INTERVIEW MIT TANJA DANKNER



Tanja Dankner präsentiert mit "Somewhere" endlich ihr lang ersehntes Debütalbum. Es ist eine authentische, hundertprozentig ehrliche und sehr organische Visitenkarte ihres Könnens geworden, ein gereifter Mix aus klassischem Soul und zeitlosen Singer/Songwriter-Tugenden. Wir haben sie zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Vor etwa 10 Jahren hast du mit Stefan Raab zusammengearbeitet. Verfolgst du sein Schaffen noch? Er hat immerhin mit Lena zusammen den Eurovision Song Contest gewonnen.
Tanja: Ich verfolge ihn noch immer. Er hat grandiosen Erfolg, ich mag es den Deutschen total gönnen.

hitparade.ch: Ist der Kontakt abgebrochen?
Tanja: Nein, ich freue mich, ihm jetzt meine neue CD zu schicken und ihm zu sagen: Weißt du noch, als wir vor 12 Jahren zusammengearbeitet haben? Hier hast du meine CD, das bin ich 12 Jahre später.

hitparade.ch: Inwiefern hat Stefan Raab deine Musik beeinflusst?
Tanja: Ich bin schon sehr davon weggekommen, wir haben ja nur eine Produktion zusammen gemacht und dann ging es weiter zu den nächsten musikalischen Projekten. Ich arbeite immer gerne wieder mal mit anderen Produzenten.

hitparade.ch: Seit 15 Jahren tummelst du dich in der Schweizer Musikszene. Was war das Tollste, was du erlebt hast?
Tanja: Ich habe letztes Jahr bei Art on Ice im Hallenstadion gespielt, das war sehr krass, sehr geil - schreit nach mehr. Ich spiele aber auch sehr gerne in kleineren intimen Live-Clubs, im Kaufleuten, Schüür etc.

hitparade.ch: Was gab den Ausschlag, eine erste Solo-Scheibe aufzunehmen?
Tanja: Es war einfach an der Zeit, und ich habe nach 17 Jahren Musik viel zu erzählen. Ich habe Cyrill Camenzind an einem gemeinsamen Gig kennengelernt und wir haben und musikalisch sofort verstanden. Als ich ihm gesagt habe, dass ich gerne mal ein Album aufnehmen würde, hat er mir sofort vorgeschlagen, zusammen eines zu machen. Er hat mir musikalisch ein neues Gesicht gegeben.

hitparade.ch: Wer schreibt die Songs?
Cyrill: Vieles ist zusammen entstanden. Manchmal kommt sie mit einer Idee, manchmal ich. Oder sie kommt mit einem Text.
Tanja: Die Texte habe ich geschrieben. Oft ist es auch so, dass Cyrill etwas auf der Gitarre spielt, dann fällt mir ein Thema ein und dann reden wir darüber.

hitparade.ch: Gibt es Songs, an denen ihr ewig rumbastelt? Oder habt ihr alle relativ schnell im Kasten?
Cyrill: Es gibt immer Knacknüsse. Die Single entstand superschnell. Aber schlussendlich geht es oft darum, ein Puzzle zusammenzusetzen: Man hat einen Text oder eine Melodie oder einen Vers, und muss dann einen Song draus machen.

hitparade.ch: Euch war es wichtig, authentische Musik zu machen. Was heisst das?
Tanja: Einerseits ist es Songwiting, welches aus meinem Leben gegriffen ist, und dass wir alles mit einer Live-Band eingespielt und auf Sachen wie Loops oder Samples verzichtet haben. Wir haben einen Teil mit Band aufgenommen, deshalb mussten die Instrumentalisten also wirklich einen ganzen Song fehlerfrei spielen, da wurde nichts zusammengebastelt.

hitparade.ch: Hört ihr eure eigenen Songs in der Freizeit?
Tanja: Ein halbes Jahr nach Release würde ich wohl kaum im Auto meine eigene CD hören, aber kurz nach Abschluss der Aufnahmen durchaus. Plötzlich entdeckst du wieder einen Song, welcher für dich ein kleiner Hit ist. Wenn du ein neues Fahrrad kaufst, willst du am Anfang auch jeden Tag damit fahren.

hitparade.ch: Ich kann mir aber auch vorstellen, dass man Abstand zu den Songs gewinnen muss, bevor man sie wieder hören kann. Ist das nicht so?
Tanja: Doch doch. Man muss die Sachen immer wieder mal zwei bis drei Tage liegen und sacken lassen.

hitparade.ch: Du erwähnst auf deiner Homepage mehrmals, dass du jetzt in Zürich wohnst. Wie lebt man als Baslerin in Zürich?
Tanja: Ich lebe freiwillig hier. (lacht) Seit 12 Jahren schon. Auch als ich in Basel gewohnt habe, ging ich oft nach Zürich. Zürich hat alles: einen See, kleine Orte, an die man sich zurückziehen kann, kulturelle Möglichkeiten, zum Beispiel das Theaterspektakel. Es wird auch viel Drama um die Thematik Zürich-Basel gemacht. Zwei Städte, die eine hat den Rhein, die andere den See und das war's.

hitparade.ch: Warum heisst das Album "Somewhere"?
Tanja: Das ist der erste Song, den wir geschrieben haben. Cyrill spielte Gitarre und ich sang "Somewhere, I..." und wir wussten: Der Song muss "Somewhere" heissen. Es geht darum, dass du irgendwo auf dieser Welt eine Begegnung hast. Vielleicht trifft man sich, vielleicht läuft man nur aneinander vorbei und trifft sich zehn Jahre später oder gar nicht. Cyrill und ich haben uns per Zufall getroffen, somewhere. Ich bin froh, dass wir uns somewhere getroffen haben, darum passt der Titel so gut.

hitparade.ch: Um was geht es in den anderen Songs?
Tanja: Um das Leben. Um dein Leben, um sein Leben, um mein Leben. "Best Friends" handelt - wie es der Titel sagt - von guten Freunden. Den hab ich übrigens mit Roachford aus London als Duett, das ist ein riesiges Thema. "Expectations" geht um den Leistungsdruck in der heutigen Gesellschaft, Liebe, Zusammenleben in Partnerschaften, das gute Gefühl beim Musikmachen. Es ist ein Querschnitt durch mein Leben, ich bin aber sicher, dass sich jeder in irgendeinem Song findet.

hitparade.ch: Was ist die SEAT Music Session?
Tanja: Die gibt es bereits seit 11 Jahren. Mein Bruder leitet sie. Er lädt bekannte Künstler aus dem In- und Ausland ein, welche mit seiner Band begleitet werden. Es wird in der Mitte des Raumes performt und das Publikum sitzt rund herum. Da werden Künstler gefeaturet. Ich unterstütze meinen Bruder, beispielsweise bei den Vocals - es werden auch Duette gesungen. Oktober bis Dezember touren wir durch die Schweiz. Cyrill ist übrigens auch dabei. Wie klein die Welt doch ist. Ich freue mich, mein Album dort vorzustellen.

hitparade.ch: Und worum geht's bei "Live in Hiltl"?
Tanja: Wir spielen jeden Monat einerseits ein Teil meines neuen Albums und laden andererseits einen berühmten Gast (Seven, Caroline Chevin) ein, der im Hiltl mitperformt. Eine sogenannte Lifeparty!

hitparade.ch: Was ist sonst noch geplant?
Tanja: Am 13. Oktober taufen wir unsere Platte im Exil. Danach wollen wir so oft wie möglich touren. Eine zweite Single rauskoppeln und weitertouren.

hitparade.ch: Wie sieht die Live-Band aus?
Tanja: Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keys und Vocals.

hitparade.ch: Dein Bruder hat dieses Jahr auch ein Album veröffentlicht. Habt ihr euch gegenseitig unterstützt?
Tanja: Ja, wir unterstützen uns immer, obwohl das total unabhängig voneinander abgelaufen ist. Wir haben ab und zu in die Sachen des anderen reingehört.

hitparade.ch: Wie waren die Erfahrungen, die du mit "Dankner" - also mit deinem Bruder zusammen - in Deutschland gemacht hast?
Tanja: Es ist ein hartes Musikbusiness, zu Gigs in Deutschland würde jedoch ich nie nein sagen. Das Publikum geht sehr ab. Aber das grosse Ziel ist jetzt aber, in möglichst vielen Schweizer Locations zu spielen.

hitparade.ch: Habt ihr genau zwölf Songs für das Album geschrieben? Oder schreibt man 20 Song und wählt dann die besten aus und spart sich die anderen für ein weiteres Album auf?
Tanja: Wir wollten zwölf Songs schreiben, das ist eine gute Zahl.

hitparade.ch: Es ist eine beliebte Zahl in der heutigen Zeit. In den 70er Jahren waren es oft acht Songs, später zehn.
Tanja: Acht sind schon sehr wenig, oder?

hitparade.ch: Damals hat der Gitarrist halt noch fünfminütige Soli gespielt?
Tanja: Das machen wir dann live. sonst darf man ja nicht mehr, die kommerzielle Industrie sagt drei Minuten dreissig ist optimal.

hitparade.ch: Kommen wir zu den Schweizer Singlecharts.
Tanja: Eminem sticht mir gleich ins Auge. Er war lange weg, jetzt ist er wieder da - toll! Die Single mit Rihanna gefällt mir gut. Meinen Kindern gefällt vor allem Lady GaGa. Sie singen nur noch "Alejandro". Ich habe sie kürzlich in einer französischen Fernsehsendung gesehen, ein toller Auftritt, chapeau. Snoop Dogg gefällt mir auch gut. David Guetta sei dahingestellt, aber er schafft es immer wieder. "We No Speak Americano" - kein Wunder, dass der auf Eins ist. Aber ich mag es allen gönnen, jeder Song hat seinen Platz in der Hitparade verdient.

hitparade.ch: Was sind eure Ambitionen? Den Bruder schlagen?
Tanja: Für mich gibt es keine Konkurrenz im Leben. Auch nicht mein Bruder. Ich freue mich darauf, wenn die Songs gespielt werden, aber es braucht seine Zeit, das ist auch gut so. So entspannt - und jetzt kommt mein Schlusswort: So entspannt, wie das Album entstanden ist, so entspannt soll es sich in die Herzen der Zuhörer reingrooven.

hitparade.ch: Eine Aussage wie in Stein gemeisselt. Vielen Dank für das Interview.


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