INTERVIEW MIT LETZTE INSTANZ



Nach der Letzten Instanz kommt nichts mehr, so hat das Septett mit Gründungsort Dresden stets die Wahl seines Namens begründet. Diese verschmitzte Aussage ist - wie nahezu alles, was "die glorreichen Sieben" betrifft - mit Augenzwinkern verbunden. Das gilt auch für folgendes Statement: "Wir sind eine schwarze Rockband und spielen Goth´n´Roll." Der Satz stammt von Gitarrist und Gründungsmitglied Holly d., in Anspielung auf die Verwurzelung der Band in der Gothic Szene, für die schwarz bekanntlich weit mehr als nur Kleiderfarbe ist. Im Zuge ihrer 14jährigen Karriere hat die Band freilich eine kunterbunte Reihe musikalischer Stile zelebriert, um sich jetzt mehr und mehr dem Rock im Wave-Gothic-Stil zu verschreiben. Wir haben sie zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Das neue Album, "Heilig" wurde Anfangs Oktober veröffentlicht. Welche Ziele wolltet ihr damit erreichen?
Holly: In erster Linie ist es ein Teil der Trilogie. Wir wollten direkt weitermachen, damit wir nicht so viel Zeit verlieren zum Vorgängeralbum "Schuldig". Es ist jetzt ein Jahr später herausgekommen. Wir wollten etwas Neues versuchen. Bei den ganzen Alben haben wir immer wieder Neues ausprobiert und immer andere Stilrichtungen gemacht. Bei dieser Trilogie ist es so, dass wir stilistisch an das letzte Album angeknüpft haben um damit in bisschen Kontinuität reinzukriegen und über einen langfristigen Zeitraum mehr Leute zu erreichen. Wir machen nicht für unser Heimstübchen Musik, wir machen natürlich die Musik für die Menschen da draussen.

hitparade.ch: Das Album ist der 2. Teil der Trilogie. Wann können wir den 3. Teil erwarten, oder ist es noch etwas zu früh um darüber zu sprechen?
Holly: Ja, es gibt schon einen Plan: Beispielsweise, wie das nächste Album heissen soll. Das steht schon fest, aber das verraten wir natürlich noch nicht. Das gesamte Kontext und alle Texte des Albums ist bereits vorhanden, wir haben lange heiss diskutiert. Jetzt kümmern wir uns aber erst einmal um "Heilig". Wir freuen uns auf die Tour, die wir jetzt in Deutschland spielen werden und am 9. Februar kommen wir in die Schweiz. Wir spielen die Heilige Tour. Zu dieser Zeit werden wir dann anfangen das dritte Album der Trilogie, das Endwerk, in die Mangel zu nehmen um daran zu arbeiten.
Benni: Es ist natürlich sehr schön zu sehen für uns, wie sich das Publikum den Kopf zerbricht vor Spannung. Erstens über den Titel und zweitens darüber, wie wohl das Frontcover aussehen wird. Und natürlich ist man gespannt, wie die Musik klingen wird, und wann das Album überhaupt rauskommt. Das sind wirklich die grössten Diskussionen, die im Gange sind. Wir freuen uns, dass die Leute so darüber nachdenken und wir lassen sie ein bisschen zappeln. Jetzt ist erst mal die "heilige" Zeit und dann schauen wir weiter…
Holly: Ja, es gibt eine eigene Seite auf Facebook zu "Letzte Instanz". Es gibt auch eine Schweizer Seite. Es gibt zudem Diskussionsforen. In diesen Diskussionsforen taucht die Frage auf: "Wie lautet das dritte Album?" Da gibt es viele Spekulationen. Genau das wollten wir erreichen. Wir sind keine Band die irgendwie ein Album macht und es im Plattenregal verstauben lässt. Wir wollen ganz klar ein bisschen anecken, zum Diskutieren anregen und natürlich ganz bewusst neugierig machen. Es ist immer gut, wenn die Leute sich darüber unterhalten und zum Nachdenken angeregt werden. Es gibt da genügend Hinweise.

hitparade.ch: Das letzte Lied des neuen Albums, "Winterträne" wurde als das intensivste Stück bezeichnet. Was ist so intensiv daran?
Holly: Das ist eine der Facetten von "Heilig". Das ist ein ganz heiliger Moment, wenn Jemand von jemand Anderem Abschied nimmt. Sei es wenn jemand stirbt, was ein endgültiger Abschied bedeutet, oder auch in einer Beziehung gibt es das. Durch endgültige Abschiede und ewige Tränen zeichnet das Stück einen Moment des Abschiedes aus der Sicht des Verlassenen. Damit haben wir versucht einen weiteren heiligen Moment bildlich und textlich festzuhalten. Dem Zuhörer wird bewusst, dass dies ein ganz intensiver Moment ist, da er das Leiden, aber auch Hoffnung und ansatzweise sogar Freude beinhaltet. Das sind drei Punkte, die gewisse Momente heilig machen. Ganz besonders das Leiden. Dies ist der Moment, in dem man sich intensiv mit dem Schmerz befasst. Dies ist bei "Winterträne" sicherlich der Fall.

hitparade.ch: Und die Name "Winterträne" weil es das Ende des Jahres ist?
Holly: Das ist ganz sicher auch der Fall! Winter bedeutet immer Kälte. Abschied ist zwar vom Herzen her total heiss, aber es hinterlässt eine Gefühlskälte. Das Herz ist leer. Winter ist für mich ein besonderer und schöner Monat. Ein melancholischer Monat, wenn alles weiss und ruhig ist. Gerade in der Ruhe kann man zu sich selbst finden. Wenn man gerade an der Autobahn wohnt ist es schwierig, über sich selber nachzudenken. Wenn man allerdings irgendwo sitzt, rings herum alles weiss ist und dazu vielleicht ganz leichte Flocken vom Himmel fallen und Stille herrscht, dann klappt das. Die Stille dringt dir ins Herz. Wenn du nichts tust und einfach sitzen bleibst über eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden… Vorausgesetzt bist warm angezogen… Dann kommen die Gedanken von ganz alleine. Das ist ein intensiver Moment. Das hat alles damit zu tun. "Sommerträne" wäre ein bisschen doof. Das erinnert ein bisschen an Baden gehen, Lust, und Laune.
Benni: "Heilig" war aber auch von Konzept her schon immer ein Winter Album.

hitparade.ch: Welches ist das beste Lied des neuen Albums?
Holly: Für mich ganz klar die Winterträne.
Benni: Ich hab viel darüber nachgedacht, aber für mich ist es eindeutig "Der letzte Tag". Dieses Lied hebt unsere Live-Fähigkeiten und Spezialitäten sehr hervor. "Der letzte Tag" kracht für mich am besten. Der fährt richtig schön ein. Mit so einem Lied auf der Platte freue ich mich sehr auf die nächste Tour, weil ich weiss dass es ein Feuerwerk geben wird.

hitparade.ch: Ihr habt gerade ein Video gedreht "Schau in mein Gesicht". Wie lief es?
Benni: Das war toll! Wir hatten einen hervorragenden Regisseur und Drehbuch-Autor. Er hat das alles für uns gemanagt. Er hat einfach angerufen und gesagt, "So, ich will mit euch ein Video machen. Zwar machen wir das auf Baltrum, einer Nordfriesischen Insel. Wir drehen das genau so und im Meer stehend." Wir waren sofort Feuer und Flame und keiner von uns hatte irgendwelche Einwände. Also sind wir sind nach Baltrum gefahren. Das Wetter war schön. Das Wasser war kalt, sehr kalt. Wir haben das Video gedreht und das war ein ganz tolles Wochenende.

hitparade.ch: In einem Wochenende habt ihr es geschafft?
Benni: Jaja. Wir haben es an einem Wochenende über die Bühne gebracht. Es war harte Arbeit. Es ging früh um 8.00 und 9.00 Uhr los bis spät Nachts um 12.00 Uhr. Wir waren auch Nachts noch am Strand und auch im Meer.
Holly: Ich muss noch dazu sagen, dass Baltrum eine sehr kleine Insel ist. Im Prinzip eine geschlossene Wohngemeinschaft. Die Einwohner standen mal irgendwann da und haben uns zugeschaut wie wir uns quasi zum Appell bereit machten. Es war ganz lustig. Mitten als wir am Strand standen und die Aufnahmen stattfanden, kam die Flut und schwemmte unseren Schlagzeuger weg.
Benni: Wir mussten pro Take drei Meter weiter nach vorne rücken. Wieder alle Instrumente… zack! Das Schlagzeug stand halb unter Wasser.

hitparade.ch: Holly, wie war es für Dich, mit auf dem Rücken zusammengebundenen Händen unter Wasser zu sein? Bist Du nicht krank geworden?
Holly: Ich staune auch, dass ich das überstanden habe! Jeder hat mich danach gefragt, ob ich nicht erkältet sei. Mir ging es auch eine Woche später noch gut. Die Hälfte der Band war aber erkältet. Wir mussten ja bloss mit den Füssen im Wasser stehen. Ich hatte die schöne Gelegenheit meine Schauspielpartnerin auf dem Mund zu küssen. Was aber weniger schön war, ist dass sie mich danach ins Wasser getreten hat. Unser Regisseur hatte bloss eine Kamera dabei und wollte uns aus zehn Perspektiven gerne gefilmt haben. Das hiess also, ich hatte zehn Küsse aber auch zehn Tritte (lacht). Dies bedeutet also zehn Mal kaltes Wasser. Ich war den ganzen Tag in meinem nassen Anzug. Ja, war nicht schön, aber es war irgendwie trotzdem ganz gut, wegen der Schauspielerin. Zu deiner Frage mit den auf den Rücken gebundenen Händen: Das war der erste Take, den wir gedreht haben. Da bin ich tatsächlich ins Wasser gefallen und hatte die Hände auf den Rücken gebunden. Wir hatten das nahe am Strand gedreht. Das Wasser war nicht mehr als ein Meter zwanzig tief. Man hat mich allerdings über Kopf ins Wasser getreten. Ich war dann, was weiss ich, gefühlte zehn Minuten unter Wasser und habe versucht meine Scheiss-Arme aus der Schlinge rauszukriegen und Boden unter die Füssen zu bekommen. Es ging nicht. Dann kam schon irgendwie Panik auf. Schliesslich hatte ich dann doch noch Boden unter den Füssen und habe meine Hände befreien können. Dann kam die Kälte. Es war wie ein Orgasmus eigentlich, aber in einem negativen Sinn.
Benni: Ich bin zum ersten Mal Katamaran gefahren. Es war der Hammer. Ich hab geschrien vor Freude. Bei mir war es auch eine Art Orgasmus. Geil! Es ging so ab! Das Segel hat im Wind gehalten, und plötzlich schoss das Ding los. Dann sagte unser Leiter, dass wir ja gar keine Zeit zum beschleunigen hatten. Eigentlich sind die noch viel schneller.

hitparade.ch: Eure Alben unterscheiden sich alle voneinander. Habt ihr euch entschieden einen neuen Musik Style zu kreieren weil sich die Bandzusammensetzung öfters ändert, oder seid ihr einfach mit der Musik des letzten Albums nicht zufrieden?
Benni: Wir sind eine sehr experimentierfreudige Band. Wir gehen unseren Weg relativ kompromisslos. Was uns durchaus manchmal auch nicht so gut bekommt. Jetzt haben wir bei den letzten beiden Alben gesagt, dass wir kontinuierlicher an einer Sache dran bleiben müssen, und das passt gerade sehr gut. Die anderen Platten sind deswegen nicht schlecht, überhaupt nicht. Die Fünfte war auch super. Das war halt eine andere Zeit für uns, eine andere Herangehensweise an die Musik. Jetzt machen wir es gerade so… Die Trilogie wird auch so werden. Was danach kommt, wissen wir noch nicht.

hitparade.ch: Ihr wart im Jahr 2008 mit der sehr bekannten Violinistin Anna Katharina auf Tournee. War es leicht zusammen zu arbeiten, weil ihr doch schon einen Violinisten habt?
Benni: Das war herrlich! Wir haben natürlich ganz höflich angefragt bei Schandmaul sowohl als auch bei Subway to Sally, ob wir uns deren Damen ausborgen dürften. Die waren sofort Feuer und Flamme und das hat die ganze Tour total Spass gemacht. Gerade ich als Cellist kann es bestätigen. Unser Quartett war so eine schöne Erfahrung für uns alle. Die beiden Damen haben auch nur Gutes erzählt drüber, wie sie das erlebt haben und wie es geklungen hat. Die ganze Tour war ein absoluter Erfolg. Wir hoffen, dass wir sie bald, vielleicht in zwei Jahren, wiederholen können. Wir wollen auch unbedingt die beiden Damen wieder mit an Bord haben.

hitparade.ch: Habt ihr von einander viel gelernt?
Benni: Ja, auf jeden Fall. Die Tour war für die Streicher genauso anspruchsvoll, so dass wir uns jeden Tag zu viert eingespielt haben. Das ist etwas, das man sonst auf einer Rock-Tour irgendwann überhaupt nie mehr macht. Man zieht die Stiefel an und geht rein, auf die Bühne und los geht's. Diese Tour war Streicher-mässig ganz emotional. Wir haben uns da wirklich jeweils vor dem Konzert hingesetzt, haben die Stücke nochmals angespielt und haben uns aufeinander konzentriert. Es war musikalisch einer meiner absoluten Höhepunkte, denn dieser Austausch und nebeneinander zu sitzen mit den Damen und zu performen war sehr speziell. Das war alles der Hammer. Wir haben alle voneinander sehr viel gelernt.

hitparade.ch: Mit eurem intensiven Musikstil hat eure Musik viele Wirkungen. Durch eure starken Lyrics transportiert ihr viele Gefühle. Was wollt ihr den Leuten vemitteln?
Holly: Natürlich hat jedes Lied eine Grundaussage, allerdings sind die Lieder nicht so dogmatisch festgelegt. In erster Linie schreiben wir beide die Texte. Ich, für mein Teil, schreibe meine Texte so, dass die mir eigentlich als Gedankenstütze dienen. Während ich schreibe, denke ich darüber nach und was aus der Hand fliesst ist im Prinzip der Resultat meiner Gedanken. Damit bin ich schon thematisch durch. Dann singen wir das ein und dann wird es mit der Musik vermischt. Wenn die Zuhörer den Song dann hören, verbinden sie mit dem Text im Endeffekt vielleicht ja etwas ganz Anderes. Ich möchte natürlich, dass er mich versteht, aber wenn der Hörer etwas Anderes aus dem Text heraus hört oder anders interpretiert, dann ist dies auch nicht weiter schlimm.

hitparade.ch: Und etwas für die Fans… Welches Buch habt ihr zuletzt gelesen?
Benni: Mein letztes Buch war die Stieg Larsson Trilogie "Verdammnis, Vergebung..." und ich hab selten ein Buch so "durchgefressen". Das war echt der Wahnsinn. Ich komme eigentlich nicht viel zum Lesen, doch in diesem Fall hatte ich die Zeit. Auch wenn ich noch so todmüde war, habe ich manchmal bis nachts um zwei Uhr gelesen. Das war voll spannend. Ich war begeistert. Ich bin gespannt auf den Film.

hitparade.ch: Kommen wir zur Top 10 der Schweizer Hitparade. Könnt ihr sie kommentieren?

1. Gotthard - Heaven
Benni: Ein tragisches Schicksal für die Schweiz…
Holly: Unsere Kollegen von Gotthard, ihr habt unser herzliches Beileid von Letzte Instanz

2. Shakira feat. El Cata - Loca:
Benni: Jaja, jaja.
Holly: Shakira sieht gut aus. Wenn man sie leise macht, klingt sie auch gut. Kommen wir Mal zu Platz 3…

3. Eminem feat. Rihanna - Love The Way You lie:
Holly: Total Geil! Neues Album hätte ich gerne. Leider von Universal.
Benni: Ja, super!

5. Taio Cruz - Dynamite:
Benni: Kenne ich nicht, sorry.

6. Yolanda Be Cool & DCup - We No Speak Americano:
Benni: Habe ich noch nie gehört..
Holly: We speak Espanol, nehme ich Mal an. Du siehst, wir sind totale Musik-Affen.

7. Shakira feat. Freshlyground - Waka Waka
Benni: Ist noch mal das Gleiche, nie gehört.
Holly: Klar, "Waka, Waka", geiler Song. Kann meine Tochter auswendig.

8. Rihanna - Only Girl
Holly: Naja.
Benni: Geht schon. Ist gut.

10. Hurts - Wonderful Life
Benni: Super! Im Radio habe ich den mal gehört.


Linktipps:
Das neue Album "Heilig" anhören und downloaden
Offizielle Seite

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