INTERVIEW MIT DECIBEL.DJ



In den letzten Jahren haben sich dank der technischen Entwicklung viele Türen geöffnet, um so manches auszuprobieren und sich auszutauschen. Bandcontests sind bis heute für viele junge und fleissige Musiker eine gute und oft genutzte Plattform, aber es gibt ja noch viel mehr, was den Begriff "Musiker" ausmacht. Dies haben sich "Republica" und Weltrekords" erkannt und in Zusammenarbeit die Plattform decibel.dj auf die Beine gestellt und einen wohl in der Schweiz einzigartigen Contest eröffnet. Dazu konnten wir ein paar wenige Künstler kurz zum Contest befragen, Adrian Weyermann, Jacob Suske (Lunik), Gert Stäuble (Mich Gerber, / Züri West,) und Christian Trummer nahmen sich kurz Zeit für uns.

Einerseits wollten wir wissen, ob denn die Künstler die Mixes ihrer Songs mal durchgehört haben und wie sie den Anklang finden. "Die Qualität ist sehr unterschiedlich, einiges klingt, als ob jemand zum ersten Mal gefunden hätte: "So, das mach ich jetzt mal; anderes kann ich mir problemlos im Radio vorstellen." findet Trummer. Und Gert Stäuble schlägt in die selbe Richtung: "Bin zum Teil überrascht, wie gut einige Remixe sind. Doch es gibt mehr schlechte als gute." Aber nichts desto trotz finden alle die Idee eines solchen Contests alleweil unterstützenswert oder "Tolle Idee, toll umgesetzt" wie Jacob Suske meint. "Ich denke, es macht Sinn, die Leute, die jahrelang allein vor sich hin fizzeln, einmal auf anregende Weise hinter dem Computer hervorzulocken. "Nur so kann sich das ganze auch weiterentwickeln" fügt dem Adi Weyermann hinzu und antwortet weiter auf die Frage, ob eine solche Plattform auch Wellen durch die Schweizer Musiklandschaft schlagen möge, vielleicht in Form von bandeigenen Contests oder mehr Remixe bei den Pop/Rock-Bands. "Das ist zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer zu beantworten. Gut wäre sicher, die Aktion zu wiederholen und Entwicklungen im Auge zu behalten." Auch Trummer schlägt in eine ähnliche Kerbe: "Das wäre sehr wünschenswert. Ich bin sehr positiv überrascht von der grossen Resonanz des Projekts. Ich hätte nicht zu glauben gewagt, dass in der Schweiz so viele Leute so viel gratis produzieren würden. Ich glaube, dass uns im Moment alles gut tut, was irgendwie Hoffnung auf Innovation gibt und von den trägen grossen Medien im Land unabhängig ist. Gerade im Internet macht es Sinn, Plattformen zu schaffen, die Leute anziehen. Denn es ist immer noch dasselbe: Bloss weil man eine Homepage hat, geht noch nicht zwingend jemand hin. Hier ist eine solche Plattform entstanden, das ist toll. Weiter hat uns interessiert, ob denn bei den Künstlern auch eine Lust aufgekommen ist, bei einem solchen Contest als Remixer aktiv zu werden was im Allgemeinen mit einem "Ja" beantwortet wurde.. "Ich verfüge leider nicht über die entsprechende Software, bin da noch ein alter Analogtiger...", setzte dem Adi Weyermann hinzu. Wie es denn weitergehe, was man verbessern sollte, könnte, würde. Was denken die Künstler? Jacob Suske hält hier einen kleinen Katalog parat und kritisiert zudem das Loginprozedere, welches etwas einfacher sein könnte, und findet: "Wenn die Trackreihenfolge durch das aktuelle Ranking bestimmt wird, kommt man bei der Fülle von Remixes kaum noch dazu, sich auch weniger gut platzierte Tracks anzuhören. Das bevorteilt jene DJs mit gross angelegten Voting-Aufrufen... Vielleicht wäre ein Random-Modus fairer, oder eine Aufsplittung der Listen nach Acts. Vor lauter Weather-Remixe sind beispielsweise die anderen Acts etwas untergegangen. Auch limitierte Kontingente - z. B. maximal 20 Songs pro Act - sollten geprüft werden." Etwas zurückhaltender äusserte sich Gert Stäuble über Verbesserungsvorschläge und antwortete schlicht: "Kann ich im Moment noch nicht beantworten..."

...aber vielleicht können dies die Macher dieses Contests, auch für sie hatte hitparade.ch noch ein paar Fragen und fuhr nach Bern um Fire Widmer (Weltrekords) und Re Wilk (Republica) zu treffen und Antworten zu entlocken.

hitparade.ch: Der erste Contest ist jetzt abgeschlossen, wie seid ihr im Allgemeinen zufrieden?
Re: Sehr. Vor allem weil wir so viele Remixes und auch ein solch grosses Feedback der Remixer bekommen haben, aber auch wegen der sehr coolen Feedbacks der Bands, die Songs zur Verfügung gestellt haben. Wir sind wirklich sehr zufrieden.
Fire: Ich kann mich dem nur anschliessen. Die Erwartungen wurden bei weitem übertroffen und das Echo war, soweit ich es mitverfolgen konnte, sehr gut.

hitparade.ch: Wo waren denn die ursprünglich gesteckten Ziele für diesen Contest?
Re: Die konnten wir uns nicht gut stecken, weil wir eigentlich nicht genau wussten, was passiert. Wir hatten die Vorstellung von drei Leuten, die irgendwo sitzen und alles mitkriegen, dann auch noch welche, die solche Remixes machen können, das geht eventuell bis hin zu 50 Leuten, die dann im Endeffekt mitmachen. Wir konnten keine Zahl nennen, nicht mal gegenüber den Sponsoren. Aber wir haben daran geglaubt und hatten das Gefühl, dass es gut wird. Aber Fire oder auch die Ambassadors meinten, es gäbe da sicher einige, die mit machen würden und die kennen sich ja einfach mehr aus. Ich war da eher etwas skeptisch, als sozusagen "Unwissenster" in dieser Szene. Insofern sind wir völlig überrascht und überrumpelt, aber vor allem zufrieden.

hitparade.ch: Wo wart ihr bei diesem Ansturm am meisten überrascht?
Fire: Letztendlich über die Anzahl der Remixe. Wie Re bereits gesagt hat, habe ich mir schon eine Zahl vorgestellt, einfach anhand einer Dunkelziffer von Leuten, die zu Hause solche Sachen basteln. Die Frage war einfach, ob man das auch erreicht. Oder auch, ob man die Leute mit diesem Sound erreicht, ob man vielleicht speziellere Sounds zur Verfügung hätte stellen sollen. Aber offenbar hat sich das alles gut überschnitten. Gerade wenn man die Anzahl der "Lunik"-Remixe anschaut, kann man nur sagen: Absurd! Wenn dies vielleicht auch gerade ein Wermutstropfen ist, da die Masse gegenüber den anderen interessanten Sounds, wie zum Beispiel von Hank Shizzoe, in keinem Verhältnis steht. Hätte ich einen Remix gemacht, hätte mich vermutlich Hank mehr gereizt als Lunik, vor allem wenn ich sehe, dass es schon 200 "Lunik"-Mixes gibt.
Re: Ja, das hat mich fasziniert, dass so viele auf Lunik losgesteuert sind. Klar sind Lunik eine bekannte Band, aber es gab, wie ich finde, noch grössere. Dass dieses Gefälle so gross ist und sich alle auf diesen Song stürzen, fand ich doch etwas schräg. Vielleicht hatte es auch damit zu tun, dass diverse Remixer dabei waren, die das Ganze zum ersten Mal gemacht haben oder nicht so häufig. Für die war der Song optimal. Geübtere hätten vielleicht eher auf Züri West, Trummer, Adi Weyermann oder anderes zurückgegriffen. Ich finde es nur halb so spannend, einen solchen Song zu mixen, aber das soll nicht abwertend klingen.

hitparade.ch: Ich habe noch eine kleine Umfrage mit einzelnen Künstlern von Bands, die Songs zur Verfügung gestellt haben, gemacht und auf meine Frage, ob sie auch Lust bekommen hätten, beim Contest mitzumachen, war die mehrheitliche Antwort "Ja". Besteht da eine Möglichkeit, eine Art "Masterround" zu machen, wo sich die Bands gegenseitig remixen - falls Interesse von Seiten der Bands da wäre?
Re: Glaube ich weniger. Jede Band macht ihr eigenes Ding. Ich denke, dass die einzelnen Bands jetzt vielleicht neue Kontakte knüpfen konnten. Ich habe gerade letzthin Signorino TJ gesehen und er hat erzählt, dass er mit einem Remixer Kontakt aufgenommen hat und die seien jetzt rege am kommunizieren.

Fire: Denke ich auch. Das würde auch den Approche von diesem Projekt untergraben. Es geht ja auch darum, dass Kontakte dieser verschiedenen Produktionswege entstehen, die sich mit dieser Materie auskennen, die ja die Bands unter sich schon lange haben. Die meisten Musiker sind ja in verschiedenen Projekten tätig und treffen immer wieder aufeinander. Was ich mir höchsten vorstellen könnte, ist, dass sich die Bands mal im Kreise covern würden. Aber kaum auf der Basis eines Remixes, ich denke nämlich nicht, dass in jeder Band ein begabter Remixer sitzt.
Re: Ja. Daher ich überzeugt, dass wir so den richtigen Weg eingeschlagen haben.
Fire: Ich denke, das wäre höchstens marketingtechnisch ein Gag, aber mehr nicht.

hitparade.ch: Wie waren die Reaktionen ausserhalb von Republica und Weltrekords? Also bei anderen Labels und Musikschaffenden, die hier jetzt nicht involviert sind?
Re: Reaktionen sind insofern gekommen, dass es da eine spannende Geschichte mit dem Management von DJ Tatana gab. Die haben sich von selbst gemeldet, das hat mich sehr aufgestellt hat, dass sie mitgekriegt haben, dass es so was jetzt gibt. Und jetzt habe ich den Faden verloren...
Fire: ...und ich greife in rasch auf! Das war in der Tat lustig. Als wir nämlich die Bands zusammengetragen haben, habe ich Tatana versucht auf verschiedenste E-Mail-Adressen zu erreichen, die auf ihrer Website standen. Auf dieser Website stand auch, dass sie Remixer für ihre neue Platte sucht. Dass sie im Prinzip, von einem anderen Standpunkt aus, genau das gleiche macht wie wir auch. Nämlich Remixer suchen für bereits bestehende Songs auf Basis eines Wettbewerbs. Ich habe mich gemeldet, aber Ewigkeiten nichts gehört, bis sich das Management bei Republica gemeldet hat. Das finde ich cool, dass sie die Augen auch offen bei anderen halten. Andere Reaktionen gab es dann von Seiten der Künstler, die bei uns im Büro ein- und ausgehen, die ich dann hautnah mitbekommen habe. Zum Beispiel ein Mich Gerber, der kann sich an allem erfreuen, was unkonventionell ist, wogegen bei einzelnen Züri West Mitglieder ein Kopfschütteln bei gewissen Mixes stattgefunden hat. Die Reaktionen waren sehr gemischt. Aber als wir die Idee den Bands vorgetragen haben, waren eigentlich alle begeistert, und man war sich einig, dass das nur nützlich sein kann.

hitparade.ch: Die Idee eines solchen Contests ist ja grundsätzlich nicht neu. David Bowie und auch andere Künstler haben dies mit eigenen Songs auf der eigenen Webseite schon gemacht. Wer ist jetzt für decibel.dj auf die Idee gekommen? Und warum?
Re: Das war eine wirklich glückliche Fügung. Wir von Republica arbeiteten schon lange an einer Idee zu einem Contest in irgendeiner Form. Wir sind ursprünglich von einem reinen DJ-Contest ausgegangen und dann über einen Band-Contest bis zu einem Song-Contest. Und dann sind wir, da ich Fire, Hans Schneeberger und Weltrekords etc. schon lange kenne, zusammengekommen. Uns war von Anfang an klar, dass wir mit Profis zusammenarbeiten müssen, wenn wir etwas mit Songs machen auf einer Web-Plattform. Profis, die uns helfen bezüglich der Kontakte, dem Know-How mit Lizenzen usw. Dann haben wir mal bei einem Kaffee zusammen gesessen und die Ideen hin und her geschoben und uns ein paar Vorstellungen gemacht. Und Fire hat letztendlich den ausschlaggebenden Tipp gebracht, dass man auch etwas in Form eines Remix-Contests machen könnte.
Fire: Ich bin ich über eine Firma, die früher Sonic-Foundry hiess (heute Sony Media Software), auf die erste Remix-Seite gestossen. Um ihr Wave-Sequencer Programm zu promoten, machen die eigentlich genau das gleiche wie wir auf der decibel.dj - Plattform, einfach mit Bands wie Beastie Boys oder Nine Inch Nails oder Black Eyed Peas. Die Idee ist also nicht neu, umso erstaunlicher ist es, dass es in der Schweiz niemand vorher aufgegriffen hat und auch die Musiker nicht selber drauf gekommen sind. Ich denke, so etwas die Szene massiv. Und dann ist Re gekommen und hat das mit den DJ's vorgeschlagen und ich habe mir dazu Gedanken gemacht und mir Fragen über Fragen gestellt, wie das vernünftig über die Bühne gehen könnte. Und da bot sich so ein Remix-Contest einfach an.

hitparade.ch: Aber es ist schon erstaunlich. Gerade die Bands sind die, die nach mehr Innovation verlangen und man orientiert sich sonst auch immer stark am Ausland und grösseren Bands. Dass da, ausser wie gehört von Tatana, nicht die nötigen Impulse kamen, so etwas zu machen.
Re: Das eine ist ja nur mal die Idee zu haben. Das andere, und das ist die optimale Ergänzung von Repuplica und Weltrekords, es gibt noch viel Potential zum optimieren, nicht in der Zusammenarbeit, sondern im ganzen Prozess. Die ganze Plattform, diese zu entwickeln, zu programmieren, zu designen, das ist eine Riesen-Geschichte und für den normalen User nicht so ersichtlich. Es ist enorm, mit welchen Problemen wir im Hintergrund zu kämpfen hatten. Eine Band alleine kann das vielleicht in Fronarbeit machen, wie wir dies eigentlich auch mehrheitlich gemacht haben. Und als klar war, was wir wollen, haben wir das in erstaunlicher Zeit aufgebaut, und da ist viel Manpower dahinter, von verschiedenen Graphikern, Programmierer und Beratern.
Fire: Es hat sich jetzt sauber ergänzt. Ich alleine hätte dieses Projekt aus Eigeninitiative nie aufziehen können und Republica hat so etwas gesucht. Aber das Erstaunliche ist, dass die Bands, die eigentlich alle ihre eigene Homepage hätten, nicht mal im kleinen einfach die einzelnen Spuren raufgestellt haben und mal geschaut haben, was da vielleicht kommt.

hitparade.ch: Bei uns auf hitparade.ch gab es ein eigenes Forum-Thema über diesen Contest, da ist es zeitweise hoch her gegangen, vor allem als es um das Voting ging. Das hat ein paar böse Stimmen gegeben, gegen Schluss hin auch eher etwas Resignation. Man kann es ja nicht allen recht machen. Wie ist man auf Seiten decibel.dj damit umgegangen? Hat man da für einen eventuellen zweiten Contest auch neue Ideen sammeln können?
Re: Also, erstens mal, und das ist jetzt kein Bauchpinseln, es hat uns enorm aufgestellt, dass sich dieses Forum und der Kontakt ergeben hat, weil uns klar war, dass wir ein Forum oder eine Plattform brauchen, wo sich die Leute austauschen können, haben es aber zeitlich nicht mehr geschafft. Daher ein grosses Merci, dass ihr so schnell da reagiert habt. Und es war für uns auch spannend, dort alles 1:1 nachzulesen, auch diese Verbitterung und Resignation zu spüren. Und es hat auch harte Kommentare gegeben und die sind für uns genau so wichtig. Plötzlich waren wir unter Zeitdruck und mussten den Termin auch wegen den Sponsoren aufrecht halten. Dann haben wir gemerkt, dass wir nicht an alles denken können und haben nächtelang sinniert, um das Ganze so fair wie möglich zu machen. Aber unter dem Strich ist es einfach so, dass es nicht eine finale Art gibt, dies 100 % fair zu gestalten... Was ist schon fair? Das hat zu stundenlangen Gesprächen geführt, zwischen uns, Weltrekords und auch den Ambassadors. Sehr spannend, aber wir mussten dann auch sagen, wenn Madonna auf der Nummer 1 in den Charts ist, ist es irgendwie auch nicht fair, eigentlich. Sonst müsste man auch sagen, alle in diesem Business bekommen 30'000.- Franken, und damit musst du deine Platte machen und promoten, dann hätte man eine Basis. Und so hat der eine auf mirakulöse Weise mehr Bekannte und Freunde, weil er vielleicht ein offener Typ ist und offensiver und aggressiver in der Promotion vorgeht. Insofern kann man gar nicht von fair oder unfair reden, unser Wertungssystem ist sicher nicht unfair, schlussendlich haben alle die gleichen Chancen. Es muss jeder auch selber etwas dazu beitragen, um gehört zu werden. Und es ist ja auch keine Olympiade, bei 100m Sprint ist der Sieger klar, der Schnellste eben, da gibt's keine Kür für schönes rennen. Und nur weil ich mit 14 nicht genügend starke Ellbogen hatte, bin ich heute kein Fussballstar...
Fire: Ich muss dem etwas widersprechen. Es ist ganz klar, dass man gewisse Algorithmen in diese Berechnung einfügen sollte, schon wegen dem Zeitfaktor. Man muss schon beachten, dass, wenn einer den brillantesten Remix zwei Wochen vor Ende des Contest einschickt, der keine Chancen mehr hat, diejenigen einzuholen, die schon zwei Monate dabei sind. Und da muss sicher auf Seiten von decibel.dj etwas passieren, dass man dies etwas übersichtlicher und einfacher gestaltet und man spezifischer nach Musik suchen kann.
Re: Klar, aber schlussendlich gibt es ja auch noch eine Jury, welche das alles durchhört und selbstverständlich die Bands auch. Und gerade die Bands erweisen sich als grosser Katalysator was dies angeht. Aber auch zu Recht. Sie müssen im Endeffekt auch hinter diesen Mixes stehen. Und diese beiden Parteien hören ja alle eingegebenen Werke, ob vor zwei Wochen geschickt oder vor zwei Monaten.
Fire: Ja. Aber es geht ja um diese Diskussion im Forum über das Wertungssystem. Es war am Anfang sicher sehr unglücklich, dass man auch Minuspunkte geben konnte. Das hat auch sicher einen Negativ-Touch vermittelt, aber das haben wir ja dann schnell behoben. Es war für uns auch nicht abzusehen, dass einzelnen Listeners alles negativ bewerten, was ihnen gegen den Strich geht. Und das andere, was du mit den Ellbogen angesprochen hast, wenn einer ein grosses Einzugsgebiet hat und einen riesigen E-Mail-Verteiler, dann findet der schnell mal mehr Leute, die für ihn Voten. Gerade "Schräs", der ist ja oben aufgeschwungen und der macht eine saubere Arbeit. Ich finde den Mix gut, aber es gibt diverse Sachen, die genau so gut waren und nicht annähernd so viele Stimmen bekommen hat, weil es in der Masse untergegangen ist und da muss man sicher noch daran arbeiten. Aber es ist wie in der "richtigen" Musik, da geht zur Zeit auch sehr viel in der Masse unter und die, die sich gut promoten können, die verkaufen ihre Platten...

hitparade.ch: Ja, ich bin so Fan von diesem Sina-Remix von "massive" und es hat mir fast das Herz gebrochen, dass plötzlich niemand mehr für diesen Song gevotet hat. Der hat aus diesem doch "lüpfigen" Song etwas schweres Düsteres gemacht.
Fire: Ja, diesen Song fand ich auch stark, den kann man als sehr gutes Beispiel nehmen für die Idee dieses Contests. Bei diesem Song wurden alle Bereiche und Regeln ausgeschöpft, was das Remixen ausmacht und auch so spannend macht. Der hat aus einem bestehenden Song wirklich etwas komplett anderes gemacht. Einem sonnigen Stück hängst du zwei, drei Sachen an und schon hast du eine düstere Nummer à la Massive Attack, und der hat es wirklich fertig gebracht und den Song wesentlich verändert.

hitparade.ch: Jetzt ist die Jury am Werk und hört alles durch. Bis wann kann man erste Ergebnisse erwarten?
Re: Im Moment haben wir noch nicht von allen Bands die Freigaben für die Songs, zu denen sie ihr Okay geben. Aber die Jury wird einfach etappenweise beliefert, es sind schließlich über 400 Remixes, die bewertet werden müssen. Aber zuerst müssen die Bands entscheiden und dann reduziert sich das sowieso noch etwas. Und allein wegen der Masse gibt es da Verzögerungen. Aber in ein paar Tagen sind Resultate da.
Fire: Es ist in der Tat so und da kann man den Bands auch keinen Vorwurf machen. Gerade bei Lunik, die zurzeit in Frankreich im Studio sind und nebenbei noch fast 200 Mixes hören sollen. Solche Sachen konnten wir natürlich nicht voraussehen. Dazu kamen andere Probleme, wo wir die Künstler mehrfach beliefern mussten, weil nochmals ein Mix gekommen ist und lauter solche Geschichten. Sowas können wir beim nächsten Mal sicher besser planen und es wird einiges reibungsloser ablaufen.

hitparade.ch: Eine Compilation und eine Party sind noch angekündigt, wie sieht es damit aus?
Fire: Also die Compilation kommt, das ist ganz klar! Die ist stark von der Jury abhängig. Und dort ist genau der Gegenpol zum Online-Voting, dort wird ein demokratisch qualitativer Entscheid gefällt, was am Schluss auf dieser Compilation ist. Dass man am Ende auch ein Produkt auf den Markt bringt, das aufzeigt wie lebendig die Schweizer Szene in diesem Bereich ist. Was die Party betrifft, da muss eher Republica Stellung nehmen, das ist ihr Baby...
Re: Ja, also die Party wird's sicher auch geben. Auch da ist das Problem der unklare Umfang des Contest's. Wir konnten ja nicht vor drei Monaten für eine decibel.dj-Party das Volkshaus mieten und uns noch mehr in Unkosten stürzen. Wir sind immer noch am abwägen, was am meisten Sinn macht. Am liebsten hätten wir das am M4Music gemacht, wo wir auch unterwegs waren. Das wäre eine gute Sache gewesen, aber das hat terminlich nie gepasst. Zumal zu dieser Party sicher die Compilation da sein muss. Die Party findet statt, vielleicht so nach dem Motto "50 Leute treffen sich und haben eine gute Zeit", vielleicht auch 150. Wir können es auch nicht in jeder Stadt machen, wir werden uns auf Zürich oder Bern konzentrieren, von dort kommen auch die meisten Remixes.

hitparade.ch: Eine zweite Runde wurde angesprochen, so wie es klingt, kommt das auch. Weiss man da schon genaueres? Bands? Veränderungen? Erweiterungen?
Re: Ob es eine zweite Runde gibt, ist noch nicht wirklich fix. Ich glaube, alle Beteiligten würden sicher gerne einen weiteren Contest machen, aber es müssen dann auch die Ressourcen auf beiden Seiten da sein, es haben schliesslich alle noch andere Projekte als decibel.dj. Wenn es einen weiteren Contest gibt, was wir alle gerne machen wollen, müssen die Termine fixiert werden. Wir haben da gewisse Daten bereits angepeilt, konkret wäre das im Spätherbst. Aber es ist ein solch enormer Aufwand, bei dem wir diesmal früher und besser planen müssen. Da gibt es auch fortlaufend viel zu tun, gerade bei Weltrekords, da wird jeder Song vorher auf Verletzungen der Regeln und Urheberrechte durchgehört. Auch was die Sponsoren betrifft, muss alles sauber geregelt sein. Und gerade von dieser Seite haben wir sehr gute Signale. Aber wir wollen einfach nicht noch mal in denselben Stress kommen wie dieses Mal. Wie sieht's aus Fire? Seid ihr auch noch bei einem zweiten Contest dabei?
Fire: Klar, auf jeden Fall. Ich möchte noch etwas zu den Bands bei einer eventuellen weiteren Runde sagen. Diverse Bands haben ein grosses Interesse angemeldet, dass sie auch gerne dabei wären, nachdem es bei den ersten immer noch etwas Überredungskunst brauchte. Jetzt haben diverse Leute gemerkt, dass dies eine doch recht interessante Angelegenheit ist. Ein paar Bands werden möglicherweise wieder vertreten sein, weil sie mehrere Songs zur Verfügung gestellt haben. Und wir finden auch, dass es schade wäre, wenn wir unter diesen Voraussetzungen nicht noch einen zweiten oder sogar auch noch einen dritten Contest machen könnten.

hitparade.ch: hitparade.ch ist eine internationale Community. Ich habe Kontakt mit Members in Deutschland und Österreich, von denen kam eigentlich auch ein durchweg positives Echo über die Idee. Hat es aus dem Ausland Reaktionen gegeben, von anderen Bands oder Labels, die gemeint haben, das wäre auch noch was für uns?
Re: Also konkret habe ich nichts gehört, ausser von einem Griechen. Der war stinksauer, da hab ich mir schon langsam Sorgen gemacht. Der hat einen Remix eingereicht, welcher rechtlich bei weitem nicht tragbar war.
Fire: Ja, der hat Beats und Samples von bestehenden Tracks von Jay-Z und anderen Künstlern verwendet. Das wäre nie durchgekommen und das hätten wir nie veröffentlichen dürfen, das hätte nur Probleme gegeben. Er hatte einen Kutti MC-Remix gemacht. Er darf das von mir aus auf eigene Kappe machen, aber nicht für decibel.dj, da sind uns die Hände gebunden, auch wenn's vielleicht noch cool gewesen wäre, was ich an dieser Stelle weder bestätigen noch dementieren möchte (Gelächter). Aber ich denke, wenn jetzt eine Anfrage an Republica käme, betreffend Lizenzen für einen Contest im Ausland, würde sie sicher nicht nein sagen.
Re: Ja, das wäre für uns sicher auch sehr interessant, diese Idee und die bestehenden Erfahrungen ins Ausland zu transferieren. Es ist einfach auf rechtlicher Basis recht kompliziert, auch wenn's überall in etwa gleich ist, muss man schon aufpassen. Aber man könnte es auch ganz öffnen. Jede Band, die mitmachen will, kann einen Song schicken und wir entscheiden, ob wir den dabei haben wollen oder nicht, dies wäre sicher auch denkbar.

hitparade.ch: Gab es überhaupt Teilnehmer aus dem Ausland?
Re: Es gab relativ viele Registrierte aus Deutschland und dann noch dieser Grieche... Der war wirklich sauer, weil wir seinen Beitrag abgelehnt haben. Der hat sogar den Sponsoren geschrieben und Medien-Partnern wie "Basel One" und hat gemeint wir seien Kindergarten und hätten sowieso keine Ahnung. Er hätte das mit Sony Griechenland alles abgecheckt.
Fire: Ich muss das noch schnell ergänzen. Beim Evaluieren der Tracks habe ich gewusst, ich kenne den Track und den Boden des Remixes. Und es gibt diese Leitung eines Telefonanbieters, wo man Lieder abspielen kann und man dann per SMS den Namen des Tracks zugesandt bekommt. Das hat bei einigen Remixes super geklappt. Ich habe mein Handy immer an die Boxen gehalten und 10 Sekunden später wusste ich, von wem dass der Song wirklich ist. Und beim angesprochenen Song des Griechen ist der Fall so sonnenklar.

hitparade.ch: Aber hat es viele Fälle gegeben, wo es Leute mit fremden Samples bereits bestehender Tracks versucht haben?
Fire: Nein, erstaunlicherweise viel weniger als ich erwartet habe. Ich hatte am Anfang starke Bedenken und dachte, das könnte ein Problem werden. Da haben wir aber gute Arbeit geleistet, es wurde immer klar kommuniziert, dass dies verboten ist. Man darf die Spuren nicht mischen und keine Instrumentals verwenden und so weiter. Was es auch noch gegeben hat, war ein Remix des Sina Songs, wo einer ständig reingefurzt hat, da mussten wir auch sagen: "Sorry, das machen wir nicht, schau aber, dass deine Verdauung wieder besser wird..."! Solche Sachen bringen nichts und Sina hätte sicher auch keine Freude daran gehabt. Hart an der Grenze waren auch die hochgepitchten Remixes, wo Jael plötzlich zwei Oktaven höher sang und mehr nach Mickey Mouse klang als nach Lunik. Die haben wir mal laufen lassen, das kann dann noch die Band oder die Jury sortieren. Es hat aber selten gut getönt, also bitte, liebe Remixer, aufpassen mit hochpitchen...


Linktipps:
decibel.dj - Website
Das decibel.dj-Forum
Republica
Weltrecords

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