INTERVIEW MIT ZUCCHERO

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Mit seinem wohl persönlichsten Album meldet sich Zucchero zurück. Die 11 neuen Songs sind eine Zeitreise durch seine Vergangenheit und Erinnerungen, die vor allem durch seine Kindheit in der Provinz Reggio Emilia geprägt wurden. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Dein neues Album "Chocabeck" erschien 5. November. Es soll deine bisher beste CD sein. Warum, denkst du, hast du so gute Kritiken erhalten?
Zucchero: Bei meinem letzten Album versprach ich meinen Fans, dass meine nächste CD die Beste wird. Das war zugleich ein Witz und ein Versprechen. Als ich mit dem Album begann, wollte ich mich vollkommen darauf konzentrieren und nicht über die ganze Musikindustrie und das TV- und Radiobusiness nachdenken. Ich schrieb, wie früher, ganz frei und ohne den Gedanken ob der Song jetzt genug lange dauert oder nicht. Gerade deswegen dauerte der Entstehungsprozess mit 8 Monaten ungewöhnlich lange, weil ich anfangs nicht recht wusste, in welche Richtung ich gehen soll. Normalerweise ist bei mir ein Album in etwa 4 Monaten fertig. Am Ende war ich besonders stolz und erfreut über mein Album. Zu beurteilen ob es mein bisher Bestes ist, liegt jedoch nicht an mir. Die Reaktionen sind bis jetzt aber sehr positiv!

hitparade.ch: Auf "Chocabeck" hast du mit verschiedenen Produzenten gearbeitet. Wie hast du diese ausgewählt und wie zufrieden bist du?
Zucchero: Vom letzten Album wusste ich, dass ich sehr gerne wieder mit Don Was arbeiten würde. Er ist ein sehr leidenschaftlicher Produzent, der uns Musiker respektiert. Alle mögen ihn und ich erinnere mich gut daran, wie die Chemie zwischen uns gleich beim ersten Treffen passte. Zudem wollte ich gerne mit Brendan O'Brien zusammenarbeiten. Er ist momentan einer der besten Produzenten, der kürzlich sogar 2 Grammys gewann. Unter anderem produzierte er Bruce Springsteen, Pearl Jam und Neil Young. Brendan hat auch das Endresultat abgemischt, er ist ein brillanter Soundtechniker.

hitparade.ch: Der Titel des Albums kommt vom Reggiano Dialekt. Dein Vater hat den Begriff jeweils benutzt, als du noch ein Kind warst. Ist "Chocabeck" speziell mit diesem Dialekt verbunden oder verstehen es die anderen Italiener aus anderen Regionen auch?
Zucchero: Den Ausdruck verwendeten viele Norditaliener. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die jungen Leute noch wissen was er bedeutet. Als ich klein war, hatte meine Familie nicht viel Geld und es gab oft nichts zu essen. Mein Vater hat mir aber nicht gesagt, dass es nichts zu essen gibt, sondern hat gesagt, ich solle Chocabeck essen. Und ich dachte, dass das Schokoladencake oder was Ähnliches war. "Choca" bedeutet "Lärm machen" und "Beck" ist der Schnabel eines Vogels. Wenn der Schnabel Lärm macht, bedeutet das, dass nichts dazwischen ist. Darum sagte er mir Chocabeck, wenn es nichts zu essen gab. Ich erinnere mich nur an den Klang des Wortes, und das tönte wundervoll für mich. Es erinnert mich an eine wunderschöne Zeit in meinem Leben mit viel Liebe in der sonntags vereinten grossen Familie. Dieses Album habe ich in Gedanken an dieses kleine Dorf, das nun in mir drin ist, gemacht. Es war alles viel gelassener und es gab viel mehr Solidarität und Toleranz. Ich wünschte, die heutige Welt wäre mehr wie es früher gewesen wäre, aber ich muss eingestehen, dass es nur ein Traum ist.

hitparade.ch: Du hast schon mit verschiedensten Musikern zusammengearbeitet. Auf deinem neusten Album ist ein Duett mit Brian Wilson der Titeltrack. Wie kam diese Kollaboration zustande?
Zucchero: Ich nahm in Los Angeles gerade mein neustes Album zusammen mit Don Was auf, als Brian Wilson im selben Studio ebenfalls aufnahm. Von Don kam die Idee für die Zusammenarbeit. Er fand, Brians Stimme würde hervorragend zum Lied passen und ich schlug vor, ihn zu fragen. Der Song gefiel Brian gut und wir begannen mit den Aufnahmen. Er wusste immer genau was ich wollte und wie er singen sollte, das macht das Lied interessant. Es ist ein moderner Track, aber der Sound erinnert an den Background-Gesang der Beach Boys.

hitparade.ch: Ist schon eine Tour zum neuen Album geplant?
Zucchero: Ja, und wir werden im Mai 2011 hier in Zürich starten! In Europa sind wir bis Ende Juli unterwegs und nach einer kleinen Pause werden wir den Rest der Welt besuchen. Amerika, Kanada, Südamerika, Australien und vielleicht sogar Japan - dort waren wir bisher nie und sind uns darum noch nicht ganz sicher.

hitparade.ch: Gibt es wieder Filmmaterial mit dem du eine DVD veröffentlichst, wie bei deiner früheren Tour?
Zucchero: Vielleicht, aber bisher ist nichts dergleichen geplant.

hitparade.ch: Warum gibt es so viele Duette von dir? Kommt das mehr von dir aus oder wirst du da eher von andern Musikern angefragt?
Zucchero: Das ist unterschiedlich. Manchmal sehen mich gewisse Künstler live oder kaufen eine CD von mir und wollen, wenn sie mich besser kennen, mit mir Musik machen. Bei anderen, wie zum Beispiel Sting und Bono, trafen wir uns irgendwo, wurden Freunde und entschieden einen gemeinsamen Song aufzunehmen.

hitparade.ch: Du bist in verschiede Charity-Projekte involviert unter anderem mit Pavarotti & Friends oder in verschiedenen Organisationen zur Katastrophenhilfe. Ist das deine Art "Danke" zu sagen und zurückzugeben?
Zucchero: Ich bezeichne mich als einen glücklichen Menschen, weil ich den Job ausüben darf, den ich mag und damit Erfolg habe. Warum sollte ich nicht helfen wo ich kann? Das ist das Mindeste was wir tun sollten, besonders für die Kinder!

hitparade.ch: Seit den 70er-Jahren bist du im Musikbusiness vertreten. Die Musikstile veränderten sich seit damals immer wieder. Welches ist deine Lieblingszeit?
Zucchero: Die 60er und 70er, würde ich sagen. Sie waren die kreativsten Zeiten, besonders die pyschodelische Musik wie von Jimi Hendrix und den Doors. Ich mag aber auch die progressive Musik aus diesen Epochen, wie zum Beispiel Genesis.

hitparade.ch: In Roncocesi wurdest du geboren, bist dann weiter nach Forte dei Marmi gezogen und lebst jetzt in Pontremoli - alle diese Ortschaften liegen nahe beieinander in Norditalien. Hält dich deine Familie in deiner Heimat oder ist die Toskana die Region in der du einfach immer schon leben wolltest?
Zucchero: Als meine Eltern mit mir von Roncocesi weggezogen sind, weinte ich. Mein Vater wollte einen besseren Job finden. Ich musste meine Grossmutter zurücklassen, welche mir wichtig war. Mir kam es vor als sei Forte dei Marmi endlos weit weg, weil ich damals natürlich noch nicht Auto fuhr. Ausserdem fühlte ich mich dort nie wirklich wohl, alles war sehr touristisch und versnobt. Meine Eltern sind später wieder zurück nach Roncocesi und ich habe mich für Pontremoli entschieden weil es genau zwischen meinen Eltern und dem Wohnort meiner Töchtern liegt.

hitparade.ch: Im Jahre 1995 veröffentlichtest du "Spirito Di Vino". Was hat dich an New Orleans zu diesem Album inspiriert?
Zucchero: Damals war ich ein grosser Fan der New Orleans-Musik. Ich mochte das groovige Cajun und das Honky-Tonk Piano. Darum entschied ich mich, die CD in New Orleans aufzunehmen mit Musikern und einem Gospelchor aus der Region. Diesen Vibe spürt man auf dem Album!

hitparade.ch: Auf deinem bisherigen musikalischen Weg konntest du mit verschiedenen Musikgrössen performen, darunter Namen wie Clapton, Pavarotti, Sting oder B. B. King. Bei wem hast du dich speziell über die Zusammenarbeit gefreut?
Zucchero: Ich kann nicht mit jemandem zusammenarbeiten, den ich nicht persönlich kenne. Ich muss merken, wie die Chemie stimmt. Dies passiert nicht über die Plattenfirma oder irgendwelche Managers. Ein Beispiel: Peter Gabriel lernte ich in den letzten Jahren sehr gut kennen, wir verstehen uns bestens. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir früher oder später etwas zusammen machen werden.


Linktipps:
Das neue Album Chocabeck anhören und downloaden
Künstlerportal von Zucchero
Offizielle Website

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