INTERVIEW MIT MARIUS & DIE JAGDKAPELLE



Marius & die Jagdkapelle - Radio Waldrand
1. En verregnete Sunntig
2. Radio Waldrand
3. Nochrichte & Wetter
4. Jo, denn
5. Werbig
6. Juhee, es regnet
7. Verchersmeldig
8. Seichhörnli
9. Tierrätsel
10. Sackmesser-Lied
11. Hörerwunsch
12. Mädli
13. Gheimrezept us de Jägerchuchi
14. Helmuet
15. Werbig
16. Dachs Adolbert
17. Tierrätsel
18. Jäger-Tschäss
19. Nochrichte & Wetter
20. Elei Stei
21. Verchersmeldig
22. Schös Lied
23. Interview
24. Radio Waldrand
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Die beliebte Kinderband "Marius & die Jagdkapelle" hat eine neue CD im Gepäck. Sie heisst "Radio Waldrand" und ist eine interaktive Radiosendung mit Musik und verschiedenen, typischen Radio-Szenen. Schweizweit lieben Kinder die freche und witzige Musik der "Jäger" und man freut sich sicherlich schon auf die neuen Stücke. Wir haben Marius, den Kopf der Band, zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Unser letztes Interview ist drei Jahre her, damals ist "Wildsaujagd" erschienen. Was ist seither bei Dir gelaufen?
Marius: Da ist sehr viel gelaufen. Ich habe viel gespielt und verschiedene Projekte durchgezogen. Gerade kürzlich beispielsweise mit Linard Bardill, den kennt man ja auch aus der Kindermusik-Szene. Auch privat ist viel gelaufen bei mir. Ich habe Kinder bekommen! Und wir sind sehr mit "Radio Waldrand" beschäftigt gewesen.

hitparade.ch: Du hast mit Kindern schon viel gemacht, bist ausgebildeter Kindergärtner und nun Waldpädagoge…
Marius: Ja, das ist so! Ich habe vorhin vergessen zu erwähnen, dass ich mich auch da immer mit Kursen weitergebildet habe! Ich habe den ersten Waldkindergarten der Schweiz gegründet. Inzwischen ist das nichts Besonderes mehr, aber vor 14 Jahren war das eine sehr spezielle Sache. Das gab damals einen richtigen Medienauflauf. Der "Blick" titulierte die Story damals mit "Bei diesem Wetter würde man nicht mal mit den Hunden raus". Aber wie gesagt, inzwischen ist das nichts Aussergewöhnliches mehr. Ich selbst arbeite inzwischen nicht mehr mit den Kindern, aber gebe Kurse und Weiterbildungen für die Leute, die das gerne machen möchten.

hitparade.ch: Nun hast Du selbst Kinder bekommen. Hat sich Deine Sicht auf die Dinge verändert dadurch? Oder war es für Dich keine grosse Umstellung, da Du schon immer mit Kindern zu tun hattest?
Marius: Es ist schon so, ich habe diese Sicht der Dinge über 15 Jahre lang als Kindergärtner bereits mitbekommen. Aber das war eher der organisatorische Teil. Heute bin ich auch fast zu spät zum Interview gekommen, weil ich mein Kind noch mit dem Auto irgendwo hinbringen musste (lacht). Wenn man eine Familie hat, ist halt dieser Rock'n'Roll-Teil etwas kleiner.

hitparade.ch: Dein neues Album heisst "Radio Waldrand". Was kann man sich darunter vorstellen?
Marius: Wir sind sechs Jäger, die aber nicht jagen, weil uns der Oberjägermeister hinausgeworfen hat. Uns war an einem Sonntag also langweilig und dann hatte "Ratzfatz" (Roman Riklin) die Idee, dass wir Radio spielen könnten. Und so haben die Jäger in der Jägerhütte damit angefangen. Man hat selbst Jingles gemacht, Nachrichten gelesen, das Wetter angekündigt, Rätsel veranstaltet und natürlich die Musik gespielt. Die Musik, die im Radio lief, waren dann unsere Lieder. Und wir geben uns ja wirklich als Jäger aus. Unser Bassist hat alles aufgezeichnet und dies wurde dann zur neuen CD.

hitparade.ch: In welchem Zeitraum habt Ihr denn diese Songs aufgenommen? Wahrscheinlich nicht nur an diesem einen Sonntag?
Marius: Nein, aber wir sind immer sehr schnell. Wir haben die ganzen Songs innerhalb von fünf Tagen aufgenommen. Geschrieben haben wir die Songs aber innerhalb eines Jahres. Roman Riklin hat das Konzept "Radio Waldrand" und die Szenen erarbeitet. Es gibt ja beim neuen Album nicht mehr nur Musik, sondern auch die einzelnen Szenen wie "Wetter" oder "Nachrichten" dazwischen. Die Songs habe ich geschrieben. Bei den Jägern läuft alles immer sehr kurzfristig. Das ist es, was mir an den Jägern gefällt: Man will nicht perfekt sein, sondern möglichst authentisch und "live" klingen. Bloss keine überproduzierte CD.

hitparade.ch: Wie einfach oder schwierig ist es, wenn man einen neuen Song schreibt, abzuschätzen, ob der bei Kindern gut ankommt oder nicht?
Marius: Die Erfahrung macht das irgendwie aus. An Konzerten spürt man, welche Songs am Besten ankommen. Wenn man sich die Charts anschaut, dann sind auch immer die Songs top mit den einfachsten Melodien und einfachen Botschaften, die man sofort versteht. Bei Kindern achtet man zudem darauf, dass es lustig ist. Das gefällt ihnen dann immer besonders gut.

hitparade.ch: Seid Ihr auch schon überrascht worden, weil Ihr dachtet, ein Song wird sicher super ankommen, und er funktionierte nicht? Oder im Gegenteil?
Marius: Nicht direkt. Aber auf dem neuen Album haben wir einen Song, der heisst "Schöns Lied". Es geht darum, dass dieses Lied nicht so schön ist, aber gerne schön wäre. Und es ist extrem simpel mit nur einem Ton. Und lustigerweise ist dieser kleine Song zu unserem geheimen Hit geworden. Wir glauben inzwischen, dass der Song sehr gut ankommen wird. Ansonsten ist es meist sehr absehbar.

hitparade.ch: Dies ist bereits die vierte Lieder-CD, die Ihr macht. Ihr hattet ja auch schon ein Hörspiel oder ein Bilderbuch mit CD, von Dir gab's auch einmal eine Solo-CD… Was macht am meisten Spass?
Marius: Mir persönlich macht das Live-Spielen mit der Jagdkapelle am meisten Spass. Wenn ich alleine auftrete, dann ist das eher wie arbeiten. Wenn ich mit der Jagdkapelle spiele, ist das einfach Spass mit den besten Freunden. Man kann mit ihnen Blödsinn auf der Bühne machen, und doch sind das alles absolut tolle Musiker. Und dann verdient man noch Geld. Was will man mehr (lacht)? Ich habe ja ein bisschen den Stempel "Kindermusiker", aber ich lebe ja nicht nur von der Jagdkapelle, sondern auch von anderen Musikproduktionen. Aber man bringt mich immer nur mit den Kindern in Zusammenhang. Ich würde gerne noch etwas mehr Musik für mich selbst und andere Erwachsene machen.

hitparade.ch: In der Schweiz kennt man Dich sehr gut und viele Leute sind begeistert. Hast Du Dir auch schon überlegt, ins Ausland zu gehen?
Marius: Was das angeht, haben wir eine Art Vorbild: "Stärneföifi" haben das gemacht. Was ich von ihnen gehört habe, war, dass es eher eine harzige Angelegenheit war. Es wäre ein grosser Aufwand, ins Ausland zu gehen. Wenn die Situation anders wäre, würde ich das vielleicht in Betracht ziehen, aber ich sehe den Grund nicht ganz. Es läuft hier gut, wir können viel spielen und verkaufen viele CDs. Meine persönliche Herausforderung suche ich woanders als im Ausland. Ich glaube zudem nicht, dass es im Ausland so gut funktionieren würde wie hier. Vielleicht in Österreich. Die mögen ja dieses Jäger-Zeug (lacht). Naja, und alle diese Songs übersetzen… Hmm (lacht).

hitparade.ch: Du hast erwähnt, dass Ihr viele CDs verkauft. In der Musikbranche ist man ja, was das angeht, ziemlich in der Krise. Merkt man das auch als Kinderrockband?
Marius: Ja, man merkt es. Aber wir haben schon einen kleinen Vorteil. Wenn der Götti seinem Göttibub unsere Musik zu Weihnachten schenken will, dann kauft er die CD und lädt nicht die Songs herunter. Wir sind jetzt gespannt, wie das bei der neuen CD sein wird. Aber wir merken es schon. Manchmal unterschreiben wir nach den Konzerten noch CDs für die Kinder und dann gibt es schon Leute, die kommen und sagen: "Die CD hab ich nicht, ich habe sie mir von der Nachbarin gebrannt". Das ist dann schon nicht so schön und ich mache die Leute dann auch darauf aufmerksam, dass wir davon leben. Und dann merken die dann auch, dass das nicht so toll ist. Sie geben mir dann manchmal die gebrannten CDs zum unterschreiben. Das mache ich dann aber nicht (lacht). Daran merkt man, dass sich die Leute gar nicht so richtig überlegen, was das für uns bedeutet. Ich finde es sehr Rock'n'Roll, wenn man dafür bezahlt, wenn man etwas gut findet. Diese Diskussion wird ja überall geführt.

hitparade.ch: Ihr seid letztes Mal sensationell auf Platz 22 in die Charts eingestiegen. Wo liegen Eure Erwartungen für die neue CD?
Marius: Um in die Hitparade zu kommen, muss man ja entweder enorm viele CDs verkaufen oder man muss einen Plan haben. Diesmal haben wir uns gesagt, dass wir gerne Geld durch die CD-Verkäufe verdienen möchten. Das ist uns wichtiger, als eine Charts-Platzierung. Man muss das ja irgendwie lenken. Wir verkaufen CDs durch unsere Homepage oder auf cede.ch und über die Läden. Was auf cede.ch und in den Läden verkauft wird, wird gezählt, was wir selbst verkaufen, nicht. Wir schauen einfach, was passiert. Wir werden wohl aber am meisten CDs über die Homepage und nach den Konzerten verkaufen.

hitparade.ch: Wie sieht das in Prozentzahlen aus?
Marius: Das Letzte, das ich gehört habe, war, dass es etwa 50/50 sei. Aber über die Läden ist es immer schwieriger. Nur schon, weil es immer weniger CD-Läden gibt.

hitparade.ch: Bei Eurer letzten CD "Wildsaujagd" war ein Spiel mit dabei. Ist bei der neuen CD auch so etwas dabei?
Marius: Ja, wir spielen Radio (lacht). Nein, das Spezielle daran ist halt wirklich, dass es eine Mischung zwischen Hörspiel und Musik-CD ist. Das ist auch eine der lustigen Seiten an uns: Dass man nicht nur die Lieder mag, sondern auch diesen ganzen Jäger-Kosmos, den es ja wirklich gibt. Daher haben wir uns für diese Mischung entschieden. So spielen wirklich auch diese beliebten Jäger-Figuren eine Rolle. Wer weiss, vielleicht wird die nächste CD eine Jäger-Oper (lacht). Gerne würde ich einmal einen Film machen, aber dafür fehlt uns das Budget (lacht).

hitparade.ch: Wirst Du auf der Strasse eigentlich erkannt von den Kindern?
Marius: Meist sind es die Eltern, die mich erkennen. Dann rufen sie "Schau, da ist der Marius!" Die Kinder sind dann eher irritiert, weil sie mich nicht in Privatkleidern kennen, sondern nur als Jäger. Deswegen lege ich auch nicht grossen Wert darauf, auf der Strasse erkannt zu werden. Wir möchten ja, dass die Kinder wirklich daran glauben, dass wir Jäger sind und in dieser Jägerhütte wohnen. Es gibt wirklich viele Kinder, die das glauben! Wenn die Kinder mich dann privat sehen, geht etwas kaputt. Ich bin doch der mit dem Hut und den grünen Kleidern! Sicher nicht der, mit den Jeans! Aber ja, es kommt schon vor.

hitparade.ch: Viele Kinder, die Euch früher viel gehört haben, sind ja inzwischen fast erwachsen. Gibt es manchmal Feedbacks von Leuten, die Euch noch aus ihrer Kindheit kennen?
Marius: Linard Bardill ist es auch schon passiert. Der hat neulich erzählt, dass Leute ihm erzählen, dass ihre eigenen Kinder inzwischen die Musik hören, die sie selbst früher von ihm gehört hätten. So alt sind wir zum Glück noch nicht. Aber es kommen manchmal Sek-Schüler, die Kommentare abgeben. Dann schmunzeln wir schon und denken: "Mann, so alt sind wir schon (lacht)?" Die Feedbacks sind aber eigentlich immer gut. Ich halte ab und zu Vorträge an Sek-Schulen. Da sitzen immer Einige in den Reihen, die uns kennen. Das finde ich sehr cool!

hitparade.ch: Ihr geht ja wieder auf Tour. Zwischendurch gibt es da auch "Marius-Solokonzerte." Was sind das für Konzerte?
Marius: Wir gehen nicht so richtig auf Tour. Wir haben zwar eine neue CD, aber wir spielen deswegen nicht mehr Konzerte als letztes Jahr. Wir spielen einfach immer regelmässig Konzerte. Die Konzerte mit der Jagdkapelle ist eine Show, ein richtiges Programm mit einem roten Faden und einem Thema. Marius solo ist da etwas anders. Ich trete zwar auch als Jäger auf, aber spiele quasi eine Best-Of der Jagdkapellen-Lieder. Da trete ich nur mit Gitarre und einem Kick auf. Es hat Vor- und Nachteile. Es ist beispielsweise viel strenger, da der Fokus die ganze Zeit über nur auf mir liegt, und man muss halt alles alleine machen: Alleine hinfahren, alleine aufstellen… Der Vorteil ist aber, dass ich auf der Bühne viel flexibler sein kann. Ich muss mich nicht auf die Band konzentrieren, sondern kann spontan entscheiden, ob ich einen Song anders spielen möchte als sonst. Darauf gekommen sind wir, weil wir sehr viele Konzertanfragen bekommen, aber bei uns nicht alle Bandmitglieder vollberufliche Musiker sind. Da ich aber nur davon lebe, nehme ich solche Angebote gerne an. Daher kommt es vor, dass ich manchmal alleine hingehe, oder auch mal als Duett mit Ratzfatz.

hitparade.ch: Wenn das Thema bei den jetzigen Konzerten "Radio Waldrand" ist, kommen also keine alten Hits vor?
Marius: Doch doch, die bauen wir schon ein. Wir sind ja nicht U2! Wir könnten theoretisch mit dem ersten Programm nochmals auftreten und die Kinder würden das lässig finden. Bei den Kindern ist das sogar verstärkt so: Sie finden das am tollsten, das sie am Besten kennen. Kinder wollen ja nicht konsumieren, sondern mitmachen. Die kennen auch diese Regeln nicht mit Klatschen und Zugaben (lacht). Das ist auch gut so! Deswegen ist es aber immer schwierig, mit einem neuen Programm zu kommen. Daher ist die Hälfte der Songs auch eine Art Best Of. Je mehr CDs man hat, umso schwieriger wird es, zu entscheiden, wie man das Programm am besten zusammenstellt. Den Song "Specht" spielen wir beispielsweise seit 2005 an jedem Konzert. Ich weiss nicht, wie viele 100 Male ich den schon gespielt habe. Der kommt einfach immer so gut an.

hitparade.ch: Wie sehen die weiteren Pläne aus?
Marius: Wir machen immer viele Zwischenprojekte, wie beispielsweise das Hörspiel und das Bilderbuch. Ich denke, es wird auch wieder Zwischenprojekte geben, bevor dann die neue CD geplant wird. Wir lassen es einfach auf uns zukommen und schauen, was passiert. Ich bin gespannt, wie die Kinder auf das neue Programm reagieren! Ich glaube, es ist eine lässige CD. Es wird auch spannend zu sehen sein, wie sie auf das Thema "Radio" reagieren. Nur schon, wenn es darum geht, einen Sender zu suchen. Die Kinder kennen das doch gar nicht mehr, die drücken nur noch einen Knopf (lacht). Allgemein hört man heute ja auch nicht mehr so Radio wie wir früher, da es so viele verschiedene Medien gibt. Mal sehen, wie das ankommt, wir sind gespannt und freuen uns sehr.
Interview durchgeführt: Steffen Hung
Redaktion: Bettina Siegwart, Steffen Hung


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