INTERVIEW MIT NAPOLEONS FANFARE



Das Band Line-Up liest sich wie aus massiver Eiche geschnitzt. Frontmann Freddy Scherer dementiert jedoch, dass es einfach ein Geholze sei, während die Bläser-Sektion schon findet, dass es ordentlich brettert…

NAPOLEONS FANFARE wurde kurzfristig als Fun-Projekt aus dem Boden gestampft und ist diesen Frühling unterwegs. Die Band besteht aus fünf gestandenen Rock-Musikern und einer dreiköpfigen Bläser-Sektion. Zusammen spielen sie Rock-Klassiker der vergangenen Jahrzehnten in neuem Kleid. Das Ganze wird es nur "live" zu bewundern geben, eine CD steht nicht zur Diskussion.

Giovanni Giorgi: Vocals / Percussion [China, Liz Libido]
Freddy Scherer: Guitars / Vocals [China, Gotthard, Liz Libido]
Stämpf Schmid: Guitars / Vocals [QL]
Thomas Tschopp: Bass [Outlaws, Liz Libido, Russo]
Hena Habegger: Drums [Gotthard]

"The Upperclass Windmachine"
Roman Weissert: Sax
Phil Powell: Trombone
Silvan Kiser: Trumpet

hitparade.ch: Freddy, du hast mit NAPOLEONS FANFARE eine Art All-Star-Band zusammengestellt, wie bist du auf diese Idee gekommen?
Freddy Scherer: Es war eher als Mittel zum Zweck gedacht. Die Idee, diese Rock-Songs einmal in einem anderen Kleid zu präsentieren, war schon länger vorhanden. Sie ist nicht neu, ich wollte so etwas eigentlich schon einmal machen, nicht gerade im Bereich "Rock", sondern anderweitig. Und dann hat sich bei GOTTHARD eine Pause abgezeichnet, man wollte dieses Jahr eigentlich nichts tun und etwas an einer neuen Platte vorbereiten. Durch den Tod von Steve Lee wurde jedoch alles komplett anders. Statt Pause sind wir intensiv am Sänger testen. Fast wöchentlich steht einer da, den wir vorsingen lassen. Das heisst für mich, dass extrem wenig Zeit bleibt für ein Projekt, welches ich eigentlich wirklich unbedingt machen wollte. Und alle Musiker, die ich dafür angefragt habe, haben zum Glück begeistert reagiert und wollten mitmachen, und so hat sich dann das eine ums andere ergeben. Was genau wir machen wollten und wie wir das präsentieren, war nicht so klar am Anfang. Aber es ging los. Auch wenn die Zeit doch sehr limitiert ist jetzt. Es ist nur rund ein halbes Jahr von der ersten Probe bis zum letzten Gig. Und so etwas geht dann wirklich nur mit Cover-Songs, unmöglich, da noch Eigenes zu schreiben. Und wir hatten jetzt ein paar Proben und ich muss sagen, mit den Bläsern zusammen kommt das ordentlich daher. Der Fun-Faktor ist enorm hoch, wir haben bei den Proben sehr viel Spass. Es hat auch keinen kommerziellen Hintergrund, sondern wirklich nur Spass. Es ist auch witzig, die alten Songs von Led Zeppelin oder Black Sabbath auseinanderzunehmen und neu zu arrangieren.

hitparade.ch: Was sind denn das konkret für Songs? Hast du uns ein, zwei Beispiele?
Freddy Scherer: Wenn ich einen nennen müsste, dann vielleicht WARPIGS von BLACK SABBATH oder NO ONE KNOWS von QUEENS OF THE STONE AGE. Es ist wirklich querbeet, aus der punkigen Abteilung eher weniger, eher Rock-Klassiker. Wenn du dir jetzt eine Liste machst mit den 10 bekanntesten Rock-Bands aller Zeiten, sind da vermutlich 8 dabei, die wir spielen.

hitparade.ch: Konntest du dir aber vorstellen, wie das dann tönt mit Bläsern zusammen?
Freddy Scherer: Es gab in der Vergangenheit schon Beispiele dafür, Brian Setzer hat so etwas schon im grossen Stil im Swing-Bereich gemacht, davon war ich ein grosser Fan. Wir machen das nicht in dem Rahmen, aber schon inspiriert davon. Bläser bringen natürlich auch Druck, da kommt etwas. Das ist keine feine Geige, da kommen Dezibel aus dem Hintergrund und verstärken natürlich optimal die Rock-Musik. Es bekommt so aber auch eine andere Klangfarbe, es wird etwas fröhlicher, auch schräger.

hitparade.ch: Du hast da eine ganz illustre Gesellschaft zusammen als Band, wie haben sie reagiert, als du sie dafür angefragt hast?
Freddy Scherer: In erster Linie sind es alles Freunde von mir. Ich hab einen nach dem anderen angerufen und jeder hat gleich zugesagt. Das Einzige, was ich nicht wollte, war mehr als ein Mit-Musiker von GOTTHARD. Ich wollte nicht, dass es plötzlich heisst, GOTTHARD machen jetzt auch noch Covers und werden eine Plausch-Band, gerade in der jetzigen Situation. Hena ist mit dabei als Drummer, that's it. Stämpf von QL war letzten Sommer mit seiner Familie in den Ferien bei mir, kurz darauf hatte ich die Idee und ihn natürlich auch gleich angefragt. Die beiden Ex-LIZ LIBIDO-Jungs waren sowieso gleich dabei. Dazu noch Roman Weissert und seine Jungs - die waren ja bereits auch auf der ersten LIZ LIBIDO-Platte mit dabei, als wir unsere Single DISCO hatten, da war er auch dabei als Bläser.

hitparade.ch: Du hast LIZ LIBIDO angesprochen. Stand da auch einmal noch zur Diskussion, dass man da nochmals etwas zusammen macht? Man hat ja immerhin zwei Alben veröffentlicht damit, und einzelne Songs werden immer noch im Radio gespielt.
Freddy Scherer: Das ist mir drei, vier Mal durch den Kopf geschwirrt. Dort ist vermutlich eher das Problem, dass William White, der Sänger bei LIZ LIBIDO, extrem erfolgreich ist mit dem, was er jetzt macht. Ich denke, er hätte vielleicht nicht einmal mitmachen wollen. Er arbeitet ja gerade an einer neuen Platte, die bald erscheint und geht auch wieder auf Tournee. Wir sind auch nicht mehr so in engem Kontakt, vor allem seit er nicht mehr hier in Winterthur lebt. Der Gedanke war aber ein paar Mal da, aber es reichte dann nicht dazu, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen und dafür anzurufen. Ich denke, er hätte eher "Nein" gesagt, wer weiss… Es hat sich ja dann sowieso relativ rasch ganz anders entwickelt.

hitparade.ch: Um noch schnell bei LIZ LIBIDO zu bleiben: Ihr wart eurer Zeit doch etwas voraus. Ihr habt euch die Finger wund gespielt, und das hat super funktioniert auf den Bühnen, aber die CDs wollte niemand kaufen und die Medien sind auch nicht richtig aufgesprungen. Wenn heute irgendwo STAKES ARE TOO HIGH im Radio kommt, laufen dort die Drähte heiss, weil alle wissen wollen, wer das ist…
Freddy Scherer: Ja, das ist schon so. Schade, wir haben das fast sechs Jahre gemacht und probiert, haben zwei CDs veröffentlicht und waren einfach nicht mehr wild und 20. Jeder von uns wollte weiterkommen, und was wir da gemacht haben, war wirklich gut, aber zu wenig erfolgreich für uns. Es kam nie richtig zum Laufen. Irgendwann haben wir es dann aufgegeben. Wären wir jünger gewesen, hätten wir es vielleicht noch ein paar Jahre weitergezogen. Es ist auch viel passiert: William hat seine Solo-CD gemacht und startete richtiggehend durch, ich wurde von Gotthard angefragt und ging ins Tessin - es hat sich massiv entwickelt in verschiedene Richtungen, zum Guten für alle, eigentlich. Aber ich muss schon sagen, dass ich auch heute noch grosser Fan bin von diesen beiden CDs und kann bis heute nicht wirklich verstehen, wieso das nicht eingeschlagen hat, wenn man so ins Radio hört. Wir haben sicher die Messlatte hochgesetzt, haben auch Angebote aus dem Ausland ausgeschlagen, weil wir mehr wollten. Entweder gross oder gar nicht, war damals unsere Devise. Wenn ich die Platten, vor allem die zweite, heute höre, denke ich doch, dass es da gewisse Berechtigungen gegeben hätte.

hitparade.ch: LIZ LIBIDO war aber auch nicht dein erstes Projekt oder deine erste Band, welche/s du aus dem Boden gestampft hast. Du hast CHINA mitgegründet, es gab dann noch POMMES FRED…
Freddy Scherer: POMMES FRED war schon etwas aus dem Frust heraus über die Abhängigkeit der Musik-Industrie entstanden. Du bist bei allem abhängig davon. Und einmal wieder in einem Trio herumzuziehen, die ganze Backline in einem alten Kadett hinten drin und irgendwohin zu fahren und in irgendwelchen Pubs zu rocken, ohne Roadies oder irgendwelchen Licht-Shows. Und wir haben wirklich viel gespielt, zwischen St. Moritz und Köln vermutlich in jedem zweiten Pub, sogar in Kitzbühel. Es war bei uns ein Vakuum vorhanden, das haben wir mit der Band kurz gefüllt in 1 1/2 Jahren, und dann war die Power dafür draussen. Ich wusste aber von Beginn weg, das hat keine Zukunft, das ist einfach, um etwas die Sau herauszulassen. Ich war damals notgedrungen Sänger, ich war aber nie wirklich einer und werde auch nie einer sein. Irgendwann ist uns William White über den Weg gelaufen und wir sind sehr schnell mit ihm im Proberaum gelandet und daraus ist nach diversen Pröbeleien und Versuchen mit anderen kleinen Projekten LIZ LIBIDO entstanden.

hitparade.ch: Um wieder auf NAPOLEONS FANFARE zurückzukommen - Wie seid ihr auf den Namen gekommen?
Freddy Scherer: Die Grundidee für einen Namen war, dass die Bläser-Sektion irgend in einer Form im Namen vorkommt. Irgend in einer Nacht kam mir dieser Name in den Sinn, frag mich aber nicht, warum. Irgendwoher kommen solche Sachen einfach plötzlich. Auch "Loaded Horns" geisterte mal herum, aber NAPOLEONS FANFARE machte dann das Rennen. Es ist zwar ein langer Name, aber man schaut zweimal hin, um ihn genau zu lesen, das ist es.

hitparade.ch: Wie seid ihr auf Songsuche gegangen? Ihr seid acht Leute, wie gross war da der Einfluss der einzelnen Musiker?
Freddy Scherer: Es ist schon klar, dass nicht jeder dieser acht seine 20 Lieblings-Songs bringen konnte, das würde ja ausufern…
hitparade.ch: Wie viele habt ihr denn bis jetzt?
Freddy Scherer: Knapp 20 sind's bis jetzt geworden. Je nach Spielzeit sind's dann ein paar weniger. Die Idee war einfach "Rock-Klassiker", das heisst aber auch "alt" und "neu". Zwischen DEEP PURPLE und NIRVANA gibt's da doch noch Einiges, und darin haben wir herumgewühlt.

hitparade.ch: Ihr spielt ja nur Konzerte, habt auch bereits ein paar Termine veröffentlicht, ein paar kleine Indoors und dann noch ein paar Festivals. Unter anderem im Albani, das ist ja fast zu klein für acht Leute.
Freddy Scherer: Das haben wir am Anfang auch gesagt, das können und wollen wir nicht machen, und nach einer Probe bin ich mit Stämpf spontan da noch eins trinken gegangen. Er war dann begeistert von dem Club und wir haben dann das Albani angefragt und können das nun machen. Das Ambiente da drin ist schon geil. Darin gespielt habe ich dann auch sicher schon zehnmal…

hitparade.ch: Was läuft noch so, nebst dem, was schon bekannt ist?
Freddy Scherer: Es sind noch einzelne Sachen offen. In der Region Bern ist jetzt gerade etwas am Kommen, vom Wallis haben wir noch nichts gehört bis jetzt. Aber zwei, drei Termine kommen noch, dann schliessen wir dieses Buch vorerst, können es aber jederzeit wieder hervornehmen, wenn sich irgendwo eine Pause von zwei, drei Monaten abzeichnet bei allen und alle Lust haben darauf. Das Konzept steht, die Leute sind vorhanden und der Startaufwand ist bereits durch. Ob das im Herbst ist, in einem oder in fünf Jahren, das sehen wir dann.

hitparade.ch: Das hängt ja sicher auch noch etwas zusammen mit dem weiteren Verlauf bei GOTTHARD. Solange ihr keinen Sänger habt, bei dem das Gesamtpaket stimmt, werdet ihr dort vermutlich auch nichts machen. Und wenn er bis im Sommer/Herbst nicht gefunden ist, seid ihr ja sicher offen für eine zweite Runde.
Freddy Scherer: Absolut. In der Theorie läuft das jetzt bis Ende Festival-Saison und dann schauen wir weiter.

hitparade.ch: Was hast du sonst noch für Ideen, die noch in deinem Kopf herumgeistern?
Freddy Scherer: Momentan hat nichts mehr Platz. Zurzeit bin ich so beschäftigt mit diesem Sänger-Problem, welches wir noch haben. Es hat gute Kandidaten darunter, aber es verschlingt sehr viel Zeit und Energie, es belastet auch sehr. Bei NAPOLEONS FANFARE sind wir in der Endphase, da muss man schon den Chip im Kopf auswechseln können. Das klappt auch ganz gut, aber für mehr ist definitiv kein Platz im Moment…
Interview durchgeführt: Marc Aeschlimann
Redaktion: Marc Aeschlimann


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