INTERVIEW MIT DECHEN SHAK-DAGSAY

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Zwischen Tradition und Moderne
Dechen Shak-Dagsay und ihr Produzent Helge van Dyk haben vor allem ein Ziel: Mit dem Album "Jewel" neue Leute für spirituelle Musik zu gewinnen. Wobei: Was heisst spirituell?


hitparade.ch: Dechen, mit deinem neuem Album "Jewel" willst du Leute abholen, die sich noch nicht mit spiritueller Musik beschäftigt haben. Ich bin so jemand. Was muss mit mir nun geschehen, damit du dein Ziel erreicht hast?
Dechen: Wenn junge Leute in das Album reinhören und sich berührt fühlen, ist mein Ziel erreicht. Wenn sie sich damit entspannen können, vielleicht mehr als mit der Musik, die sie normalerweise hören. Junge sollen merken, wie schön es ist, wenn die Gedanken mal ein bisschen ruhen und was das für eine Gelassenheit bieten kann.

hitparade.ch: Damit die Mantras wirken, sollte der Song eine gewisse Länge haben. Sieben Minuten sollten es mindestens sein. Der erste Song dauert aber nicht einmal vier Minuten. Wie kommt es?
Dechen: Sehr gut beobachtet (lacht). Der erste Song ist quasi ein Prolog.
Helge: Er ist quasi ein Vorwort, der nicht der Anspruch eines Mantras hat. Er soll auf das Album einstimmen.

hitparade.ch: Muss man das Album also idealerweise von A-Z durchhören?
Helge: Natürlich kann man sich auch einzelne Songs herauspicken. Aber das Album hat schon einen Bogen. Mit dem ersten Song kann man gut in das Album reintauchen und es mit dem letzten Song genau so gut wieder verlassen.
Dechen: Der Prolog und das letzte Stück "Jewel" haben den gleichen Text: die Zufluchtnahme. Das bildet einen wunderschönen Bogen.

hitparade.ch: Ist es eigentlich schwieriger, solche Musik zu produzieren, weil der Handlungsspielraum vielleicht nicht so gross ist wie bei der Popmusik?
Helge: In der Popmusik muss es in dreieinhalb Minuten gesagt sein, und die Konkurrenz ist riesig. Man muss kompromisslos auffallen. Die Arbeit mit Mantras lässt sich mit der Arbeit vergleichen, die ich aus der klassischen Musik kenne. Es muss qualitativ ansprechend sein, es geht weniger um Effekthascherei. Im Pop klingt vieles erst einmal spannend und groovig, aber irgendwann hast du es gehört. "Jewel" soll aber auch nach dem zehnten Durchhören spannend bleiben.

hitparade.ch: 2009 erschien "Beyond", ein Album, dass du mit Regula Curti und Tina Turner aufgenommen hast. Konntest du von Tina Turner musikalisch profitieren?
Dechen: Es ist genial, die Power in ihrer Stimme 1:1 miterleben zu dürfen. Sie hat mir auch Tips gegeben: "Dechen, I know, you can sing all this soft, beautiful melodies, but now try to come a bit stronger!"

hitparade.ch: Ich nehme an, dass du ihr das neue Album geschickt hast. Bist du stimmlich nun "strong enough" für Tina?
Dechen: Bei dem 100 Syllable Mantra Of Vajra Sattva rezitiere ich das Gebet schon fast rapmässig, das gefällt ihr sehr gut. Viele sagen: "Wow, Dechen, du bist ja vielleicht modern geworden!" Doch das ist eine uralte Idee. Dieses schnelle Aufsagen hält den Geist wach.
Helge: Es ist zwar modern, wie man es vom Rap her kennt, das schnelle Reimen, fast schon Slam Poetry, aber die Wurzeln liegen zweitausend Jahre zurück, also total back to the roots.

hitparade.ch: Helge, hast du das erste Mal ein spirituelles Album aufgenommen?
Helge: Für mich ist Musik generell spirituell, genreunabhängig. Aber ich hatte hier das erste Mal mit tibetischen Mantras zu tun. Synfonisches Gedankengut und Spiritualität stand aber auch schon bei der Zusammenarbeit mit Andreas Vollenweider oder Bobby McFerrin im Vordergrund. Auch R'n'B-Musiker sind beseelt und haben eine Message zu erzählen.

hitparade.ch: Musstest du dich also nicht mehr vorbereiten als bei anderen Künstlern auch?
Helge: Ich habe mich die letzten zwanzig Jahre nicht mit dem Buddhismus auseinandergesetzt. Ich muss verstehen, was Dechen sagen will und was die Mantras bedeuten. Einen gewissen Background musste ich mir aneignen. Mantras waren für mich etwas Neues, also wollte ich auch etwas Neues kreieren, etwas, dass man so noch nicht gehört hat. Natürlich immer in Absprache mit Dechen. Und ich habe mir immer wieder in meinem Bekanntenkreis Feedback geholt. Interessant: Es kam allen vertraut vor, dennoch haben sie es in dieser Form noch nicht gehört.
Dechen: Das Album erzählt quasi auch eine Geschichte: Helge und ich sind nach Los Angeles gereist, um Aufnahmen mit zwei indischen Musikern zu machen. Das war eine tolle Zeit. Mit meinem Mann bin ich nach Tibet gereist, um Naturgeräusche und Mönchsgebete aufzunehmen...
Helge: ...eigentlich hätte sie die Gebete in E-Dur mit Beat 75 oder so aufnehmen sollen. Ich habe ihr extra noch eine SMS geschickt mit den Angaben. Ich war dann total happy, als Dechen mit den Aufnahmen zurückkam, die genau gepasst haben. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass Dechen die Mönche gar nicht informiert hat. Es hat einfach gepasst.

hitparade.ch: Dechen, hast hörst du privat für Musik?
Dechen: Jewel! (lacht). Ich höre meine eigene Musik sehr gern. Ich assoziere es nicht mit meiner Person, die Musik berührt mich auch selbst. Helges Schwester hat auch eine schöne wunderschöne Stimme. Indische Musik gefällt mir auch. Die alten Klassiker, weniger Bollywood. Ich bin mit den Beatles und Simon and Garfunkel gross geworden, diese beiden Acts liebe ich auch. Ich höre auch Radio, also aktuelle Songs, aber da habe ich keine grossen Favoriten.

hitparade.ch: Ist eure Zusammenarbeit befristet?
Dechen: Ich denke, wir werden weiter zusammenarbeiten.
Helge: Ich hoffe doch! Ich halte es immer so: Wenn die Chemie stimmt, sollten es etwa drei Alben sein. Nicht mehr und nicht weniger. Nach drei Alben sollten dann auch neue Einflüsse kommen. Wobei, die Beatles haben all ihre Alben mit George Martin gemacht. Ich würde auf jeden Fall auch gerne mit Dechen weiterarbeiten.

hitparade.ch: Vielen Dank für das Interview.


Linktipps:
Das neue Album "Jewel" anhören und downloaden
Offizielle Website

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