INTERVIEW MIT JOHN BUTLER TRIO



Mit "April Uprising" stieg John Butler Trio direkt an die Spitze der australischen Charts. Auch bei uns hat er sich in der Hitparade klassiert. Bei seinem Auftritt in der Maag EventHall Ende April haben wir ihn zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Euer neustes Album "April Uprising" wurde im März veröffentlicht. Was war euer Ziel mit dieser CD und wie seid ihr zufrieden mit dem Endprodukt?
John: Mein Ziel war es, starke Songs mit Power zu schreiben. Ich denke, dies ist uns gelungen. Wir sind sehr zufrieden mit dem Resultat.

hitparade.ch: Sind die Lieder auf der CD noch genau so, wie anfangs als ihr damit ins Studio gegangen seid?
John: Einige ja, einige sind aber auch ganz anders. Manche unserer besten Lieder während des Demo-Prozesses, schafften es am Schluss doch nicht auf die CD. Bei anderen hatten wir dafür plötzlich neue Ideen und schrieben die Texte sogar während den Aufnahmen. Die einzelnen Tracks sind auf ganz verschiedene Weisen entstanden, so bleiben die Aufnahmen spannend!

hitparade.ch: Der Titel der neuen CD kommt von einer Revolution, die 1876 in Bulgarien stattfand und "April Uprising" genannt wird. Geht es dir darum, mit der CD auf deine Herkunft hinzuweisen, oder ist ihr das Album sogar gewidmet?
John: Es geht nicht darum, die Geschichte zu vermitteln. Viel eher ist dieses Feeling des Aprilaufstandes auch im Album zu spüren. Ich habe mich schon mit dieser Thematik beschäftigt, bevor die CD entstand und auch, bevor sich meine Band geändert hat. Jemand schlug mir den Titel vor und ich begann zu überlegen, was er mit dem Album zu tun hat. Ich bin 100 Jahre nach der Aprilrevolution geboren worden, ausserdem veränderte sich auch meine Band im April. Auch einiges in meinem persönlichen Umfeld veränderte sich zu dieser Zeit. "April Uprising" ist eine grossartige Metapher für all diese Veränderungen. Dabei etwas über meine Herkunft zu lernen, war ebenfalls Teil davon.

hitparade.ch: Kommen deine bulgarischen Wurzeln von deinen australischen oder amerikanischen Vorfahren?
John: Meine Grossmutter väterlicherseits ist griechisch-bulgarischer Abstammung. Mein Vater ist der australische Teil meiner Familie.

hitparade.ch: Was hat der Löwe auf dem Album-Cover zu bedeuten?
John: Ich habe einmal ein geniales Album Cover gesehen. Darauf war ein schwarz weisses Gorilla-Porträt, das sehr eindrucksvoll aussah. Ich wollte von meinem Gesicht auf dem Cover weg kommen, das war schliesslich auf den letzten fünf Alben zu sehen. Das Symbol des Aprilaufstandes ist der Löwe, der auch auf ihrer Flagge zu sehen ist. Das ist der Grund für die Auswahl der Tierart, das Bild selbst fand ich dann auf einer Seite mit urheberrechtsfreien Fotos. Ich finde, es passt perfekt zum Album, weil es ruhig und trotzdem sehr stark wirkt!

hitparade.ch: Du hast mit 16 das Gitarre spielen gelernt. Machtest du das, weil dir dein Grossvater damals seine Dobro Gitarre gab, oder woher kam dieses Interesse?
John: Da war ich nicht anders als die anderen Teenage-Jungs. Alle wollten "Stairway To Heaven" und "Smoke On The Water" spielen können. Das gehört meiner Meinung nach fast ein wenig zum jung sein dazu, dieser Zwang in Richtung Rock and Roll.
Ich denke, es war ein wenig wie eine Familientradition, dass ich mich im Gitarre spielen versuchte. Alle meine Tanten und Onkel taten es mir gleich, wenn sie dabei erfolgreich gewesen wären, hätten sie wahrscheinlich jetzt die Gitarre. Mit 16 wollte ich jedoch wirklich Gitarre spielen, ich lernte es nicht nur, um das Instrument zu bekommen.

hitparade.ch: Besitzt du die Dobro Gitarre immer noch?
John: Zuhause brauche ich sie oft. Einige der Aufnahmen entstanden darauf, aber auf Tour nehme ich sie nicht mit. Es ist eine 80 Jahre alte Gitarre, so etwas wie das "Excalibur" meiner Familie, etwas sehr Spezielles für mich und ein wichtiger Eckstein meiner Musik.

hitparade.ch: Die Besetzung des Trios hat sich in den letzten Jahren ständig verändert. Im Jahr 2009 kamen Bryon Luiters und dein Schwager Nicky Bomba dazu. Wie ist momentan die Chemie in der Band, gibt es weitere Wechsel?
John: Ich hoffe nicht! Diese Wechsel waren nicht geplant sondern passierten einfach. Leute gehen nun mal ihre eigenen Wege und entscheiden sich für andere Richtungen. Hoffentlich bleibt es so lange wie möglich bei der jetzigen Besetzung. Ich hatte das Glück, mit vielen tollen Menschen Musik machen zu dürfen - besonders Jason, Gavin, Rory, Andrew, Michael und Shannon.
Das Trio stelle ich übrigens so zusammen, dass die Chemie untereinander stimmt. Nicht aus technischen, musikalischen Aspekten. Natürlich muss auch die musikalische Chemie stimmen. Wenn es um eine Firmenzusammensetzung ginge, würde ich gar nie etwas ändern. Künstlerische Wege sind aber oft unbestimmt und schwer vorhersehbar, sie machen nicht immer Sinn.

hitparade.ch: Ihr seid erfolgreich auf der ganzen Welt und habt 3 Platin Studio-Alben, zuhause in Australien. War es geplant, herumzureisen und überall auf der Welt Musik zu machen?
John: Zu Beginn spielte ich auf der Strasse und wollte einfach im Land umherreisen und an verschiedenen Strassenecken musizieren. Von meiner Musik konnte ich so gut leben. Es war mein Traum, ein Zigeunerleben zu führen. Dann hat sich aber alles verändert. Immer öfters wurde ich angefragt, ob ich Konzerte in Bars geben wollte.
Man sagt doch, Leute machen einen Deal mit dem Teufel. Für mich war es etwas, gegenteilig vom Teufel. Ich weiss nicht was, vielleicht das Universum? Ich hatte überhaupt nicht erwartet, eine solche Karriere zu starten, als ich den Vertrag unterschrieb.

hitparade.ch: Was denkst du darüber, dass dir das John Butler Trio zu so grossem Welterfolg verholfen hat?
John: Ich denke, dass es der Spirit ist. Die Leute fühlen einen Spirit, egal was für einer, aber er ist positiv. Er ist spannend und gibt den Leuten das Gefühl zu leben. Und er gibt mir das Gefühl zu leben. Ich denke da kommt eine bestimmt Menge an Integrität rüber. Du siehst Musiker die alles von sich geben, die sich um ihr Handwerk bemühen und sich um ihren Song sorgen. Sie sorgen sich um das Publikum und die Erfahrungen welche stattfinden. Ich denke das kommt von einem tiefen Ort in dir drin. Es klingt sicher sehr klischeehaft, einen Handel mit dem Teufel oder etwas grösserem zu machen, aber für mich ist Musik machen etwas sehr spezielles. Es ist etwas sehr machtvolles. Ihr habt eure Bob Marleys, die Hendrixes und die Stevie Wonders…. wir haben unsere Musik-Propheten gehabt und das hat mich gelehrt, dass die Musik ein machtvolles Medium ist, welches du ehrfürchtig behandeln musst. Eine verspielte, machtvolle Ehrfurcht. Von dort her komme ich in meiner Musik. Ich komme von einem Ort, den ich nicht erklären kann, ob es Gott, Geist, Universum, oder was auch immer es ist. Ich versuche das Beste daraus zu lernen, denn ich denke von dorther kommt die beste Musik, die beste Kunst, ob gemalt, gefilmt oder irgendwas. Ich denke alle Künstler versuchen aus dem göttlichen oder geheimnisvollen zu lernen. Das ist, was ich mit meiner Musik versuche zu vermitteln und ich versuche dass es durch mich hindurch kommt. Dazu ist die Kunst da, die Leute dazu zu bringen dass sie sich verbunden fühlen mit dem Universum in irgendeiner Art. Vielleicht fühlen sie genau das durch meine Musik. Das könnte ein Grund für den Erfolg sein. Es hat alles seinen Wert, ob es Lady GaGa ist die dich dazu bringt deinen Arsch auf der Tanzfläche in einem Club zu schütteln oder Bob Marley der dich zum Weinen oder Lachen bringt oder auch Indianer, die ein klassisches wunderschönes Stück spielen. Es hat alles seinen Platz um den Geist in einen höheren Level zu vibrieren.

hitparade.ch: Deine musikalischen Einflüsse sind sehr breit und gehen von Bob Malrey über Jimy Hendrix zu Red Hot Chili Peppers und Jane's Addiction. Was sind die Bands, die du momentan gerne hörst?
John: Sie ist nicht mehr so präsent wie auch schon, aber ich liebe Missy Elliots letztes Album "Under Construction" - ein grossartiges Hip-Hop-Album. Ausserdem sah ich Rage Against The Machine vor zwei Jahren live, dieses Konzert veränderte mein ganzes Leben - es war so fantastisch. Aber ich mag vieles, auch Neues. Hip-Hop, Heavy Metal… (überlegt) Oh ja, Damian Marley "Welcome To Jamrock" - eine geniale CD!


Linktipps:
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