INTERVIEW MIT DELILAHS

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Die Band Delilahs ist zurück mit dem neuen Album "Greetings From Gardentown", eine sehr gelungene CD, wofür sich die Band richtig Zeit genommen hat! Wir haben die sympathische Sängerin der Band, Muriel, zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Viele in der Schweiz haben wohl schon von den Delilahs gehört, und ihr wart von Anfang an ein grosser Hype. Einer eurer ersten Gigs war am Greenfield Festival.
Muriel Rhyner: Frag mich nicht, wie wir das geschafft haben! Es war ziemlich am Anfang, einer der ersten 15 Gigs, die wir hatten. Das ist ein bisschen schade, zu dieser Zeit durften wir schon an so vielen Orten spielen, waren als Band aber noch nicht soweit. Wenn wir das jetzt machen könnten, das wäre der absolute Hammer! Wir wären besser vorbereitet und wüssten genau, was uns erwarten würde. Das war vielleicht ein Nachteil, wenn man ein Hype ist, wir wurden am Anfang sehr gepusht.

hitparade.ch: Wie hast du mit der Musik angefangen? Hast du von Anfang an schon gewusst, dass du einmal Sängerin in einer Band werden möchtest?
Muriel Rhyner: Ich denke, es hat viel damit zu tun, dass meine Eltern eine grosse Platten- und CD-Sammlung hatten, aber nie selber Musik gemacht haben. Die Musik war ständig an, und ich denke, mein Vater hatte den geilsten Musikgeschmack überhaupt. Die Musik hatte ich also schon von Anfang an in mir drin. Ich wollte dann mit der Zeit selber Musik machen und habe Keyboard gelernt. Als ich 12 Jahre alt war, hatte mein Bruder eine Schülerband, und meine Mutter wollte unbedingt, dass er mich da aufnimmt. Dank meiner Mutter bin ich dann in die Band hineingerutscht, denn als junges Mädchen ist man zuerst ein bisschen schüchtern. Man denkt dann auch nicht auf Anhieb, dass man auf einer Bühne stehen möchte, sondern, man möchte einfach Musik machen. Hätte meine Mutter mich nicht dazu überredet, wüsste ich nicht, ob ich sofort in das Bandleben hineingefunden hätte.

hitparade.ch: Dann hast du deine Eltern sicher sehr stolz gemacht!
Muriel Rhyner: Auf jeden Fall! Sie haben mich gut unterstützt und mich zu vielen Gigs gefahren, mit 15 Jahren durfte ich das ja noch nicht. Aber sie waren auch Kritiker und haben mir gesagt, wenn etwas nicht so toll war. Ich habe dann gemerkt, dass man mit Keyboard nicht richtig abgehen kann und so habe ich Bass angefangen. Gleichzeitig mit dem Bass habe ich dann angefangen zu singen. Darum ist es für mich normal, beides gleichzeitig zu machen.

hitparade.ch: Ihr habt als Mädchenband angefangen, doch seit 2009 seid ihr zwei Jungs und zwei Girls. Wie hat sich das auf die Zusammenarbeit ausgewirkt, und wer ist für welchen Teil zuständig?
Muriel Rhyner: Ich habe eigentlich immer die Songs geschrieben, bis und mit dem letzten Album. Für dieses Album ist aber noch mein Bruder in die Band hineingekommen, mit dem ich die allererste Band vor 12 Jahren hatte. Ich wusste daher schon immer, dass er Songs schreiben kann und bei drei bis vier Songs haben wir für dieses Album zusammen geschrieben. Ich mache aber auch immer noch die Musik, Texte allein machen mir zu wenig Spass; das was mich wirklich reizt ist die Musik. So zusammen gibt es wirklich gute Riff-Inputs, aber es gibt trotzdem noch Songs, die ich komplett allein geschrieben habe.

hitparade.ch: Wirkt sich das besser aus, wenn nicht nur Girls in der Band sind?
Muriel Rhyner: Das ist so. Für uns war das Geschlecht zwar nie entscheidend, wir sind per Zufall eine Frauenband geworden, das war auch cool. Diese Konstellation, die wir jetzt sind, sind wir ja eigentlich auch schon 2 ½ Jahre, die Leute haben das einfach nicht sofort bemerkt.

hitparade.ch: Das neue Album war auf September geplant, bei Wikipedia steht sogar "Frühling 2011", die Single ist noch früher erschienen. Warum hat es länger gedauert?
Muriel Rhyner: Das haben wir vor 1 ½ Jahren so entschieden, jedoch ist das sehr schwer einzuschätzen. Wir haben es auch nicht zu ernst genommen, sondern das für uns einfach mal als Ziel gesetzt. Wir haben dann gemerkt, wenn wir es noch auf September würgen, dann bringt es das einfach nicht. Wir haben von Anfang an gesagt: Das Wichtige an diesem Album ist, dass es genau für uns passt. Wir lassen uns von Nichts und Niemandem stressen!"

hitparade.ch: Wie ist es in der Zeit, wenn ihr auf Tour geht und Termine habt? Wohnt ihr Alle in Zug?
Muriel Rhyner: Ausser dem Schlagzeuger wohnen wir Alle relativ nahe, er wohnt in Bern. Das heisst, er muss für jede Probe nach Zug, das ist schon ein mega Einsatz. Wegen dem Touren ist es so, dass Schweizer Bands generell nicht am Stück touren, meistens ist es am Wochenende oder einzelne Tage. Aber wir gehen zum Beispiel nach Tschechien, und da muss eben Jeder frei nehmen *lacht*. Das wird ganz lustig, wir verdienen zwar nichts dran, aber es ist Fun.

hitparade.ch: Ihr hattet am Anfang Probleme mit dem damaligen Management, das behauptete, "Independent Rock" in der Schweiz sei tot und auf Mundart-Künstler setzte. Die meisten Radiostationen spielen keine Schweizer Bands, die Rock machen …
Muriel Rhyner: Das sehe ich durchaus so. Ein gutes Beispiel ist, wenn ich Nickelback im Radio höre, da muss ich einfach sagen, dass die dreimal mehr verzerrte Gitarren drin haben als ein Pop-Rock Song von uns. Es ist schon so, dass man als Rockband in der Schweiz diesbezüglich nicht unbedingt die Glückskarte gezogen hat, da haben es Andere leichter.

hitparade.ch: Warum, denkst du, ist das so? Es hören doch so Viele Leute Rock!
Muriel Rhyner: Es ist halt eine Sache von Mainstream, das war schon immer so. Vielleicht fehlt vielen Stationen auch der Mut auf etwas Neues. Auch, wenn vielleicht 10 Leute das Radio abstellen wegen den härteren Riffs, kommen dafür auch fünf neue Hörer dazu. Vielleicht wären die Leute froh, wenn nicht immer derselbe Mainstream käme. Ich finde es schade, man kann so die Szene nicht wirklich pflegen oder fördern.

hitparade.ch: Daher gibt es viele Schweizer Rockbands, die sich verstellen und extra Radiosongs machen, damit sie gespielt werden.
Muriel Rhyner: Wir haben das Glück, dass wir immer schon härtere und ruhigere Songs hatten, und die ruhigeren dürfen sich auch wie Popsongs anhören. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir eines der feineren Songs für dieses Album als Single nehmen können, ist grösser als zum Beispiel beim letzten. "B Like Banana" wurde im Tagesprogramm nicht oft gespielt, und das merkt man. Es ist also schwer. Wenn man nicht im Radio läuft, ist es nicht gut, und wenn man nur im Radio läuft, hilft dir das genauso wenig. Wenn du nur Radiopop machst, will dich niemand live sehen; was will man mit Radiopop live? Es wäre schön, wenn in Zukunft mehr passieren würde!

hitparade.ch: "airplay.ch" kennst du sicher, das ist auch ein Produkt von uns.
Muriel Rhyner: *grinst*, dort bin ich momentan fast jeden Tag, um zu schauen, wie es läuft. Bei DRS3 läuft es momentan sehr gut, und wir freuen uns auf jeden gespielten Song im Radio. Es darf sich einfach noch mehr machen, allgemein für Schweizer Bands, denn es gibt so viele gute Musiker hier. Es ist jedoch ein Geben und Nehmen. Wir sind abhängig von den Radios und dürfen auch nicht gegen sie wettern, und sie sind irgendwie auch von der Schweizer Musikszene abhängig. Schauen wir mal, wie es sich entwickelt.

hitparade.ch: Den Song "Heroes In Heels" habt ihr gratis zum Download bereitgestellt. Was denkt ihr über gratis Musik im Internet?
Muriel Rhyner: Wir wollten den Leuten einfach etwas geben! Ich verstehe das gratis Downloaden ja auch irgendwie. Ich als Urheber müsste mit dem eigentlich Probleme haben, wenn die Leute Musik klauen. Meine Hoffnung wiederum ist dann aber, dass derjenige, der sie downloadet, denkt: "Wow, gefällt mir, ich gehe die Künstler live schauen.

hitparade.ch: Dann denkst du, hat es mehr Vorteile, wenn die Musik gratis zur Verfügung steht?
Muriel Rhyner: Wenn ALLES gratis wäre, dann nicht. Denn man macht schon jetzt für jedes Album, das man macht, Schulden, es ist eigentlich ein Investment. Wenn man die ganze Musik gratis zur Verfügung stellen würde, dann geht die Rechnung überhaupt nicht mehr auf. Aber wenn jemand mal eine CD brennt und sie dem Kollegen gibt oder die Musik downloadet, dann ist es für mich okay. Es sollte einfach noch eine gewisse Wertschätzung da sein.

hitparade.ch: Der Wert scheint in den letzten Jahren mit der ganzen digitalen Geschichte sehr verloren gegangen zu sein.
Muriel Rhyner: Stimmt, wiederum habe ich aber auch das Gefühl, wenn man wertvolle Musik macht, dann löst das im Mensch auch wieder etwas aus. Vielleicht ist es auch so, weil es so viele schnell produzierte Songs gibt. Ich denke aber, es hat weniger Wert, wenn man die Songs nur gratis anbietet, als wenn man sie trotzdem noch auf CD kaufen kann.

hitparade.ch: Ich muss sagen, ich habe früher auch oft Musik gedownloadet, ohne dass ich gedacht habe, dass ich dem Künstler schade. Nartürlich habe ich trotzdem noch CDs gekauft, aber der Downloader denkt sich auch nicht viel dabei, und dazu ist es in der Schweiz noch legal. Ich denke aber, für Schweizer Musiker sollte das kein grosses Thema sein, da es sehr schwer ist, ein ganzes Album im Internet zu finden, solange es keine internationale Band ist.
Muriel Rhyner: Eine Rihanna macht Millionen, da muss man auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn man mal eine CD rippt. Wenn man sich gegen diese Bewegung sträubt, die sich nun so entwickelt hat, kommt man auch nicht viel weiter. Man muss als Band auf Gigs stehen, man muss sie lieben und das machen nicht Alle. Wir lieben das Performen absolut, und darum ist es uns egal, solange die Bude voll ist. Man merkt dann auch, dass viele Leute nach der Show das Album kaufen, weil es ihnen einfach gefallen hat und das ist schön.

hitparade.ch: Das neue Album heisst "Greetings From Gardentown". Warum Gardentown?
Muriel Rhyner: Es gab eine Zeit, da habe ich zwei Monate beim Bruder in der WG gewohnt, das war in der Gartenstadt in Zug. Ich kenne Zug gut und Zug ist klein, aber die Gartenstadt ist mir noch nie aufgefallen. Es ist ein ganz kleines Quartier, umgeben von grossen "Siemens"-Häusern. Es hat da ganz alte 50er und 60er Häuser mit ganz schönen Gärten. In dieser Zeit haben wir auch die Songs zusammen geschrieben, und da ist auch der Song "It's A Long Way To Gardentown" entstanden. Das ist unser Song, um zu sagen, wer wir sind, und wenn es dir nicht passt, dann "sorry!" Was uns aber auch noch mit Gardentown verbindet, ist, dass Zug in der Schweiz wie so ein kleiner Schrebergarten ist. Es ist so klein und so wohlbehütet, man kann die Türe offen lassen, es bricht niemand ein, man muss nie Angst haben. Das Gleiche ist es aber auch, wenn man als Schweizer Band ins Ausland geht. Die Schweiz ist ein solch heiler Fleck in dieser Welt, das ist unglaublich! Die Schweiz ist ein kleiner Schrebergarten in der Welt. Die dritte Story zu diesem Thema: Winterthur, wo wir es aufgenommen haben, ist die Gartenstadt in der Schweiz. Das ist cool, wenn alles so zusammen kommt.

hitparade.ch: Die neue Single heisst "Melting Gaze", ein Lovesong, der die düstere Seite der Liebe beschreibt. Was kannst du sonst noch über diese schöne Single erzählen?
Muriel Rhyner: Das ist der allererste Song, den ich mit meinem Produzenten geschrieben habe. Es ist eine schöne Popnummer. Ich habe es gerne, wenn der Song auch ein bisschen bitter ist, eine ruhige Nummer muss für mich Tiefgang haben, textlich wollte ich das mit "Your Love Is Killing Me" auch so herüberbringen. Mir gefällt das Spiel zwischen schön und bitter.

hitparade.ch: Der Song ist ein bisschen anders, wenn man die Mehrheit der Songs anhört, die mehr auf der rockigen Schiene sind und auch etwas Oldschoolmässiges haben…
Muriel Rhyner: Das stimmt. Wir wollten die poppigen Songs wirklich auch poppig lassen, obwohl ja trotzdem ein bisschen Trash drin steckt. Die härteren Songs sind dafür umso härter. Es war nicht das Ziel, alle Songs auf einen Nenner zu bringen, das geht auch nie gut.

hitparade.ch: Dazu habt ihr auch einen sehr simplen aber schönen Videoclip.
Muriel Rhyner: Genau, wir arbeiten gerne mit Leuten zusammen, die wir schon kennen und gerne haben. Der Produzent ist ein guter Freund von uns. Tom Gibbons, der für den Clip zuständig war, ist auch ein guter Freund von meinem Bruder, der mit uns zur Schule ging. Es war eine sehr unkomplizierte Sache. Wir haben den Clip rein aus Gefühl gemacht, und wir sind sehr zufrieden damit. Es sieht nach einem teuren Clip aus, ist aber das Gegenteil, es ist eigentlich der billigste, den wir gemacht haben. Wir sind sehr zufrieden mit dem Resultat.

hitparade.ch: Dann hast du sicher auch viel selber entschieden, auch beim Clip.
Muriel Rhyner: Das ist das Coole an uns. Wir haben kein Management und kein Label, das uns abhängig macht. Wir können selber entscheiden. Es gab den Superheldenclip "Heroes In Heels", wo wir einfach ein Hirngespinst hatten und machten, was wir wollten, aber auch diesmal gab es absolute Freiheit. Bei "Melting Gaze" kam die Bilderidee ganz klar von Tom Gibbons. Wir wussten aber, in welche Richtung wir gehen möchten: Keine Story sondern mehr Gefühle und Stimmungen. Das ist auch gelungen.

hitparade.ch: Ihr habt schon viel im Ausland gespielt. Wie unterscheidet ihr das Schweizer Publikum vom ausländischen?
Muriel Rhyner: Es geht recht ab, besonders in Deutschland. Jedoch sagen die Deutschen dann wieder, dass es in der Schweiz mehr abgeht.

hitparade.ch: Also kommt es drauf an, wo man spielt.
Muriel Rhyner: Ja, genau! Was wir auch schon gemerkt haben: Es kann sein, dass die Leute an der Plattentaufe in Zug mehr ruhig stehen und dann in Bern gehen sie wieder voll ab. Nur schon von Ort zu Ort merkt man den Unterschied. Ich denke, es ist die Schweizer Mentalität, dass das Publikum manchmal etwas ruhiger ist.

hitparade.ch: Bald geht es auf Schweizer Tour, man wird euch in der ganzen Schweiz antreffen. Spielt ihr auch an einigen Sommerfestivals?
Muriel Rhyner: Die Tourdaten findet man auf unserer Homepage, bis April sind die Daten schon drin, und der Rest kommt noch. Wir hoffen natürlich, dass wir auf einigen Sommerfestivals spielen können. Wir durften schon auf einigen grossen Festivals spielen, und das ist einfach sehr geil.

hitparade.ch: Top 10, was hältst du von den offiziellen Charts?
Muriel Rhyner: Uii, David Guetta! Ich habe einmal mit einem Typen geredet, er sah easy aus und war nett. Als ich ihn fragte, was er für Musik höre, sagte er: "David Guetta". Das war das absolute Turn Off!
Rammstein finde ich super, auch wenn sie mir immer ein bisschen Angst gemacht haben.
Nightwish… Interessant dass sich die Leute noch dafür interessieren, aber ist ja gut.
Rihanna… Was ich mich bei so grossen, millionenstarken Stars immer denke, ist, warum sie nicht langsam genug haben. Die sind glaub' ganz süchtig nach Ruhm. Ich denke, es ist besser, wenn man gar nicht so berühmt wird…
Coldplay… Ich kaufe schon länger keine Alben mehr von ihnen, finde die Band aber immer noch sehr cool. Besonders die erste CD finde ich phänomenal!
Amy Winhouse… Super Stimme, aber auch da: Zu früh Erfolg, zuviel Ruhm, das macht einen kaputt. Sehr schade!
Adele… Ich glaube, ich muss mir das Album kaufen, ich höre schon zum tausendsten Mal, dass es sehr gut ist. Ich stehe aber auch sonst auch nicht so darauf, dass mir etwas aufgedrängt wird. Der, der das produziert hat, hatte auch für Johnny Cash und die Beastie Boys gearbeitet. Das ist wirklich DER Produzent, den hätte ich auch gerne *grinst*.
Interview durchgeführt: Sonja Eberhard
Redaktion: Sonja Eberhard


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