INTERVIEW MIT SEVEN



Seven - The Art Is King
1. The Art Is King
2. City Of Gold
3. Teacher
4. Walking With You
5. Oh Oh Oh Oh Yeah
6. JFK
7. Windows, Shadows, Roses & Cages
8. Lost
9. Informed
10. Colourblind
11. You Could Be
12. Father
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Heute erscheint das Album "The Art Is King" von Seven. Er erzählt uns im Interview alles über die Entstehung dieser besonderen Platte, was man von der neuen Tour erwarten kann und welche Musik er selbst am liebsten mag. Zudem wirft er anlässlich des 10-jährigen Seven-Jubiläums einen Blick zurück auf seine Anfänge.

hitparade.ch: Dein neues Album heisst "The Art Is King". Was möchtest Du mit diesem Albumtitel genau sagen?
Seven: Dieser Titel hat zwei Hintergründe. Zum Einen habe ich mich vor 2 Jahren in einem Text wiedergefunden. Ich habe damals einen Text geschrieben, den ich regelrecht aus dem Ärmel schütteln konnte. Zum Anderen nerve ich mich manchnmal ein wenig darüber, wie der Umgang mit dem Begriff "Kunst" gehandhabt wird. Irgendwie dürfen nur Leute, die Historisches Wissen oder einen gewissen kunstgeschichtlichen Hintergrund haben, überhaupt über Kunst sprechen und auf der anderen Seite heisst es, dass Kunst nur das ist, was absolut unpopulär ist. Aber alle anderen Menschen, also etwa 95% der Leute, zu denen ich mich ebenfalls zähle, dürfen Kunst nicht beurteilen. Dabei ist Kunst doch etwas total Subjektives. Es wird aber immer wieder objektiv behandelt. Kunst kann man aber nicht definieren. Jeder muss für sich selbst entscheiden, was für ihn Kunst ist. Kunst ist sehr emotional. Und es soll keine Rolle spielen, wer diese Kunst gemacht hat. Genau deswegen habe ich mich ja maskiert - denn es soll nicht darum gehen, dass das Album von Seven ist, sondern was das Album beinhaltet. In einer Kunstgalerie werden auch Bilder oft primär nach dem Künstler bewertet und nicht danach, wie es eigentlich aussieht.

hitparade.ch: Dein Album klingt ja ziemlich anders als die vorherigen Scheiben. Es finden sich viele neue Stilrichtungen und Elemente...
Seven: Ja, ich hatte dieses Mal im Gegensatz zu vorher kein Konzept, was das Musikalische angeht. Normalerweise wusste ich immer schon vorher, wie mein Album klingen und in welche Richtung es thematisch gehen soll. Diesmal habe ich alles einfach passieren lassen. Ich und mein Pianist haben völlig frei von der Leber weg Songs geschrieben und dann die zwölf Besten herausgepickt. Erst waren alle Songs nur Piano und Stimme. Danach habe ich die Songs selbst entscheiden lassen, wie sie klingen sollen. Durch diese Konzeptlosigkeit war ich dann selbst sehr überrascht, was Seven für Musik machen kann (lacht).

hitparade.ch: Gibt es denn auch Musikstilrichtungen, in denen Du Dich überhaupt nicht zuhause fühlst? Stile, die Du von Anfang an ausgeschlossen hättest?
Seven: Ich denke, die Art wie ich singe und phrasiere, die wird sowieso bleiben. Und dieser Stil lässt wahrscheinlich automatisch nicht alles zu. Ich habe zwar viele stimmliche Facetten, aber zu gewissen Stilen würde sie halt nicht passen. Was Musik angeht, da finde ich, dass es tollen Minimal und Elektro gibt, super Rockmusik... Bei Schlager hingegen habe ich eher Mühe. Ich verstehe Schlager zwar, aber ich kann damit nicht viel anfangen. Aber auch diese Art der Kunst respektiere ich. Am besten kommt es aber wirklich dann heraus, wenn man es einfach passieren lässt. Ich denke, dass man sich selbst in einen Käfig sperrt, wenn man sich von Anfang an nur auf einen gewissen Stil festlegt.

hitparade.ch: Ich habe gelesen, dass sich der Musiker Seven und der Mensch Seven auf diesem Album zu einer Person vereint haben...
Seven: Ich bin ein absoluter Wunschmensch. Früher habe ich mir ein Album gewünscht, das so oder so klingt, jetzt habe ich mir gewünscht, dass ich mich selbst damit überrasche. Ich setze mir das dann einfach in den Kopf und dann muss es sofort umgesetzt werden. Auf diesem Album habe ich mich von urbanen Musik-Verpflichtungen gelöst (lacht). Soul und R'n'B ist etwas, das ich selbst sehr gerne höre, aber ich habe gelernt, dass das, was man gerne mag, nicht zwingend das ist, was man selbst ist. Auf den letzten Alben habe ich zudem viele Dinge textlich verarbeitet. Seelenschmerz, Hoffnung oder auch einschneidende Ereignisse. Ich habe dann oft ganze Alben unter dieses Thema gestellt. Jetzt aber habe ich auch textlich alles Mögliche zugelassen. Daher ist dieses Album nicht nur in Sachen Musikstil, sondern auch textlich das facettenreichste. Daher glaube ich, dass ich in diesen Songs wirklich mich selbst bin. Ich denke, wenn meine Freunde diese Platte hören werden, werden sie sagen: "Endlich! Das bist wirklich Du!" Nicht nur ein Teil von mir, sondern das Ganze.

hitparade.ch: Ist das Dein Sohn, den man beim Song "Oh Oh Oh Yeah" hört?
Seven: Ja, das ist mein Kleiner (lacht). Als wir in New York das Demo gemacht haben, habe ich meine Familie mitgenommen. Der Kleine ist dann immer in diesem Zimmer umhergerannt und hat gespielt. Und dieses Lied war von Anfang an sein Lieblingssong! Er hat es eingezählt und mitgesungen, das war so süss. Auch wenn wir im Auto sind, dann sagt er immer: "Papi, Oh Oh lose!" (lacht). Ich konnte dann nicht widerstehen, ihn einzubauen in den Song. Das ist für mich ja auch ein schönes Zeitdokument. Musikmachen ist ja auch eine Art Tagebuch zu führen.

hitparade.ch: Du hast 14 Monate daran gearbeitet, daher ist es für Dich das wohl wichtigste Album bisher. Bist Du auch besonders nervös vor dem Release? Was erwartest Du für Reaktionen von den Fans?
Seven: Klar ist es die wichtigste CD bisher, aber das habe ich bis jetzt bei jedem Album-Release gesagt (lacht). Ist ja klar, das Aktuelle ist immer das Wichtigste für den Moment. Den grössten Druck mache ich mir allerdings selber. Ich bin die schlimmste Prüfstelle. Es ist immer ein riesiger Kampf, bis ich dann mal sagen kann, dass ich fertig bin. Katastrophal shizophren (lacht). Sobald ich an diesem Punkt bin, dann ist man eigentlich gewappnet für die Kritiken, da nicht mehr wirklich Nährboden dafür vorhanden ist. Klar findet man es schade, wenn den Leuten etwas nicht gefällt, wofür man viel Herzblut investiert hat. Aber wenn ich 100% dahinterstehen kann, dann bin ich damit absolut zufrieden. Solange ich mich selbst bleibe und mich nicht verbiege, kann mir eigentlich nichts passieren. Wenn man anfängt, sich für Dinge zu entschuldigen, sollte man es besser bleiben lassen.

hitparade.ch: Du hast vorhin die Themenvielfalt auf diesem Album angesprochen... Worum geht es denn in den Texten?
Seven: Es ist wirklich viel facettenreicher als die anderen Alben. Ich konnte auch den Schalk und das Augenzwinkern in ernsthafte Musik verpacken und habe es geschafft, fröhliche Songs zu machen, ohne, dass sie kitschig wirken. Das ist mit Abstand das Schwierigste! Depressive Musik zu machen ist viel leichter. Aber hoffnungsvolle Musik mit Tiefgang zu machen, halte ich für sehr schwierig. Und ich bin glücklich, dass mir das bei diesem Album zu gut gelungen ist. Textlich kommt alles vor, was mich in den letzten 2.5 Jahren irgendwie beschäftigt hat. Das Vaterwerden ist darauf, der Heiratsantrag auch! Aber auch der Verlust eines guten Freundes verarbeite ich darauf. Diesen Verlust trage ich seit 15 Jahren mit mir herum, hatte es aber noch nie geschafft, dies in Musik zu packen. Es ging mir einfach immer zu nahe. Nun habe ich das mit dem Song "City Of Gold" geschafft. Mit Musik kann man Erinnerungen archivieren. Das ist ein Verarbeitungsprozess. Ich habe aber auch zum ersten Mal sozialkritische und politische Themen dabei. Der Song "Oh Oh Oh Yeah" ist textlich beispielsweise sehr sozialkritisch. Jeder Song, der auf dem Album ist, hatte zuerst einen Text, bevor die Musik dazugekommen ist.

hitparade.ch: Bei der Produktion hattest Du auch das Prager Symphonieorchester mit dabei. Wie war es, mit einem so grossen Haufen von Musikern zusammenzuarbeiten?
Seven: Naja, das war nichts im Vergleich zum Auftritt im KKL Luzern, als wir gemeinsam mit dem 21. Century Orchestra aufgetreten sind. Das waren 77 Personen. Es ist immer eine grosse Herausforderung, mit vielen Menschen zusammenzuarbeiten. Aber dieses Prager Symphonieorchester war toll, denn das sind alles Vollprofis. Da kommst Du herein, verteilst Noten, arbeitest gemeinsam an den Details und schon kann's losgehen. Die ganze Vorarbeit und das Arrangieren war eigentlich viel aufwändiger als die Aufnahme selber.

hitparade.ch: Im Oktober startet die "Art Is The King"-Tour. Wie werden die Live-Konzerte aussehen?
Seven: Dieses Album ist live eine grosse Herausforderung. Es wird alles live sein, da wird kein Band mitlaufen. Ich habe meine Band noch ein wenig aufgestockt: Wir haben jetzt 3 Background-Sänger und auch ein Bläser ist neu dabei. Das heisst, dass wir inzwischen 10 Personen auf der Bühne sind. Dies passt ja zum 10-jährigen Jubiläum (lacht). Wir werden auf dieser Tour auf jeden Fall dem Album gerecht, denn wir spielen fast jeden Song daraus! Wir werden aber auch die letzten 10 Jahre nochmals in neuen Versionen durchleben. Auch ganz alte Songs, welche ich jahrelang nicht mehr gespielt habe, werden wieder ihren Platz finden. Auf diese Art feiern wir das Jubiläum. Und wir bedanken uns so bei den Menschen, die uns das ermöglicht haben. Wir spielen 34 Songs auf dieser Tour. Also, nehmt die Tanzschuhe mit (lacht)!

hitparade.ch: Seit 10 Jahren bist Du erfolgreich als Musiker tätig. Kannst Du uns mal erklären, wie Deine Karriere eigentlich begonnen hat? Wann kam dieser grosse Sprung, dass Du auf einmal Vorband von Destiny's Child warst?
Seven: Ich glaube, die Erklärung dafür ist, dass es nie einen eigentlichen "Sprung" gegeben hat. Es waren kleine Schrittchen. Angefangen hat die Karriere, als ich mit einem befreundeten DJ im Keller gemeinsam Musik zusammengeschustert habe. Als Live-Musiker hatte ich zwar schon viel Erfahrung, aber dort machte ich meine ersten Produktionserfahrungen. Kollegen von mir haben selbst Hip Hop gemacht und haben ihre Platten dann von Musikladen zu Musikladen gebracht, auf Kommission. Also habe ich unsere ersten 14 Songs dann auch auf eine CD gepresst, habe ein Cover gestaltet aus Fotos, die meine Schwägerin in einer Turnhalle von uns gemacht hat, und habe diese Scheibe dann auch zum Verkauf angeboten. Auf einmal kam eine Anfrage von VIVA, ob wir nicht ein Video hätten. Also bastelten wir ein Musikvideo! Radiostationen fingen dann an, unsere Songs zu spielen und es hiess, dies sei der erste R'n'B aus der Schweiz. Dann fingen die ersten Live-Konzerte mit dem DJ an. Wir spielten in verschiedenen Clubs. Dann kamen Destiny's Child nach Zürich und deren Vorgruppe fiel aus. Da bekam ich einen Anruf aus dem Hallenstadion, ob ich am Abend einspringen könnte. Ich weiss nur noch, dass ich gesagt habe, ich müsse nachsehen, ob ich Zeit hätte (lacht). Ein Jahr später machten wir dann bereits die zweite Scheibe. Immer wieder hat mich Neues gereizt und dieser Antrieb hat sehr geholfen. So bin ich langsam und organisch zu dem geworden, der ich heute bin.

hitparade.ch: Mit welchen Musikern im Ohr bist Du aufgewachsen?
Seven: Mein Bruder ist 6 Jahre älter, daher bin ich schon sehr früh in eine Band gerutscht. Ich habe meinem Bruder sehr nachgeeifert. Aufgewachsen bin ich mit Musikern wie Prince, Stevie Wonder oder Michael Jackson. Dies ist sicher auch der Grund, warum ich auf dieser Schiene gefahren bin. Diese Art des Gesangs und diese Musik hat mich einfach angezogen. Die Musik drumherum ist zwar variabel, aber im Kern bin ich daher sicher ein Soulmusiker. Ich habe nie eine Coverband gehabt. Mein Bruder hat mir, als ich angefangen habe, Musik zu machen, einfach ein Mikrofon in die Hand gedrückt und die Jungs haben ihre eigenen Songs gespielt, ich musste dazu gesanglich improvisieren. Dies hat dazu geführt, dass ich gelernt habe, direkt von der Leber weg zu singen. Ich habe nie andere Musiker imitiert.

hitparade.ch: Du hast auch lange Geige gespielt. Kannst Du das noch?
Nein, ich spiele nicht mehr. Ich habe 7 Jahre lang Geige gespielt, mich aber dann beim Skaten an der Hand verletzt und musste aufhören. Das Geigespielen ist aber eine super Gehörschule. Du hast keine Bünde wie bei der Gitarre, Du spielst rein über's Gehör. Ich habe sehr gerne gespielt und war traurig, als ich aufhören musste, aber es ist jetzt nicht so, dass ich die ganze Zeit deprimiert wäre deswegen. Da ich von diesem Instrument herkomme, ist es für mich immer besonders schön, wenn ich mit Orchestern zusammenarbeiten kann. Diese Streicher-Arrangements zu schreiben, macht mir grossen Spass und ich bin mit viel Herzblut dabei. Es gibt nichts Schöneres! Es hat etwas Episches.

hitparade.ch: Das schreit danach, dass Du Filmmusik komponieren müsstest...
Seven: Filmmusik ist grossartig. Es gibt auf dem neuen Album tatsächlich einige Songs, die sich wahrscheinlich gut zu Filmmusik umarrangieren liessen. Ich liebe Filmmusik, ich bin auch kitschig und theatralisch (lacht).

hitparade.ch: Du bist nicht so oft in der Öffentlichkeit zu sehen, Du kannst Dein Privatleben gut für Dich behalten...
Seven: Ich möchte in der Öffentlichkeit einfach lieber über mich als Musiker Seven sprechen als über die Privatperson Jan. Sicher rede ich mal über meinen Sohn, aber ich würde mein Kind nie in die Kamera halten. Ich setze die Karriere einfach nicht über mein Privatleben. Das Privatleben kommt ganz klar an erster Stelle. Ansonsten hätte die Karriere immer Einfluss auf's Privatleben, und das will ich nicht. Ich bekomme oft Einladungen zu Anlässen. Diejenigen Anlässe, die mich interessieren, besuche ich gerne. Dann nehme ich auch meine Frau mit und wir machen uns einen schönen Abend. Dann sind wir auch bereit für die Medien. Mit dieser Ehrlichkeit fahre ich sehr gut und es wird eigentlich immer respektiert. Nur schon, weil ich das von Anfang an so gemacht habe. Ich bin sehr froh und dankbar, dass das so akzeptiert wird.

hitparade.ch: Ich nehme an, dass Du angefragt worden bist für die Jury bei "The Voice Of Switzerland"?
Seven: Kein Kommentar (lacht). Ich bin halt kein grosser Freund von Casting-Shows. Der Auftrag Talentförderung steht halt im Vordergrund. Es geht ja in erster Linie darum, die Leute damit zu unterhalten. Nachhaltige Talentförderung ist es aber wahrscheinlich nicht. Dann würde ich lieber irgendwo in der Stadt ein grosses Haus hinstellen, 20 Bandräume einbauen und jungen Bands und Musikern Proberäume zur Verfügung stellen. Das hat mehr mit nachhaltiger Talentförderung zu tun. Das Andere ist Fernsehen machen.

hitparade.ch: Was ist momentan Deine Nummer 1 auf dem iPod?
Seven: Die neue CD von John Mayer. Die höre ich rauf und runter. Er ist für mich einer der grössten musikalischen Helden der Neuzeit. Der hat musikalisch echt etwas drauf. Eines seiner früheren Alben "Gravity" ist für mich die grösste Pop-Platte aller Zeiten.
Interview durchgeführt: Bettina Siegwart
Redaktion: Bettina Siegwart


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