INTERVIEW MIT JOHANN KÖNIG

Der König der verklemmten Skurilität beglückte vergangene Woche erstmals das
Schweizer Publikum. Mit seinem neuen Programm "Johann König eskaliert"
entzückte er hunderte Menschen in Basel, Zürich, Bern und St. Gallen.


Johann König wurde am 21.06.1972 in Soest als René Otzenköttel (soll mans glauben?) geboren. Schon früh konnte er sich für lustige Sprüche begeistern, und so schrieb er im zarten Alter von 5 Jahren Gedichte wie zum Beispiel dieses: " Meinem Leben wenig Sinn, gibt die Kindergärtnerin"

Im Jahre 1997 rezitierte René dann erstmals eines seiner Gedichte beim "open microphone" in Köln. Das Gelächter verannlasste ihn, von nun an seine gesitigen Ergüsse öfters auf die unschuldige Menschheit loszulassen.

"A Star was born!" René nennt sich aus Scham ab sofort Johann König.

Es folgten weitere Kurzauftritte bei Literaturfestivals, Poetry-Slams, Comedy- und Kabarettveranstaltungen. Er gewinnt 2001 den Deutschen Comedy Preis und den Bayerischen Kabarettpreis 2002.

Heute ist Johann König aus der Deutschen Comedy-Szene nicht mehr weg zu denken. Zu Recht, wie wir finden!

Vergangenen Freitag in St. Gallen beschehrte uns "die Dampfwalze des Deutschen Humors" einen unvergesslichen Abend. Wir haben alle herzlichst gelacht, vor Eskalation geweint und teilweise aus Scham weggesehen (Ich zumindest...).

Danke Johann!


Das Interview
Flash benötigt für die Hörprobe.

hitparade.ch: Du hast mit deinem Auftritt heute Abend deine erste Schweizer-Tour hinter dir.
Was kannst du über den Schweizer Humor sagen?
Johann König: Der ist gut und gar nicht so weit weg vom Deutschen Humor. Ich hab ja gedacht, dass es hier vielleicht ein bisschen anders ist, aber die lachen genauso. Die sind sehr wach, sehr aufmerksam. Ich bin ja nicht der allerschnellste auf der Bühne und das kommt denen, glaube ich, auch entgegen, den Schweizern. Das ist prima! Ich war ja skeptisch. Bin jetzt aber positiv überrascht und auch die Veranstalter sind zufrieden. Ich
werde wiederkommen, im Herbst im nächsten Jahr.

hitparade.ch: Hast du dein Programm für die Auftritte in der Schweiz geändert oder angepasst?
Johann König: Ja, ein bisschen. Ein paar Sachen, die man hier nicht kennt wusst ich schon. Zum Beispiel das Wort "Brötchen" sagt man hier nicht.

hitparade.ch: *augenbrauehochzieh* Earm, natürlich sagen wir das Schweizerdeutsche Wort "Brötli", aber das Wort Brötchen verstehen wir schon...
Johann König: Ja?! Also, ich hab da schonmal ein Witz gemacht, als ich hier war. Das hat aber keiner verstanden. Dabei gings um ne "Milchbrötchenrechnung". Da hat aber keiner reagiert. Ich dachte mir, dass muss an den Brötchen liegen.

hitparade.ch: *in Gedanken* (Vielleicht fandens die Leute auch einfach nicht lustig...)
Johann König: Jetzt sag ich einfach "Croissons" wenn ich Brötchen kaufen gehe. So ist das denn auch klar.Aber sonst gibts natürlich sachen wie zum Beispiel... Ich rede ja übers Deutsche Fernsehen und über "Domian" der im WDR läuft. So ein Nacht-Talker. Das kennt man hier halt nicht so. Ich hab dann auch gefragt, obs da ein Schweizer Pendant gibt, aber das gibt es ja nicht. Was ich aber auch mache ist, dass ich mir die Städte anschaue und mir dann überlege, was ich damit machen kann. Ich bin in Bern rumgelaufen und hab dann auch eine Viertelstunde darüber berichtet, wie ich in Bern rumgelaufen bin und den Leuten in die Hacken getreten bin. Gerade an dem Tag als ich da
war stand in der Berner Zeitung, dass die Berner die langsamsten Fussgänger der Welt sind.
So wusste ich dann auch, wieso ich den Leuten in die Hacken getreten bin.
So versuche ich natürlich immer etwas rauszukriegen, über die Stadt in der
ich gerade bin. Hier in St. Gallen hab ich gehört, dass die Olma Bratwürste so bekannt sind
und dass man sie nicht mit Senf essen darf. Das werde ich heute Abend bestimmt einbauen.

hitparade.ch: Schreibst du deine Programme eigentlich selbst oder holst du dir dabei Hilfe?
Johann König: Ich schreibe alles selber. Das ist jetzt mein drittes Programm und bisher ist
mir immer was eigefallen. Vielleicht wird das irgendwann auch mal anders. Ich habe keinen
Autor, keinen Regisseur auch keinen Coach....

hitparade.ch: Keinen Regisseur?
Johann König: Nein, keinen Regisseur. Ich bin der Regisseur. Ich nehm das auf Video auf
und schau mir das dann an, beim Frühstück. Das wird dann auch wieder geändert. So
entsteht das Programm... Ich nehme mich selbst auf und schau mir das morgens an.
Bisher geht das noch so, aber vielleicht ist das dann irgendwann mal nötig. Das Publikum ist
auch Regie! Wenn die nicht lachen, wird dass dann eben geändert.

hitparade.ch: Hast du eigentlich wirklich einen Bruder namens "Horst-Kevin" ?
Johann König: Na klar! Es sieht mir auch wirklich ähnlich, obwohl wir keine eineiige Zwillinge
sind. Er wohnt in Soest, wo ich ja auch herkomme. Er wird auch oft angesprochen, ob er nicht
Johann König sei. Er hat auch so Augenbrauen. Er mag das aber nicht. Er macht was ganz
anderes und findet das nicht so lustig, aber was soll ich machen ?!

hitparade.ch: Am Anfang deiner Karriere war die Figur Johann König eher verklemmt und
zurückhaltend. Heute tanzt und singt er und eskaliert ab und zu. Wohin führt uns das?
Johann König: Das ist eine gute Frage! Das wüsst ich auch gerne... Was kann da jetzt noch
kommen? Frage ich mich auch... Ich hab mich aus der Depression befreit, duch die
Eskalation. Ich bin sehr gespannt auf das nächste Programm. Ich weiss schon die
Begrüssung, mehr nicht.

hitparade.ch: Kannst du mir diese schon verraten?
Johann König: Die Begrüssung ist: "Na, ihr Penner!"
Das hab ich einmal gesagt als erstes und das war sehr lustig... Ich gugg dann auf meinen
Zettel und sage: "Ach ne, einen schönen guten Abend! Ich habe mich verlesen"
Ja, das wird die Begrüssung fürs nächste Programm.

hitparade.ch: Gibt es auch Musik, welche den Johann zum eskalieren bringt?
Johann König: Ja, das ist Techno-Musik. Techno kann ich eigentlich nicht leiden. Ich war
mal alleine im Theater und habe geprobt mit der Kamera.. Ich hatte sone CD dabei mit ganz
vielen Geräuschen. Ne Geräusche-CD... Da war auch so ein ganz aggressiver Techno drauf.
Das hat mich dann auch aggressiv gemacht. Es hat sich was aufgestaut und irgendwann habe
ich mich dann auch dazu bewegt. Ganz aggressiv dazu bewegt um die aggressive Musik zu
kompensieren und so enstand dann auch dieser Eskalations-Tanz daraus. Das ist Musik, die
ich nicht mag und darum muss ich die mir jeden Abend anhören.
Aber eigentlich höre ich ja ganz andere Musik. So normale, Deutsche, ruhige Musik.

hitparade.ch: Was wäre wenn die Leute dich eines Tages nicht mehr lustig finden?
Johann König: Tja, dann... keine Ahnung...
Ich bin Krankenpfleger. Veilleicht geh ich dann wieder ins Krankenhaus. Ich bin ja
ausgebildeter Kinderkrankerpfleger. Jedenfalls könnte ich ja wieder zurück ins Krankenhaus
gehen, theoretisch. Werde ich aber bestimmt nicht machen...
Ich wusste ja am Anfang nicht wieso die Leute überhaupt lachen. Wenn sie irgendwann nicht
mehr lachen, macht es auch keinen Sinn mehr. Ich würde auch weiterhin auftreten, wenn
nurnoch 100 Leute kommen. Das reicht immernoch. Natürlich müsste man sich dann
Gedanken machen. Das kann immer passieren. Das ist ja das grosse Risiko in dem Beruf.
Aber ist ist ja auch Quatsch, das nicht zu machen, aus Angst, dass das irgendwann vorbei
sein kann. Sonst würde man ja auch nicht viel machen im Leben, ne?



Linktipps:
Offizielle Seite

Australien Belgien Dänemark Deutschland Finnland Frankreich Italien Neuseeland Niederlande Norwegen Österreich Portugal Schweden Spanien Suisse Romande
english
LOGIN
PASSWORT
Passwort vergessen?