INTERVIEW MIT THE JEZABELS

Get the Flash Player to see this player.

The Jezabels sind 4 Musiker aus Sidney und haben nach drei EPs im vergangenen Herbst in Australien ihr Debutalbum "Prisoner" herausgebracht, das es bis auf Platz 2 der australischen Charts schaffte. Wir haben sie zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Diese Frage wurde euch sicher schon oft gestellt: Wie fühlt ihr euch nach dem Gewinn des Australian Music Prize (AMP)?
Heather: Ob du es glaubst oder nicht - das wurden wir noch nicht gefragt.
Sam: Ein geiles Gefühl. Es ist ein toller Award...
Heather: ...und die Konkurrenz war ja auch nicht ohne.

hitparade.ch: Gibt euch dieser Award Genugtuung und Motivation, weiter hart zu arbeiten?
Sam: Aber so was von!
Hayley: Wir wären auch sonst motiviert gewesen. Trotzdem ist der Preis durchaus eine Genugtuung. Plattenverkäufe sind das eine. Aber eine Auszeichnung von Experten zu kriegen, die sich mit der Materie wirklich auskennen, das ist schon ein tolles Ding.

hitparade.ch: Konntet ihr schon einen Blick in die Schlagzeilen werfen?
Heather: In Australien ist die Underground-Szene sehr gross. Viele denken, dass der AMP sich nur an berühmte Bands richtet.
Hayley: ...und so wurden halt auch nur die bekannten Indie-Bands nominiert.

hitparade.ch: Ihr wart auch in der Indie-Kategorie, aber eher, weil man euch nicht wirklich einordnen kann. Ihr nennt euren Stil selbst "Intense Indie". Was meint ihr damit?
Sam: So haben wir unseren Stil im Nachhinein benannt. Wir wussten zuerst gar nicht, was wir spielen. Wir haben Songs geschrieben und geschaut, was dabei herauskommt.

hitparade.ch: Einfach loszulegen ist sicher die bequemere Variante als eine bestimmte Vorgabe erfüllen zu wollen.
Nik: Das Dilemma ist: Manchmal musst du dich einordnen lassen, um den Leuten zu zeigen, was du machst oder zu machen versuchst. Viele Leute sind überrascht, wenn sie uns hören, und merken dann, dass wir anders sind, als wir beschrieben werden. Überraschung - darum mögen uns unsere Fans!

hitparade.ch: Nach dem Motto "Für jeden etwas dabei?" - Eure Fangemeinde muss sehr gut durchmischt sein.
Sam: In der Tat!
Hayley: Wir haben alles: Jung und Alt, Männlein und Weiblein, Weisse und Schwarze...
Nik: Die Jüngsten sind 18, die Ältesten 55...
Hayley: ...eher 65. Manchmal sind da wirklich sehr alte Leute im Publikum.
Nik: Nur unser Techniker ist ein wenig genervt. Er kann es niemandem recht machen: Den einen ist es zu leise, den anderen zu laut.
Sam: Das ist so. In Zürich war unser Konzert in Kürze ausverkauft. Wir haben es an einen grösseren Ort verlegt und es war dann dennoch ausverkauft.

hitparade.ch: Wie kommen die Ideen zustande? Erarbeitet ihr sie zusammen oder einzeln?
Heather: Sowohl als auch. Eigentlich schon zusammen, aber bei jedem Song hatte irgendwer einen etwas grösseren Einfluss als die anderen.

hitparade.ch: Hayley, für dich als Sänger ist es sicher eine grosse Herausforderung, zu so vielseitiger Musik zu singen.
Hayley: Ja, aber die brauche ich auch. Wenn ein Song mehr in Richtung Country geht, muss ich halt countrylike singen. Das inspiriert mich. Ich bin lieber vielseitig, als dass ich immer mit dem Gleichen kommen muss. So kann ich auch eher zeigen, was ich als Sänger kann.

hitparade.ch: Ihr hattet viel Erfolg bei euren Auftritten an den SXSW-Festivals in Texas letztes Jahr. Traurig, dass es dieses Jahr nicht klappt?
Sam: Unser Manager wird dort sein und Spass haben. Wir sind dann in Zürich - wie können wir da traurig sein?
Hayley: Dieses Jahr wollen wir uns eben mehr auf Europa fokussieren.

hitparade.ch: Ihr tourt nicht nur für Konzerte, sondern auch für Interviews von Stadt zu Stadt. Habt ihr es schon satt?
Hayley: Nicht, wenn die Journalisten so cool wie du sind.
Nik: Du sagst es.
Hayley: Aber es kann schon langweilig werden.
Sam: In Australien wird es schnell einmal monoton. Wenn ein Journalist seine Hausaufgaben gemacht und sich auf das Interview vorbereitet hat, dann kann es wirklich Spass machen. Aber wenn dann Fragen kommen wie: "Erzählt doch mal, wo ihr aufgewachsen seid!" - Zum Davonrennen! Furchtbar! Weisst du, was ich meine?
Heather: Die Europäer nehmen das irgendwie viel ernster und genauer. Da kommen ganz detaillierte Fragen. Aber natürlich sollten wir auch eine Handvoll langweiliger Fragen beantworten. Die Leute haben ein Recht darauf, auch auf 08/15-Fragen Antwort zu bekommen.

hitparade.ch: Auf eurem Album "Prisoner" ist eine Landschaft zu sehen. Australien?
Heather: Genau! Wo war es noch gleich?
Nik: Vier Stunden südlich von Sydney ungefähr.

hitparade.ch: Wie ist es eigentlich, in immer grösseren Locations zu spielen?
Sam: Wie es ist? Schwer ist es! Schliesslich müssen wir den Platz füllen. An einem kleinen Ort kannst du mit wenig Show viel erreichen. Noch fühlt es sich komisch an, sich auf den grossen Bühnen zu bewegen.
Nik: Man fühlt sich nicht so sicher.

hitparade.ch: Geht der Fan-Kontakt verloren?
Sam: Wir versuchen, den Kontakt aufrechtzuerhalten, aber je grösser die Location, desto schwieriger ist es.
Hayley: Die wirkliche Kunst ist es, Shows zu planen, die sowohl auf grossen als auch auf kleinen Bühnen gehen. Wenn du dich plötzlich an die grossen Locations gewohnt bist und die Show dementsprechend angepasst hast und dann in Europa wieder vor weniger Leuten spielst, ist das schon eine Herausforderung. Aber das klappt schon.

hitparade.ch: Der AMP ist mit 30'000 Dollar dotiert. Schon ausgegeben?
Hayley: Ich habe mir ein Paar Schuhe gekauft.
Heather: Ich habe einen Teil auf die Kreditkarte gebucht.
Sam: Ich habe meinen Eltern noch etwas geschuldet...
Hayley: Wir sind momentan nicht gross in Shopping-Laune.
Sam: Aber wir werden das Geld noch gut gebrauchen können. Wir haben momentan kein richtiges Zuhause.
Heather: Mein Keyboard lebt auch nicht mehr lange...
Interview durchgeführt: Kurt Kovac
Redaktion: Nicolas Kesper, Kurt Kovac


Linktipps:
Das Album "Prisoner" anhören und downloaden
Künstlerportal von The Jezabels

Australien Belgien Dänemark Deutschland Finnland Frankreich Italien Neuseeland Niederlande Norwegen Österreich Portugal Schweden Spanien Suisse Romande
english
LOGIN
PASSWORT
Passwort vergessen?