Eines der besten Genesis-Alben der Trio-Zeit. Mama, Silver Rainbow, Home By The Sea/Second Home und Illegal Alien sind meine Favoriten. Zuletzt editiert: 13.05.2008 21:01
Hier trifft jeder Song ins Schwarze. Fängt gleich bombastisch an mit "Mama" und endet besinnlich mit "It's Gonna Get Better". Dennoch: Nicht ganz so erstklassig wie die beiden Nachfolgealben. Ich gebe 5 1/2 Punkte.
Durch dieses Album wurde ich erstmals auf Genesis aufmerksam. Die meisten Songs lernte ich aber erst allmählich schätzen. Sehr gutes Album, aber keine 6* für mich, da hier kein Song die Bestnote schafft. Schwierig, hier Favoriten zu nennen, da fast alle Songs 5* erhalten haben. Gesamtfazit daher auch starke 5*.
Als zur Jahreswende 1974/75 und Steve Hackett 1977 Genesis verließen, sahen nicht wenige Zeitgenossen die Gruppe am Ende. Doch die verbliebenen Mitglieder Phil Collins, Michael Rutherford und Anthony Banks zeigten Durchhaltevermögen und machten als Trio weiter. Und ohne ihre vermeidlich kreativen Köpfe gelang der Gruppe der große Durchbruch beim Massenpublikum. Ihre Alben „And Then There Were Three“ (1978), „Duke“ (1980), „Abacab“ (1981) und „Three Sides Live“ (1982) wurden von den internationalen Musikkritikern teilweise in der Luft zerrissen und von den alten Fans äußerst kritisch beäugt, offenbarten aber, das Genesis eine kreative Einheit war und das sowohl der Ausstieg von Peter Gabriel als auch der von Steve Hackett kompensierbar war (auch wenn das alte Genesis Fans nicht wahrhaben wollten/wollen). Zwar fehlte den Texten die Versponnenheit eines Peter Gabriel, doch musikalisch war die Gruppe gut wie eh und je. Mit dem 81er Album rückte Genesis in Richtung Mainstream-Rock, womit sie viele ihrer alten Fans endgültig vergraulten. Die musikalische Kurskorrektur war ein durchaus nachvollziehbarer Schritt, denn wenn man als Gruppe auch weiterhin erfolgreich sein wollte, mußte man sich dem Zeitgeist anpassen. Und auch mit einem einfacher gestrickten musikalischen Konzept war Genesis ziemlich einzigartig, klang ihre Musik immer noch recht komplex. Ein gutes Beispiel dafür ist ihr 1983 erschienenes Album „Genesis“, das sich innerhalb kurzer Zeit zu einem ihrer größten Verkaufserfolge entwickelte. Gemessen an ihren Werken der Vergangenheit klingt das Album eher ernüchternd. Wenn man aber ihre Vergangenheit aber einmal außen vorläßt, dann erscheint es in einem anderen, wesentlich besseren Licht. Ein Großteil der Musik klingt Phil-Collins-lastig, aber man darf nicht den Fehler machen, diesen großartigen Musiker als den musikalischen Motor der Gruppe zu betrachten. Denn ohne Michael Rutherford und Anthony Banks wäre Genesis nun mal nicht möglich. Im Vordergrund von „Genesis“ stehen erst einmal die Singlehits „Mama“, „That’s All“ und „Illegal Alien“, drei sehr abwechslungsreiche Stücke. Das düstere „Mama“ erinnert an Phil Collins „In The Air Tonight“ und dem Genesis Hits „Man On The Corner“. „Mama“ ist eine Riesennummer, die, hätte die Gruppe sie zehn Jahre früher zusammen mit Peter Gabriel aufgenommen, heute einer der überragenden Klassiker in ihrem Gesamtwerk wäre (aber ich glaube, das ist sie sowieso). „That’s All“ klingt sehr poppig und bleibt durch sein prägnantes Keyboard-Hookline nachhaltig in Erinnerung. „Illegal Alien“ ist zwar auch eine gute Nummer, fällt aber gegenüber „Mama“ und „That’s All“ etwas ab. Die erste Seite von „Genesis“ ist wirklich grandios, mit das Beste, was die Gruppe in den 80er Jahren eingespielt hat. Neben den bereits erwähnten „Mama“ und „That’s All“ brennen die Herren Collins, Ruhterford und Banks mit „Home By The Sea“ und dem nahtlos anschließenden Instrumental „Second Home By The Sea“ ein wahres Feuerwerk ab. In diesen vier Stücken, vor allem in „Mama“, „Home By The Sea“ und „Second Home By The Sea“ lassen sie ihre musikalische Vergangenheit, wenn auch in zeitgemäßer und gestraffter Form, aufleben. So mancher alter Fan wird ein nostalgisches Tränchen vergießen und sich wehmütig an die Zeiten von „Foxtrott“, „Selling England By The Pound“ und „The Lamb Lies Down On Broadway“ erinnern. Und wenn er objektiv genug ist, wird er erkennen, daß die Gruppe auch anno 1983 noch einiges zu bieten hatte. So grandios die erste Seite ist, so durchschnittlich ist Seite zwei. Zwar gibt es keinen Ausfall und alles ist überdurchschnittlich gut, doch „Illegal Alien“, „Taking It All Too Hard“, „Just A Job To Do“, „Silver Rainbow“ und „It’s Gonna Get Better“ klingen eher wie Routineproduktionen. Immerhin bleibt festzustellen, das Genesis gegenüber der Konkurrenz auch dann noch mindestens ein Klasse besser ist, selbst wenn sie für ihre Verhältnisse nur Durchschnitt produzieren. Alles in allen ist der Gruppe mit vierzehnten Album ein sehr gutes Album gelungen, auch es nur zur Hälfte überzeugt. Bleibt noch zu festzustellen, daß das Album von Genesis in Zusammenarbeit mit Hugh Padgham sehr gut produziert wurde und das die einzelnen Stücke sehr gut abgemischt wurden. Wer Genesis einmal kennenlernen möchte, der kann dieses Album als Einstieg nehmen.
@Voyager2: So 'was in der Art wollte ich auch schreiben, nur nicht ganz so lang ;). Bin auch der Ansicht, dass die Gruppe diesen eher "kommerziellen Weg" einschlagen musste; man erinnere sich, dass zum Zeitpunkt von Peter Gabriels Aussteig sich ein Schuldenbert anhäufte, den es zu beseitigen galt. Mit einem zweiten "The Lamb Lies Down..." wäre das sicher nicht gut gegangen. Ich finde die Songs "Mama", "Home By The Sea" und "Just A Job To Do" am besten. Klar, auch das bekannte "That's All" oder das optimistische "It's Gonna Get Better" sind auch ganz nett, aber die vorher erwähnten Songs sind einfach der Hammer.