INTERVIEW MIT LENKA

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Just in jenem Moment, als Lenka die Bühne betrat, um das Video für ihre erste Single "The Show" zu drehen, fasste sie einen Entschluss: "Ich möchte mehr Songs über das Verliebtsein schreiben. Auf dem zweiten Album soll es mehr davon geben." In diesem Jahr löst sie nun ihre Versprechen ein und veröffentlicht am 15. April mit "Two" ihren Zweitling voller Liebeslieder. Doch wie man sofort hören kann, entspringen nicht alle Songs auf "Two" der behaglichen Romantik-Stimmung gemeinsam verbrachter Kuschel-Vormittage – nicht zuletzt eine Konsequenz aus dem grossen Erfolg ihres Erstlings und der grossen Tour. Wir haben sie im März zum Interview getroffen!

hitparade.ch: Nach Deinem ersten Album hast Du gesagt, dass Du als nächstes ein Album voller Love-Songs machen willst. Ist es genau das, was aus Deinem neuen Album "Two" geworden ist, welches am 15. April erscheint?
Lenka: Ja, es sind nicht alles Love-Songs geworden, aber doch mehr als die Hälfte. Ich habe das etwa zu der Zeit gesagt, als mein erstes Album erschien. Ich war wirklich verliebt zu dem Zeitpunkt, aber die Songs wurden in den 3 Jahren zuvor geschrieben, da waren es noch nicht so viele Love-Songs. Es waren negative, quälende und "Was-soll-ich-mit-meinem-Leben-anfangen"-Songs. Ich erlebte schon Veränderungen zu der Zeit, als ich das Album herausbrachte, also dachte ich, ich möchte mehr darüber schreiben. Es fühlt sich an, als wäre man ein bisschen sicherer in der Liebe und man ist in einem neuen Lebensabschnitt. Ich wollte genau das ins Album hineinbringen und … ja … ich hab's getan!

hitparade.ch: Du hast einmal gesagt, dass Du als Teenager die elektronische Musik nicht gerne mochtest. Dein neues Album "Two" ist aber ziemlich elektronisch. Wann kam das Umdenken und was hat Dich dazu bewogen?
Lenka: Ich war in den 90er Jahren ein Teenager, als gerade die ganze Rave-Szene am Laufen war. Ich dachte, dass jede Musik, die auf einem Computer hergestellt wurde, nur "duff-duff-duff…" sein muss. Ich hatte nicht realisiert, dass man auch eine Art emotionale Qualität, Subtilität und Musikalität in einen Song hineinbringen kann, wenn man sie mit einem Computer herstellt. Björk hat mir das gezeigt und natürlich auch ein Haufen anderer Künstler. Ich war in einer Band namens "Dakota Rings", welche mir das auch gezeigt hat, weil sie elektronische Beats benutzten. Ich denke auch, dass ich seit diesem Zeitpunkt angefangen habe, Pop-Musik mehr zu mögen. In letzter Zeit gibt es sehr viele Dance-Grössen. Im Moment klingt es beinahe wie das Techno-Zeug aus den 90er Jahren. Ich habe das nie wirklich gewollt, aber ich denke, es hat auf eine Art eine Idee eröffnet, ein bisschen von diesen elektronischen Sounds in die Pop-Musik hineinzubringen, ohne dass man zwangsläufig gleich Dance-, oder Techno-Musik macht. Ich wollte einfach ein bisschen damit experimentieren und tanzbare Musik machen. Ich möchte wirklich tanzen im Moment. Ich möchte feiern und schnelle Musik machen. Aber keinen Rock 'n Roll! Elektronische Musik ist eine wirklich gute Art, um zu dieser Energie zu kommen.

hitparade.ch: Im Jahr 2010 hast Du mit Christopher van Deylen von "Schiller" zusammengearbeitet und die Songs "Addicted" und "Sunrise" aufgenommen. Wie ist diese Zusammenarbeit zustande gekommen?
Lenka: Ich bin mir nicht genau sicher, wer uns vorgestellt hat. Ich denke, es war zu der Zeit, als mein Album in Deutschland herauskam und er es gehört hat. Weil er schon immer Gaststimmen in seinen Songs benutzte, hat er sich mit mir in Verbindung gesetzt. Das Ganze ist aus der Ferne abgelaufen - Ich habe ihn in dieser Zeit nie getroffen. Inzwischen habe ich ihn persönlich kennengelernt, aber nicht zu der Zeit, als ich die Songs geschrieben habe. Er hat mir die Tracks geschickt, ich arbeitete daran in Los Angeles und dann habe ich sie ihm per E-Mail zurückgeschickt. Er machte ein paar Änderungen und Vorschläge und schickte sie mir zurück. Er änderte die Musik abhängig davon, was ich an Vocals geschrieben habe. Schlussendlich bin ich dann ins Studio gegangen und habe es richtig aufgenommen. Also … Ja, es war wie eine Brieffreundschaft-Zusammenarbeit. Später habe ich ihn in Berlin getroffen. Ich habe nur einmal mit ihm geredet. Es ist wirklich komisch mit dieser moderne Technologie! Ich wäre liebend gerne mit ihm auf Tour gegangen. Er macht eine wirklich grosse Show mit einer 10-köpfigen Band und den vielen Sängern. Das hätte wirklich Spass gemacht. Vielleicht das nächste Mal!

hitparade.ch: Sind in Zukunft noch mehr Songs geplant mit "Schiller" oder anderen Künstlern?
Lenka: Nein. In Wirklichkeit mache ich nicht viele solcher Sachen. Ich bin zu sehr mit mir selbst beschäftigt als Künstlerin. Eigentlich war ich mehr entschlossen, für mich selber zu schreiben und nicht zu sehr für dieses Album zu arbeiten. Ausser dem Input der Produzenten und der Techniker ist alles auf dem Album von mir gekommen. Das kommt teilweise daher, weil ich ständig auf Tournee und oft alleine in Hotelzimmern war, aber auch, weil ich das ein bisschen erforschen wollte. Ich bin noch immer eine relativ neue Künstlerin, aber ich habe mich schon ein bisschen etabliert. Das erste Album hat wirklich viel Arbeit gekostet. Dieses Mal möchte ich mich nur auf mich selbst konzentrieren.

hitparade.ch: Was hast Du auf Grund Deiner Erfahrungen mit Deinem ersten Album von Beginn bis zur Tournee, in Deinem neuen Album anders gemacht und warum?
Lenka: Die Tanzmusik hat etwas damit zu tun. Mir wurde bewusst, dass ich es liebe, die Zuhörer zum Tanzen und Feiern zu animieren. Es fühlt sich so gut an, wenn sie ausgelassen tanzen und happy sind, so versuchte ich, mich etwas mehr in diese Richtung zu begeben. Viele Erfahrungen, welche ich auf der Tournee machen konnte, habe ich in meine Texte des aktuellen Albums einbringen können. Viele haben mit Einsamkeit zu tun oder wie man in verrückten Situationen reagiert, wie das Anpassen an neue Situationen funktioniert, wenn gar nichts mehr so läuft, wie es eigentlich geplant war. Viele der Songs behandeln diese Art von Gefühlen. Ein Song mit dem Titel "Here To Stay" beschreibt, wie ich mich fühlte, bei all den verschiedenen Kulturen auf der ganzen Welt, wie es war, unterschiedliche Menschen zu treffen und auch meine Gedanken, die ich unterwegs auf Tour hatte. Ich durfte das Leben eines Musikers auf Tour erleben und kennenlernen, was meines Erachtens unbezahlbar ist.

hitparade.ch: Dank Deinem ersten Album konntest Du die ganze Welt bereisen und überall auftreten. Was war das aufregendste Erlebnis dieser Tour?
Lenka: Die Möglichkeit, andere Kulturen erfahren zu dürfen und manchmal an verrückten Orten zu sein, wie z.B. eine Woche in Polen beim "dancing with the stars" in einem Lagerhaus und dann die Woche darauf in Thailand oder Vietnam aufzutreten! Ich habe angefangen, richtig süchtig nach solchen Kulturschocks zu werden. Ich muss mich immer auf Trab halten, wohin ich auch gehe, um herauszufinden, dass jeder Ort anders ist. Die ganze Zeit haben die Leute gut auf meine Musik reagiert und ich habe neue Fans gefunden. Ich fühlte mich wirklich grossartig. Ich habe so viel Liebe gespürt. Es war sehr aufregend. Die verschiedenen Kulturen kennenlernen zu dürfen ist wirklich ein Highlight in diesem aufregenden Leben.

hitparade.ch: Wie sieht die musikalische Zukunft von Lenka aus?
Lenka: Es gibt da noch einen anderen musikalischen Teil von mir, den ich der Welt noch nicht so oft gezeigt habe. Auf dem ersten Album habe ich zur einen Hälfte schnelle, zur anderen Hälfte langsame, verträumte Songs gemacht. Das langsame, verträumte Zeug habe ich nicht in dieses Album gepackt. Ich wollte es zu einem energetischen Party-Album machen. In Zukunft möchte ich einen ganzen Haufen Songs herausbringen, die ich geschrieben habe, welche auch langsamer und experimenteller sind. Die sind nicht so "poppig". Es hat keine fesselnden Chorgesänge, einfach mehr dunklere Songs. Ganz zuoberst auf meiner Wunschliste steht, dass ich gerne einmal mit einem Orchester auftreten möchte.

hitparade.ch: Geniesst Du es, neue Dinge auszuprobieren und Songs mit anderen Künstlern aufzunehmen, oder ziehst Du es vor, Deinem eigenen Stil treu zu bleiben?
Lenka: Ich mag es, neue Dinge auszuprobieren, aber ich versuche dabei auch, eine Balance zu finden. Ich setze mich nicht zu sehr unter Druck oder lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich experimentiere, aber ich möchte mich auch nicht selber wiederholen. Ich will auch nicht immer gleich bleiben, also, ich denke, ich versuche einfach, Wege zu erforschen, um beide Seiten zu befriedigen. Wie ich schon gesagt habe, ich bin mehr eine Einsiedlerin gewesen und wollte einfach mich selber mehr erforschen. Vielleicht werde ich das in Zukunft erweitern.

hitparade.ch: Die Musik auf deinem ersten Album klingt unbeschwert und verspielt. Ist Lenka so im wirklichen Leben?
Lenka: Nicht genau so, aber ich bin sehr optimistisch und versuche, unbeschwert und verspielt durch's Leben zu gehen. Manchmal habe ich ein sehr schweres Herz und in solchen Momenten nervt mich mein Leben und die ganze Welt. Songs zu schreiben, ist wie eine Therapie für mich selber. Oft, wenn ich schlecht gelaunt bin, setze ich mich an's Piano und singe und schreibe Songtexte. Auf diese Art habe ich schnell wieder eine bessere Stimmung und finde auf die gute Seite zurück. Der Song kann Dich aus der schlechten Stimmung herausheben. Das ist für mich ganz natürlich. Auf diese Art halte ich mich gesund. Es ist auch etwas, was ich machen will und nicht machen muss. Ich bin beinahe glücklich über die schlechten Zeiten, weil daraus Momente entstehen, in denen ich solche Songs schreiben kann. Ich habe mit dem ersten Album die Erfahrung gemacht, dass die Leute sehr dankbar für diese Songs sind. Die Leute schreiben und sagen mir, dass meine Musik ihnen geholfen hat, eine schwere Zeit zu überstehen. Sie danken mir. Es gibt auch Bands und Musik, die das Gleiche für mich tun. Ich weiss, dass Musik sehr machtvoll ist und sie kann Dich wirklich verändern. Ich will die Veränderung in eine positive Richtung bringen. Ich kann oft eine sehr launische Person sein.

hitparade.ch: Kommen wir zur Top 10 der Schweizer Hitparade. Was kannst Du darüber sagen?

Adele - Rolling In The Deep
Lenka: Ich liebe diesen Song. Den Song hatte ich heute den ganzen Tag im Kopf. Sie ist fantastisch und erstaunlich.

Jennifer Lopez feat. Pitbull - On The Floor
Lenka: Ich würde sehr wahrscheinlich zu diesem Song tanzen.

Taio Cruz feat. Kylie Minogue - Higher
Lenka: Ich mag diesen Song. Ich habe den schon oft gehört. Ich liebe Kylie, weil sie Australierin ist.

DiddyDirtyMoney feat. Skylar Grey - Coming Home
Lenka: Den Song mag ich nicht so sehr. Das ist nicht wirklich mein Stil.

Lady Gaga - Born This Way
Lenka: Den Song mag ich sehr, aber auch erst, seit ich die Fan-Version gehört habe. Es hat mir das Herz gebrochen, als ich das Video mit ihrem kleinen Fan Maria auf Youtube gesehen habe. Plötzlich habe ich die Melodie geliebt. Als ich das Video zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich erst, es sei wirklich ausschliesslich intensive Dance-Musik. Aber die Fans beweisen das Gegenteil.
Interview durchgeführt: Kurt Kovac
Redaktion: Adrian Huber, Bettina Siegwart


Linktipps:
Das neue Album "Two" anhören und downloaden
Künstlerportal von Lenka
Offizielle Website

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