INTERVIEW MIT ANDERS | FAHRENKROG

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Vom einen stammt Nenas Welthit "99 Luftballons", der andere ist die Stimme von Modern Talking. Mit Uwe Fahrenkrog-Petersen und Thomas Anders haben sich zwei musikalische Schwergewichte zusammengetan. Auf ihrem Debütalbum "Two" präsenteren sie tanzflächentauglichen, zeitgemäss produzierten Electro-Disco-Pop. Wir haben Anders | Fahrenkrog im Rahmen des Zürcher Sechstagerennens zu einem Interview getroffen.

hitparade.ch: Ihr ward mit früheren Formationen - sei es mit Modern Talking oder mit Nenas Band - ja schon mehrmals in der Schweiz unterwegs. Habt ihr besondere Erinnerungen oder Erlebnisse an die Zeit hier?
Uwe: Ich habe schon öfters im Hallenstadion gespielt. Das ist zwar schon eine Weile her. Die Zürcher Konzerte liefen aber immer super. Ich erinnere mich an viele Feuerzeuge (lacht).

hitparade.ch: Der Auftritt heute Abend beim Sechstagerennen ist so etwas wie die Hauptprobe für Eure bevorstehende Tournee durch Deutschland.
Uwe: Ich würde eher sagen es ist der Einstieg in eine Reihe kommender Live-Auftritte, wenn auch ein sehr kurzer.
Thomas: Eigentlich ist es eine absolute Live-Premiere, weil wir heute zum allerersten Mal mit mehreren Songs vor Publikum performen.

hitparade.ch: Was darf man von den kommenden Konzerten erwarten? Werdet ihr auch Titel aus Euren vergangenen Projekten spielen?
Uwe: Ja, die gehören natürlich dazu. Wir sind gerade dran, die Klassiker von Nena und Modern Talking in unseren Sound zu verarbeiten. Es ist sehr spannend, die alten Songs in neuem Gewand vor Publikum auszuprobieren. Wir tasten uns derzeit Song für Song ran. Bis im Frühjahr wird's dann perfekt sein.

hitparade.ch: Wie bereiten sich zwei bühnenerfahrene Vollprofis wie ihr auf einen Auftritt wie heute beziehungsweise auf eine Tournee vor?
Uwe: Heute ist es mit fünf Songs ja ein relativ kurzes Set. Das kriegt man so mit einer Woche Vorbereitung hin. Aber für die Tournee, die im März kommt, werden wir schon noch mehrere Wochen investieren. Die grosse Arbeit besteht in der Erarbeitung der Arrangements, das heisst der Abstimmung mit der Band und dem Einbauen von interaktiven Elementen, die eben nur live funktionieren. Das wird alles zunächst konzeptionalisiert, dann programmiert und mit den Musikern einstudiert. Also durchaus eine schöne Menge Arbeit.

hitparade.ch: Darüber, wie Eure Zusammenarbeit zu Stande kam, konnte man viel lesen. Uwe, Dich hat man in den letzten Jahren nicht auf der Bühne gesehen als Musiker, sondern Du warst eher am Mischpult oder als Juror in Casting-Shows präsent. Brauchte es Überzeugungskraft auf die Bühne zurückzukehren oder musste man Dich nicht zweimal bitten?
Uwe: Live-Auftritte sind immer eine schöne Abwechslung. Grundsätzlich hätte natürlich auch die Möglichkeit bestanden, wieder einmal mit Nena auf Tournee zu gehen. Aber das war mir offen gestanden etwas zu viel Arbeit (lacht). Zuletzt war ich bei Nena bei einzelnen Konzerten in grossen Städten dabei. Ich bin dann als Special Guest zur Zugabe gekommen für zwei, drei Songs. Es machte grossen Spass, sich da ein wenig feiern zu lassen und nachher wieder gemütlich nach Hause zu gehen, während die anderen mit dem Nightliner weiterziehen mussten. Mit Thomas zusammen ist das jetzt etwas grundsätzlich Anderes. Wir sind ein Duo - das ist eine andere Situation. Man ist mehr gefordert, kann aber auch mehr von sich einbringen. Das macht es reizvoll.

hitparade.ch: Ihr habt immer wieder bekräftigt, dass Anders | Fahrenkrog kein einmaliges Ding sein soll, sondern dass ihr gerne langfristig zusammenarbeiten möchtet. Wie ist da der Stand der Dinge?
Thomas: Ja, wir arbeiten schon am neuen Album. Ich war jetzt vor drei Wochen grad in London und habe zwei Titel eingesungen. Uwe hat offen gestanden im Bereich der Erarbeitung der Songs natürlich die grössere Arbeit zu leisten. Das ist gerade deshalb so zeitintensiv, weil er einen Qualitätsanspruch hat und nicht einfach über Songs rutscht nach dem Motto "ach, das klappt schon". Diese Arbeitseinstellung widerspiegelt sich auch in unserem ersten Album "Two": Da kann ich wirklich sagen, da ist kein einziger Song ein Lückenfüller. Das soll und wird beim neuen Album natürlich genau so werden.

hitparade.ch: Euer Album ist in Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen internationalen Komponisten entstanden - gewisse Songs stammen aus Thomas' russischem Repertoire, andere sind Uwes Eigenkompositionen. Wie kam es zu dieser Zusammensetzung des Albums?
Thomas: Am Ende wählt man aus einer massiv grösseren Menge von Songs aus. Wie viele Songs hatten wir?
Uwe: Fast hundert! Zwei Songs stammen vom russischen Album, die wir da rüber genommen und produktionstechnisch aufgefrischt haben. Ansonsten handelt es sich - von zwei Ausnahmen abgesehen - durchwegs um Co-Writings, die ich zusammen mit anderen Teams erarbeitet habe. Ich war da ein halbes Jahr in der ganzen Welt unterwegs - in Los Angeles und in ganz Europa - und habe mich mit Komponistenkollegen zusammengesetzt. Letztendlich passen halt nur 12 Songs auf eine CD rauf. Bei einigen Titeln ist es echt schade, dass sie jetzt nicht auf dem Album sind.

hitparade.ch: Vielleicht schaffen sie's aufs zweite Album…
Uwe: Naja, da sind's jetzt ja auch schon wieder ganz viele, die sich stapeln (lacht). Und wir brauchen schliesslich auch neue Horizonte und neue Ansprüche.

hitparade.ch: Wie stark ist für Euch "Anders | Fahrenkrog" bereits an einen bestimmten Sound gebunden? Habt ihr vor, auf dem zweiten Album neue Akzente zu setzen?
Uwe: Ausgangspunkt einer künstlerischen Zusammenarbeit ist ein gemeinsamer Nenner, von dem aus man eine feste Basis bauen kann. Jetzt nach dem ersten Album, das eine solche Basis ist, werden wir auf dem zweiten Album auch das eine oder andere ausprobieren, das man nicht von uns erwartet. Diesen Mut findet man erst, wenn man weiss, dass die Zusammenarbeit gut funktioniert. Das neue Album wird mutiger, bleibt aber trotzdem Pop-Musik.
Thomas: Unsere Handschrift sind Uwes Produktionsweise und meine Stimme. Daran lässt sich grundsätzlich wenig ändern.

hitparade.ch: Was Euch ebenfalls begleitet, ist das Etikett der 80er…
Thomas: Das hängt sicher damit zusammen, dass wir unsere Karrieren damals mit Multi-Millionen verkaufter CDs beginnen konnten. Zudem spielt eine Rolle, dass meine Stimme natürlich Modern Talking ist. Ich glaube, es hätte keinen Sinn gemacht, dass wir uns mit Händen und Füssen gegen diesen 80's-Bezug gewehrt hätten. Jetzt haben wir damit unsere Visitenkarten abgegeben und dürfen uns inskünftig etwas getrauen. Anders | Fahrenkrog wird eigenständiger und ganz nach 2012 klingen.

hitparade.ch: Thomas, wir haben uns zur Vorbereitung des Interviews Deine eindrückliche Discographie angeschaut und können feststellen, dass wohl kein Künstler in seinem Schaffen in so vielen verschiedenen Genres aufgetreten ist. Deutscher Schlager in der Zeit vor Modern Talking, ein Soul-Album und Dancefloor-Songs als "Phantomas" in den 90ern, ein jazziges Album mit 80er-Klassikern, etc.. Wenn Du Dein Gesamtwerk betrachtest: gibt es Stilrichtungen, die Du gerne in Zukunft wieder einmal vertiefen würdest? Und gibt es Sachen, die Du ausschliessen würdest?
Thomas: Diese Vielfalt hängt einfach mit der Zeit zusammen, die ich nun schon auf der Bühne stehe. Wenn man seit über 40 Jahren singt, will man auch für sich als Künstler einfach mal eine Abwechslung, und man will sich ausprobieren. Das ist einerseits interessant, aber auch hilfreich. Ich sage immer "wenn ich weiss, dass ich etwas nicht kann, habe ich gewonnen." Als Künstler ist man immer kreativ und versucht, etwas Neues zu machen. Und dann kann man eben manchmal nachträglich ein Kreuz drüber machen und sagen "weg! Das fasse ich einfach nicht mehr an." So gibt es im Leben verschiedene Phasen, in denen man ein bisschen ruhiger ist oder man eine andere Einstellung bekommt, die man musikalisch auszudrücken versucht.
Was ich mit Sicherheit nicht mehr machen möchte, weil ich das ohne Koketterie nicht mehr altersentsprechend fände, sind die Hard-Dance-Sachen, die wir Mitte der 90er gemacht haben. Das bin ich einfach nicht mehr. Ich kann nicht der Zappelkaspar auf der Bühne sein - das überlasse ich Jüngeren. Davon abgesehen ist für mich das musikalische Spektrum natürlich unglaublich gross. Wer weiss, was kommt? Es gibt so viele Ideen, die ich im Kopf habe. Gleichzeitig muss man als Künstler - und auch ein wenig als Geschäftsmann - auch im Hinterkopf haben, sein treues Publikum nicht zu überfordern. Die richtige Frage lautet dann: gibt es Menschen, die dieses oder jenes mögen wollen? Wenn ich jetzt käme mit einem Album voller politischer Songs: wer würde das kaufen? Wie sähen das meine Anhänger? Und wie sähen das die Anhänger politischer Songs? Es soll am Ende immer etwas daraus hervorgehen, hinter dem man voll und ganz stehen kann.

hitparade.ch: Vielleicht ist Anders | Fahrenkrog gerade deshalb ein reizvolles Projekt, weil es einerseits eine Tanzflächentauglichkeit hat, aber andererseits eben nicht mit der Brechstange, sondern fein produziert ist.
Thomas: Das ist Uwes Handschrift. Er ist als Produzent und Songwriter einfach überaus kreativ und sehr sensibel. Er kann sich in meine Stimme reindenken. Das macht bei seinen Co-Writings den entscheidenden Unterschied. Ein Album entsteht bei uns nicht, indem das Management ein Rundmail "wir suchen Songs für Thomas Anders" verschickt oder Karteikasten nach passenden Kompositionen durchforstet werden.
Uwe: Das wäre vollkommen willkürlich.
Thomas: Das Geheimnis von Anders | Fahrenkrog und das, was mich an diesem Projekt fasziniert, ist, dass unsere Songs je länger wir zusammenarbeiten, besser werden. Für mich als Künstler ist es ein grosses Privileg, einen Produzenten und Songwriter in einer Person zu haben, der seine Lieder auf mich als Typ und auf meine Stimme "zu schreibt".

hitparade.ch: Ihr habt Euch immer durch eine grosse Vielfalt an verschiedenen Aktivitäten ausgezeichnet. Thomas als Moderator, Sänger und Produzent. Uwe als Filmkomponist, Casting-Juror, Produzent, etc. Wie viel Eurer Zeit geht im Moment für Anders | Fahrenkrog drauf? Habt ihr nebenbei noch andere Projekte, die ihr solo angeht, oder bleibt dafür keine Zeit?
Thomas: Ja, da bleibt schon eine Vielfalt bestehen. Uwe produziert ja nebenbei auch für andere Künstler.
Uwe: Diese Arbeit mit anderen Künstlern ist auch für uns befruchtend. Wenn man sich da nur im eigenen Saft schmoren lässt, wiederholt man sich ja immer. Mit je mehr anderen guten Themen ich mich beschäftige, auf desto mehr Ideen komme ich.

hitparade.ch: Beide seid ihr seit Jahrzehnten im Musikbusiness dabei. Habt ihr Vorbilder, Künstler, die ihr bewundert oder deren Schaffen Euch besonders inspiriert hat?
Thomas: Ich mag Künstler mit guten Stimmen. Andere berühren mich nicht. Zudem finde ich Menschen grossartig, die viel Persönlichkeit haben und diese auch auf der Bühne nach aussen bringen können. Wenn man schon lange dabei ist, kann man manches auch stärker zeitlich reflektieren. Es gibt immer zwischendurch Künstler, die man mag. Die müssen aber erst mal die Zeiten überstehen. Ich finde momentan einige - nicht alle - Songs von Lady GaGa toll. Sie bietet die Inszenierung in Perfektion, wobei man manchmal nicht weiss, ob die Inszenierung oder die Musik eigentlich wichtiger ist. Dieses Mädel kann zudem auch definitiv singen. Nur: wir können uns in 30 Jahren nochmals zusammen setzen und gucken, ob es eine Lady GaGa dann noch gibt, was sie dann anzieht und welche Frisur oder Perücke sie dann auf dem Kopf trägt. Ich habe grössten Respekt vor Künstlerkollegen, die schon seit Jahrzehnten dabei sind und die somit etwas haben müssen, das Jahrzehnte überdauert.
Uwe: Musikalisch würde ich weniger von Vorbildern als von Einflüssen sprechen. Aber wenn ich ein persönliches Vorbild nennen müsste, dann wär's Frank Sinatra. Ein Künstler, der wirklich für sich alleine steht und ganzheitlich eine Ikone ist - von der Art wie er den Hut aufsetzt bis zur Art und Weise, wie er seine Lieder singt.

hitparade.ch: Zum Abschluss noch eine Frage zum Rahmen Eures heutigen Auftritts: Wie steht es bei Euch, die ihr die Showacts am Sechstagerennen seid, eigentlich selber um den Bezug zum Sport? Seid ihr selber sportlich? Und verfolgt ihr gerne Sportereignisse?
Thomas: Beim Fussball beschränke ich mich auf Welt- und Europameisterschaften. Die Bundesliga ist mir relativ egal. Wenn Länder gegeneinander spielen, erreicht das eine andere Emotionsebene.
Was den eigenen Sport betrifft: Grundsätzlich kam ich nicht auf die Welt und musste mich irgendwann in der Jugend entscheiden: möchte ich nun Sänger werden oder Leistungssportler? Dieses Schicksal ist mir - Gott sei Dank - erspart geblieben (lacht). Ein wenig Sport zu treiben, ist schon wichtig. Durch meinen Sohn komme ich mittlerweile manchmal zum Tennis. Es gibt einen Punkt, für den ich Uwe tief bewundere: ich versuche nämlich bis heute vergeblich den Kick zu finden beim Joggen. Jeder sagt: irgendwann kommt der Kick!
Uwe: Nein, der kommt bei Dir nicht mehr (lacht).
Thomas: Ich weiss nicht, wie viele Parks ich schon entlang gelaufen bin und erwartungsfroh, aber letztlich vergebens auf den Kick gehofft habe.
Uwe: Ich quäle mich offen gestanden auch immer um die Kilometer. Ich finde es aber schon wichtig, dass man fit bleibt. Ich hab da schon viel Verschiedenes gemacht in meinem Leben. Fussball ist die einzige Sportart, die ich auch gerne gucke. Alles andere finde ich langweilig. Ich hab jedoch keinen Schal mit vielen bunten Farben meines Vereins drauf.
Thomas: Jetzt weiss ich, was ich Dir zu Weihnachten schenke (lacht).
Uwe: Aber etwas anderes habe ich… (zückt lachend das Portemonnaie und die Kreditkarte mit dem Logo von Hertha BSC drauf hervor). Das war eine Aktion meiner Bank: ich musste mich für ein Motiv entscheiden: entweder irgendwelche blöden Giraffen vom Zoo oder das Hertha-Logo. Da fiel die Wahl nicht schwer.
Thomas: Eine sportliche Erfahrung hat mich wirklich beeindruckt. Ich habe vor einigen Jahren in Deutschland bei einem Tanzwettbewerb mitgemacht. Da hatte ich acht Wochen dreimal wöchentlich vier Stunden Proben mit einer Profitänzerin. Das war total geil und ich war traurig, als diese Zusammenarbeit beendet werden musste. Wie meine anfänglich ja wirklich nur vom Knochenbau gehaltene Muskulatur bis zum Ende zu einem sehr konzentrierten Bewegungsablauf trainiert wurde - das war Rackern auf sehr hohem Niveau. Die Schmerzen kamen dann erst, als ich damit aufgehört habe und sich die Muskulatur wieder zurückgebildet hat. Heute habe ich schlicht nicht die Zeit, dreimal wöchentlich mit einer Tänzerin einen Tango oder Paso Doble einzuüben. Aber damals war ich echt angefixt. Hast Du jetzt mehr Respekt vor mir, Uwe? (lacht)
Uwe: Dreimal wöchentlich eine Tänzerin zu engagieren, finde ich wirklich toll. Man kann ja auch tanzen lassen (lacht).

hitparade.ch: Dann wünschen wir Euch für die Zukunft weiterhin die richtigen Schrittfolgen und bedanken uns für das Gespräch.
Interview durchgeführt: staetz, Guus
Redaktion: staetz, Guus


Linktipps:
Das Album „Two“ anhören und downloaden
Künstlerportal von Anders | Fahrenkrog
Künstlerportal von Thomas Anders
Diskographie Uwe Fahrenkrog-Petersen als Komponist / Produzent

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