HERBERT GRÖNEMEYER IN DER AOL-ARENA HAMBURG – SAMSTAG, 23. JUNI 2007















“Du stehst im Regen, und du wirst nicht nass, es regnet an dir vorbei.“ – tja Herbert, wenn du doch nur Recht gehabt hättest.
Herbert Grönemeyer war seit dem 24. Mai auf seiner großen Live-Tour unterwegs, die ihn durch ganz Deutschland, aber auch durch Österreich, Italien, Lichtenstein und die Schweiz führte. Drittletzte Station war Norddeutschlands-Schlechtwetterhauptstadt Hamburg – und hitparade.ch war natürlich dabei.


Grönemeyer live ist immer wieder ein Erlebnis – auch für den eigentlichen Nicht-Fan. Selten sieht man einen so uneitlen Star, der sich wie ein kleines Kind über den zunächst recht braven Beifall der Zuschauer freuen kann und sich auch vom sprichwörtlichen Hamburger Schmuddelwetter nicht beeindrucken lässt. Nachdem Clueso den bereits zahlreichen Fans versuchte einzuheizen, etliche La-Ola-Wellen die Zeit bis zum Erscheinen des Stars verkürzt und die Zeiger der überdimensionale Uhr die letzten fünf Minuten vor „12“ bewältigt hatten, sagt Herbert plötzlich „Hallo Hamburch“, geht winkend über den langen Laufsteg bis ganz ans Ende, setzt sich ans Klavier mitten im Publikum und präsentierte einen ersten Song aus seinem neuen Album („Leb in meiner Welt“). Dass viele Zuschauer mehr wegen des Grönemeyers allgemein, denn wegen seines letzten Albums ins Stadion gekommen waren, sah man daran, dass die Stimmung richtig gut wurde, als nach „Kopf hoch, tanzen“ und „Stück vom Himmel“ ein Block älterer Titel auf der Setliste stand: „Musik nur, wenn sie laut ist“, „Halt mich“, natürlich „Bochum“ und „Alkohol“. Bei „Bochum“ (hat man in der AOL-Arena jemals außerhalb eines Fußballspiels so viele Schals des VfL Bochum auf den Tribünen gesehen?) begann der Regen, der aber der Stimmung überhaupt keinen Abbruch tun konnte – auch wenn er stetig zunahm. Immer wenn ich dachte, die Tropfen werden kleiner, gab es in wenigen Minuten einen richtigen Guss. Glaubt mir – ich war in meinem Leben noch nie so nass – höchstens einmal: beim Herbert Grönemeyer Konzert am 05. Juni 1998 in Rostock... Doch diesmal war es wohl noch schlimmer (auch damals sang Herbert mit dem Publikum: „Du stehst im Regen, und du wirst nicht nass...“). Doch weg vom Wetter zurück zur Musik.

Naja ganz weg vom Wetter noch nicht. Herbert steht tatsächlich im Regen und viele empfinden es als eine Art Solidarisierung mit den Fans. Aber er hatte die Haare schön, denn das war seine einzige Sorge bezüglich des Regens. „Ich versteh“ leitete dann wieder einen Block neuerer Songs ein, der mit „Spur“ zu Ende ging.
Es folgte einer der Höhepunkte seiner letzten Tour: „Der Weg“. Über die Videowall lief ein sehr geniales Video, das etwas vom eigentlichen Hintergrund des Songs ablenkte. Passenderweise war dann „Mensch“ der nächste Titel.

Natürlich bestreitet Herbert Grönemeyer so einen Abend nicht allein. Stattdessen kann er auf eine sehr eingespielte Band zurückgreifen, aus der hier einmal Norbert Hamm aus Stade („bei Hamburg“) erwähnt sei. Immer wieder stehen auch die Musiker im Mittelpunkt und Herbie nimmt sich sehr gekonnt zurück. Passend spielt die 14-Musiker-Crew nach „Mensch“ den Titel des Vorgängeralbums „Bleibt alles anders“ – an diesem Abend gilt das vor allem für das Wetter, denn es regnet immer weiter. Und Herbert tanzt und hüpft durch die Pfützen, während die Techniker einen Nervenzusammenbruch nach dem anderen bekommen. Die Stimmung der nassen Fans im Innenraum und der trockenen auf den Tribünen steuert auf einen nächsten Höhepunkt zu: „Männer“. Dann wieder ein Stück vom neuen Album: „Liebe liegt nicht“. Und dann nach der Pause und etlichen Gesängen („Oh wie ist das schön!“) das Ende des Regens.

Das war vielleicht der einzige Moment, in dem Herbert nicht ganz auf der Höhe der Zeit war, der als er zur ersten Zugabe auf die Bühne kam und verkündete: „Wir spielen jetzt so lange bis der Regen aufhört!“, war genau das schon geschehen und unter den Fans macht sich schon Angst breit, dass das Konzert vielleicht ganz schnell zu Ende sein könnte. Doch da kennt man den Bochumer schlecht: Erst nach insgesamt drei Zugaben und einer Gesamtspielzeit von 2:45 Stunden endet dieses Ereignis mit „Zur Nacht“, ebenfalls aus dem Album „12“, womit sich ein Rahmen schließt.

Doch vorher wurde den Fans noch einmal kräftig eingeheizt: „Zum Meer“, „Land unter“ und „Du bist die“, das Grönemeyer als das erste und für ihn wichtigste Lied der neuen Platte bezeichnete, führen auf die ultimativen Highlights hin: „Selbstmitleid“ („Du stehst im Regen...“ – hahaha gerade jetzt wo er vorbei war) und „Flugzeuge im Bauch“. Wieder flimmert ein tolles Video über die Bildschirme: Herbie im Knast, die Tage an der Wand markierend. Und fast schon ein Muss sind die von den Fans in der ersten Reihe geworfenen Papierflugzeuge, die auf der Bühne landen. Der Star verabschiedet sich zum wiederholten Mal, aber jeder ahnt, dass dies noch nicht alles gewesen sein kann, denn mindestens ein Titel fehlt noch.

Und die Fans fordern ihn auch: „Zeit, dass sich was dreht“ hallt es durch das Stadionrund. Aber Herbert überrascht erst einmal mit der Ansage, dass er ja noch gar nicht mit uns gesungen hätte. Und er teilt das Stadion ganz exakt in zwei Hälften, die unterschiedliche Gesangspart übernehmen sollen: Die erste Seite soll die Zeilen „Zeit, dass sich...“ singen (riesiger Jubel brandet auf), die andere bekommt den schwereren Part: „Olé, olé...“ (Zu meinem Glück stehe ich auf der „Zeit-Seite“). In einem Fußballstadion, in dem seit Jahrzehnten Bundesligafußball gespielt wird, kommt noch einmal WM-Feeling auf.

Dann beglückt der Star Hamburg mit „Vollmond“, das er auf der gesamten Tour nur fünfmal im Programm hat. Ja und nach dem unvermeidlichen „Zur Nacht“ geht dann ein wahnsinniger Konzertabend zu Ende – naja fast: Schnell noch mit T-Shirts versorgt, dann rein ins Taxi und unter die heiße Hotel-Dusche...
Hannes

Linktipps:
Zum aktuellen Album "12"
Discographie von Herbert Grönemeyer

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