. Ich singe nicht nur für mich selbst, sondern fürs Publikum!

hitparade.ch: Welche Songs darf man an deinen Songs erwarten? Gibst du vor allem neues Material zum Besten?
Kent: Ja, vor allem die neue CD. Ausserdem ein Cover von John Meyer, da ich ein sehr grosser Fan von ihm bin. Ausserdem ein Song, der es leider nicht auf die CD geschafft hat, da er live viel besser funktioniert.

hitparade.ch: Wie ist es in deiner Heimat oder im Ausland? Wie bekannt bist du dort?
Kent: In Deutschland bin ich fast bekannter als hier in der Schweiz. Dort gibt es sogar einen Fanclub von mir! In Kanada spielt mich eine Radiostation und in Australien scheinbar auch. Ich weiss nicht wie das genau gegangen ist, denn beabsichtigt habe ich es bisher nie.

hitparade.ch: Bisher also noch keine Promo im Ausland?
Kent: Nein, höchstens per Facebook.

hitparade.ch: Aber dein Ziel wäre es schon?
Kent: Sinnvoll wäre es, ja. Da ich in Englisch singe, versteht mich auch ein grosser Teil der Leute. Ich fände es toll, wenn meine Message viele erreichen würde!

hitparade.ch: Du lebst in Bern, wo viele legendäre Schweizer Band und Musiker herkommen. Welche davon kennst du und welche beeindrucken dich am meisten?
Kent: Sicher Polo Hofer! Den ersten Schweizer Song den ich gelernt habe, war "Alperose" und danach kam "I schänke dir mis Härz" vo Züri West. Die sind übrigens sehr sympathisch, ich durfte sie kennen lernen. Mein bester Freund spielt jetzt bei Patent Ochsner Trompete, dadurch war ich schon öfters an Konzerten von ihnen. Ich finde die Band nicht nur musikalisch sondern auch im Umgang untereinander sehr gut.


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