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Forum - Allgemein - Der Ententanz

Die Melodie kennen alle. Der «Ententanz» ist ein Dauerbrenner in den Charts – aktuell in Holland und Belgien. Das freut auch Werner Thomas: Der Schweizer hat den Welthit komponiert.

«Ciao Werner, buongiorno!», ruft die Wirtin, als er sich die steile Granittreppe in die «Cà nostra» hinabmüht, eine Terrassenwirtschaft, die in Brione sopra Minusio hoch am Hang über dem Lago Maggiore klebt. «Ciao Werner!» Schon beginnt die Wirtin zu singen: «Tabadäbä- däbä-däm, taba-däbä-däbä-däm, tabadäbä- dä, bä-räm – qua, qua, qua, quaaa.» Und bewegt dazu nervös die angewinkelten Arme auf und ab, als wollte sie flattern wie ein Federvieh. Der «Ententanz» verfolgt den 75-jährigen Werner Thomas. 1957 fiel ihm die lüpfige Tonfolge ein, er feilte an ihr, 1973 erschien sie erstmals auf Platte, seither hat sie sich in 370 Versionen in 42 Ländern über 40 Millionen Mal verkauft.

Keine Chilbi, keine Kinderdisco im Ferien- Resort, kein Turnverein-Unterhaltungsabend, an dem die Leute nicht zu «Tabadäbä- dä, bä-räm – qua, qua, qua, quaaa» watschelnd und gackernd in die Knie gingen. Der «Ententanz», ein Welthit, von dem niemand weiss, dass er aus der Schweiz stammt. Ist er ihm nie verleidet? «I wär jo blöd!», schiessts aus Werner Thomas hervor. «Hab jedes Mal den Plausch, wenn ich ihn höre, weil ich weiss: Das gibt Geld.» Gerade turnt wieder eine neue Version durch die niederländischen und belgischen Top Ten. «Geld stinkt nie, wäisch», sagt er, als müsste er sich rechtfertigen. Thomas und seine Frau leben vom «Ententanz».

«Schöne Zeiten waren das»
Vor fünfzehn Jahren zogen sie in die Nähe von Locarno, wegen des Klimas, das dem Asthmatiker behagt. Schief sitzt die weisse Mütze auf dem Kopf, im rosigen Gesicht zwinkern hellblaue Augen unter buschig grauen Brauen. Kariertes Hemd, wattiertes Gilet. Einer jener Vecchietti, wie sie in jedem Grotto sitzen. Thomas rudert mit den Armen, hebt den Mahnfinger, weist freche Fragen mit ausgestreckten Handflächen von sich – er spricht mit seinen Pranken. Man hielte ihn, würde er nicht thurgauern, für einen Tessiner.

Der Vater Coiffeur, die Mutter wirtete in Berg, Kanton Thurgau, zuerst im «Schöntal », später im «Frohheim» an der Hauptstrasse 41. Der Bub hilft bei beidem aus, beim Haareschneiden und in der Gaststube, wird dann, man muss ja etwas lernen, Handharmonikalehrer, kann aber bald die eigenen Schüler nicht mehr ausstehen.

Lieber tingelt er Anfang der Fünfzigerjahre als Musikant durchs Zürcher Niederdorf, geht er für 18 Franken pro Nacht von Tisch zu Tisch. Nach Feierabend, gegen Morgen, improvisiert er mit Hazy Osterwald und den Geschwistern Schmid im «Kindli», und immer hat einer eine Flasche Schnaps dabei. «Schöne Zeiten waren das.»

Thomas heiratete die Serviertochter Maria, zog ins Bündnerland. Er fingert an einem Zettel rum, «Hab mirs aufgeschrieben, damit ich kein Durcheinander mache», macht dann doch eines, gerät vom Hundertsten ins Tausendste, erzählt vom ersten Arbeitstag in Klosters, als wärs gestern gewesen: «Ich musste einen Eisenbahnwagen Kartoffelsäcke, 50 Kilo der Sack, zehn Tonnen im Ganzen, auf einen Lastwagen umladen, allein.» Dabei ist er invalid: Als Zehnjähriger litt er an Knochentuberkulose. Die wurde zunächst falsch behandelt, und als es dann zu spät war, musste ein Arzt in Bern das kranke Knie heraussägen. Seither ist sein rechtes Bein steif und 17 Zentimeter kürzer als das andere. Aber IV? «Hab ich nie bezogen. Erst mit 63 bekam ich die.» Ein Krampfer, einer, den das Leben lehrte zu kämpfen. Wenn er von sich spricht, sagt er nie ich, sondern du, er nimmt sich zurück und ist doch trotzig stolz. «Du musstest schauen, dass du über die Runden kamst.»

Die Plackerei im Bündnerland war hart. Dann, eines Frühlings, «oder wars im Oktober? », sprang er im Davoser «Cava Grischa» als Tanzmusikant ein, wurde vom Fleck weg engagiert und war bald der beliebteste Örgeler am Ort. Taxiprüfung, Wirteprüfung. 1963 übernimmt er das «Rössli», spielt im eigenen Dancing auf, dudelt Nacht für Nacht, «immer am zäh vor», sein Taba-däbädä, bä-räm: um zehn vor neun, vor zehn, vor elf, vor Mitternacht, vor eins, vor zwei. «Die Leute konnten nicht genug bekommen.»

Louis van Rijmenant auch nicht. 1973 verbringt der Chef des belgischen Plattenlabels Intervox die Skiferien in Davos. Er fliegt auf den «Ententanz». Thomas händigt ihm das Notenblatt aus, hat schon nach ein paar Tagen die Platte im Briefkasten. Und ist entsetzt: «Dä huere Säich!» Van Rijmenant hat die Melodie, die Thomas fürs Akkordeon ersann, einem quäkenden Synthesizer gefüttert, den Bandnamen Cash & Carry erfunden und das Liedlein «Tchip Tchip» getauft. «Schaurig, was der aus meinem Stück gemacht hat.» Nach einem Monat sind 100'000 Singles verkauft, Thomas erhält in Antwerpen eine Goldene Schallplatte – und ist mit dem huere Säich versöhnt.

Von da an hätte er nie mehr zu arbeiten brauchen. Doch der zweifache Vater handorgelt weiter, über Mittag auf dem Jakobshorn für die Skifahrer, nachts im «Sunstar Park» zum Après-Ski. Taba-däbä-dä, bä-räm – das alberne Tänzchen dazu erfindet Thomas selbst. Er hat dem Tanzvolk auf die Füsse geschaut. Und aufs Maul. Man merkt ihm den Beizer an, den Alleinunterhalter, spontan, gesellig, rau. Er duzt jeden, wird beim zweiten Bier kumpelhaft, beim dritten derb. Und singt vor, was er einst selber aufs Tabadäbä- dä textete: «Nimm ihn kräftig in den Mund, ja dann wird er wieder rund – da hilft nur eins, und das ist Blasen.»

Finnland tanzt den «Kuminauha Twist», Amerika den «Chicken Dance», in Italien sang Romina Power «Il ballo di qua qua» auf Rang eins, Fred Sonnenschein sein «Ja, wenn wir alle Englein wären» in Deutschland. «Und jetzt gibts sogar eine… Wie sagt man nur schon? Bin eben nicht so neuzeitlich. Also die geht nicht im CD-Gerät, die musst du am Fernseher laufen lassen.» Eine DVD? «Genau, eine DVD.» Seine Mundwinkel, halb ists Schalk, halb Schüchternheit, scheinen sogar zu grinsen, wenn sie regungslos sind.

Viele Coverversionen sind gut fürs Portemonnaie. Dem Komponisten fallen pro Tonträger 3 bis 15 Rappen zu. Bestenfalls vier Millionen Franken hat Thomas, der sich über den genauen Betrag ausschweigt, über all die Jahre aus den Plattenverkäufen verdient. «Millionär bin ich nicht», sagt er. «Aber es gibt einen schönen Jahreslohn.»

Dass der flinke Rijmenant sich als «Monsieur Ententanz» feiern liess, bringt Thomas nicht aus der Ruhe. «Mir war der Rummel sowieso zu viel.» Ein belgischer Anwalt vermarktet den Song seit Rijmenants Tod. Ob Thomas das Geld erhält, das ihm zusteht, weil «De Vogeltjesdans» in Holland ein begehrter Klingelton ist? «Chasch nöd kontrolliere », raunt er nur. «Mir gehts so gut, wenn mich einer um ein paar Franken reinlegt, ist das doch schnuppe.»

Fällt ihm unterwegs im Mercedes A160 eine Melodie ein, hält er an und notiert sie. «Susch isch si weg.» Über 300 Polkas und Schottisch hat er komponiert, «und keiner will sie hören». Oft bot er Rijmenant neue Stücke an. «Er sagte stets: ‹Nein, wir machen nur den einen. Das gibt einen Evergreen, der kommt alle sieben Jahre wieder.›» Das war untertrieben.
Ententanz ist in Nordamerika - Kanada als Bird Dance bekannt und laeuft in der Reihe Oktoberfest-Musik
Wo bekommt man den gazen Text ?

Vielen Dank, wer hilft.

P.H.
...das ist im Original ein Intrumental ...
Welchen Text hättest du denn gerne?

Ich hatte anfangs der 90er Jahre das Vergnuegen, diesen vielseitigen Komponist und Unterhalter in der Schweiz zu hoeren und kennenzulernen und habe mich heute riesig gefreut, von australischen Freunden ein Mail mit dem Ententanz zu bekommen. Ich habe sich gleich mit dem obigen Text "versorgt". Die Welt ist klein!

HHH

Zu werner thomas: Hello aus den USA. Ich erinnere mich super an Davos. Alles gute Otto.
Ca, 1982 gabs zu dieser berühmten Melodie ein Lied auf Kasettenbändli mit folgendem Text in Dialekt: Mir gönd uf Züri, dänn s Züri cha mer alles ha, mir gönd und lönd üs massiere, was isch scho drah,
Schpöter chunsch dänn s Züri a, lueg wer schtot dänn scho do, dä Ueli, chasch nid versto.
Doch dä Ueli finds au glatt, es Massäschli in der Stadt...
Würde das Stück gerne wieder einmal in dieser Version hören. Wer kann weiterhelfen? Vielen Dank!


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