INTERVIEW MIT THE BOSSHOSS

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The BossHoss gaben letzte Woche in Zürich ein Konzert, wir haben vor ihrem Auftritt Frontmann Alec zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Ihr wart ja scho einige Male in Zürich. Habt Ihr jeweils Zeit, Euch die Stadt anzuschauen, oder kennt Ihr hier nur die Hotels, in denen Ihr jeweils wohnt?
Alec: Genau, wir sind nicht zum ersten Mal hier. Ein paar von uns hatten gerade heute Gelegenheit, die Stadt zu erkunden. Ich selbst kenne Zürich auch ganz gut und finde es eine schöne Stadt. Wir finden es immer super, hier zu sein, gerade an einem sonnigen Tag wie heute, wenn man auch gleich noch spazieren gehen kann. Ich kam heute aber wirklich nicht dazu, ich musste nach dieser langen Busfahrt einfach mal richtig schlafen.

hitparade.ch: In der Musikwelt fällt Ihr total auf durch Euren sehr eigenen Stil. Wie würdest Du Euren Musikstil beschreiben? Ihr seid ja nicht mehr "nur" auf Country...
Alec: ...Es stimmt schon, wir haben einen eigenen Stil für uns gefunden, der ziemlich einzigartig ist, den gibt es so nicht, zumindest in Deutschland nicht. Wir vermischen Crossover aus Country, Rockabilly, Rock, Rock'n'Roll und seit Neuestem auch Pop. Neu arbeiten wir mit elektronischen Beats, was für Musiker wie uns ja doch eher ungewöhnlich ist. Wir finden aber, dass gerade solche Experimente die Musik wieder spannend machen können. Wenn man es schafft, das alles so zusammenzupacken, dass am Ende alles ein runder, homogener Sound ist, dann ist das schon spannend.

hitparade.ch: Wie seid Ihr denn ursprünglich auf Country gekommen? Wart Ihr Euch da schnell einig?
Alec: Ja! Angefangen haben wir ja aus Spass! Das war absolut nicht ernst gemeint und sollte nur ein Joke sein. Also entschieden wir uns spontan für Country, weil das einfach lustig ist und man so auf spannende Art Songs covern kann. Es kam dann sehr gut an, die Leute fanden es super! Aber für uns war das dann doch bald einmal zu eingeschränkt. Wenn man das gerne mehrere Jahre machen möchte, dann kann man sich nicht immer nur in einem so engen Fenster bewegen. Daher haben wir unsere Musik, die wir persönlich mögen, nach und nach mit hineingepackt. Dies passierte natürlich nicht über Nacht, sondern wir haben von Album zu Album immer mehr gewagt. Wir versuchen, mit jedem Album neue Farben mit hineinzubringen, damit es spannend bleibt.

hitparade.ch: Ihr habt, bevor Euer neuestes, 6. Album veröffentlicht wurde, eine Weile in Texas verbracht. Wie habt Ihr diese Zeit erlebt? Wie hat sie Euch beeinflusst?
Alec: Es hat uns sehr inspiriert. Wir waren nicht sehr lange da, haben aber einige Konzerte gespielt in kleinen Clubs. Wir haben da auch unser Video gedreht und haben uns entschieden, dass wir gleich Kameras mitnehmen, um unseren Aufenthalt zu dokumentieren. Die Doku haben wir dann als DVD mit auf die Platte gepackt. Es war wirklich toll! Wir dachten uns: "Wennschon Amerika, dann aber gleich Texas", BossHoss gehören doch dahin! Und es war sehr skurril zu beobachten, wie die Leute dort auf uns reagieren. Dies ist ja schliesslich das Mutterland dessen, was wir im fernen Deutschland machen. Das war sehr geil, wir hatten diesen Exoten-Bonus, die fanden das total abgefahren, witzig und auch gut! Wir lassen es ja ganz schön krachen auf der Bühne und der Texaner kennt den Country eher etwas gesetzter. Das fanden die doch recht frisch und rockig.

hitparade.ch: Waren die denn überrascht, dass Ihr aus Deutschland seid? Oder hielten die Euch erst für Texaner?
Alec: Nein nein, es wurde sehr viel Promo gemacht und darauf hingewiesen. Die kamen an die Konzerte, um die Sauerkraut-Cowboys zu sehen. Das fanden die sehr lustig (lacht).

hitparade.ch: Der Song "My Country" auf dem aktuellen Album ist ja im Original von Rammstein und heisst "Mein Land". Wie kam es zu diesem eher ungewöhnlichen Cover?
Alec: Die haben uns angefragt, ob wir das machen wollen. Das sind Freunde von uns, teilweise wohnen wir nur wenige Häuser auseinander in Berlin. Wir kennen uns daher schon länger. Die hatten immer die Idee, dass wir doch mal einen Song von ihnen covern sollten, die mochten uns schon seit vielen Jahren. Wir wollten das erst nicht, weil wir auf keinen Fall Deutsch singen möchten, das klingt immer gleich nach Gunter Gabriel. Irgendwann haben Rammstein dann davon gesprochen, ein "Best-Of"-Album zu machen und dass eine neue Single darauf ist, die "Mein Land" heisst. Da haben sie uns nochmals konkret angefragt, ob wir nicht eine BossHoss-Version machen könnten. Also haben wir's auf Englisch gemacht, und Rammstein war so begeistert, dass der Song bei ihnen auf dem Album gelandet ist. Ebenso mochten auch wir den Song und packten ihn auf unser Album.

hitparade.ch: Ein aktueller Anlass ist sicherlich auch Eure Teilnahme und den Sieg bei "The Voice of Germany". Was hat Euch dazu bewogen, dort mitzumachen? Und wie habt Ihr diese Zeit erlebt?
Alec: Ganz am Anfang hatten wir abgesagt. Wir wollten das nicht machen, weil wir Casting-Show-Gegner sind. Die normalen Casting-Shows, die man hier so kennt, vermitteln einfach ein falsches Bild darüber, wie das mit der Musik funktioniert. Dazu kommt, wie mit den Menschen umgegangen wird. Auch die Qualität der Musik spricht da für sich. Dann haben wir uns aber wirklich intensiv mit dem Konzept der Sendung beschäftigt, weil man immer wieder und wieder auf uns zugekommen ist. Die gaben uns DVD's von vergangenen Sendungen aus Holland und Unterlagen zur Sendung. Dann mussten wir zugeben, dass das schon ganz spannend klingt. Und dann dachten wir, statt immer nur zu meckern, könnten wir auch gucken, ob wir es besser machen können. Dann erfuhren wir auch, wer da neben uns so mitmacht. Das war uns auch sehr wichtig! Dass da Musiker mitmachen und keine Fussballerfrauen und Tanzlehrer. Und das waren gestandene, respektvolle Kollegen, die absolut etwas sagen können zum Thema, das hat uns überzeugt. Daher sind wir jetzt sehr happy und froh, dass das so gut geworden ist. Wir hatten auch richtig viel Spass daran, diese Sendung zu machen. Wir haben total viele tolle Leute kennengelernt. Es war horizonterweiternd, so viele talentierte Musiker aus verschiedenen Genres auf einem Haufen zu erleben. Wir hatten ja wirklich unglaublich gute Sängerinnen und Sänger dabei. Das war beeindruckend und spannend.

hitparade.ch: Diese Show hat doch mit Sicherheit auch Eurem Bekanntheitsgrad sehr gut getan. Haben sich dadurch nun neue Türen für Euch geöffnet?
Alec: Eine Menge, würde ich sagen. Es ist immer schwierig abzuschätzen, wir waren ja auch vorher wirklich viel unterwegs. Wir wissen nicht, wieviel die Sendung ausgemacht hat, aber ich würde schon sagen, dass sich der Bekanntheitsgrad verdoppelt hat. Früher gab es viele Leute, die noch nie von The BossHoss gehört hatten, nun kennen es fast alle. Das heisst nicht, dass es Jeder gut findet, aber wenn man sagt "Ich bin bei BossHoss", heisst es nicht mehr "Kenne ich nicht". Auf jeden Fall ist man jetzt bekannt geworden und man spürt das bei Konzerten, wie auch bei den CD-Verkäufen. Da ist eine Steigerung zu spüren. Und klar, dafür haben wir es auch gemacht. Es wäre ja gelogen, wenn wir sagen würden: "Wir wollten einfach mal eine schöne Zeit im Fernsehen haben".

hitparade.ch: Was sind Eure nächsten Pläne?
Alec: Wir machen unsere Tour zu Ende und im April werden wir wieder ein wenig im Ausland unterwegs sein. Wir gehen nach England, Amsterdam und Kopenhagen! Und im Sommer geht's dann an die Festivals, eigene Open Air Shows! Den Herbst haben wir noch nicht geplant, wir werden sehen.

hitparade.ch: Auch Festivals in der Schweiz?
Alec: Ich glaube schon! An 1 oder 2 Festivals auf jeden Fall!

Kannst du die Top 10 der Schweizer Hitparade kommentieren?

1. Michel Teló: Ai se eu te pego!
Alec: Es ist mir völlig unerklärlich, wieso seit Wochen dieses fiese Lied in den Charts herumhängt. Ich kann's nicht verstehen. Am Anfang war ich neugierig darauf, als ich sah, wie permanent das in den obersten Rängen vertreten ist, aber als ich es mir angehört habe, konnte ich es noch weniger verstehen. Warum will die Schweiz, Deutschland und Österreich seit so vielen Wochen so ein blödes, portugiesisches Volkslied hören? Das ist doch dämlich! Gefällt mir gar nicht!

2. Gotye feat. Kimbra: Somebody That I Used To Know
Alec: Gotye gefällt mir sehr gut. Als ich den Song zum ersten Mal gehört habe, dachte ich, das sei ein neuer Song von Sting. Die Vocals erinnern mich an den irgendwie. Der gefällt mir sehr gut und er ist auch ungewöhnlich vom Arrangement her. Es freut mich, dass der den Weg auf Platz 2 gefunden hat. Auf jeden Fall auch ein krasser Kontrast zur Nummer 1.

3. Olly Murs feat. Rizzle Kicks: Heart Skips A Beat
Alec: Finde ich schlimm und langweilig.

5. Avicii: Levels
Alec: Kenne ich nicht, aber ich glaube, das ist Dance-Mist (lacht).

6. Stefanie Heinzmann: Diggin' In The Dirt
Alec: Den Song finde ich super! Was mir an der Frau gefällt, ist, dass sie cool ist und kein Pop-Püppchen. Sie kommt authentisch rüber und der Song ist super!

7. David Guetta feat. Nicki Minaj: Turn Me On
Alec: David Guetta geht mir tierisch auf den Kranz. Ich finde, dass er ein sehr talentierter Typ ist, weil der es schafft, einen Hit nach dem Anderen herauszuhauen. Aber es ist halt Grossraumdisco. Und ich kann diese Songs mit den Autotune-Vocals einfach nicht mehr hören.

8. Sean Paul: She Doesn't Mind
Alec: Finde ich auch schlimm.

10. Aura Dione feat. Rock Mafia: Friends
Alec: Ist ok, tut keinem weh. Ist harmlos!
Interview durchgeführt: Bettina Siegwart
Redaktion: Bettina Siegwart


Linktipps:
Das aktuelle Album "Liberty Of Action" anhören und downloaden
Künstlerportal von The BossHoss

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