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Interview mit Dada Ante Portas - hitparade.ch



Dada Ante Portas - Hush!
1. Hush
2. Heroes
3. For Way Too Long
4. Mayhem
5. Always With You
6. Dada Ballet
7. Elodie
8. Let Me Go
9. You Better Run
10. Fountain Of Your Dreams
11. Why Is It On Me?
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"Dank Dada konnten wir eine Menge Therapiekosten einsparen"


Wer Dada Ante Portas liebt, wird auch ihre neue Platte "Hush!" lieben. Denn auf ihrer inzwischen neunten Scheibe präsentiert die Luzerner Band einmal mehr eine Mischung aus musikalischen Perlen, die durch Vielfältigkeit und dennoch durch die unverkennbare Handschrift der Band glänzen.

hitparade.ch: Am 11. Oktober erschien Euer neuntes Album! Wie kam es zum Album-Titel "Hush"?
Pee: Wir haben uns die Texte angeschaut und Notizen gemacht. Diesen Titel hatten wir schnell auf dem Radar. Wir mögen diesen Song, der Titel ist kurz und prägnant.
Lukas: Zudem heisst "Hush" "Pssst", was mit lauter Musik wenig gemein hat. Und gerade dieser Kontrast gefiel uns. Damit kann man gut spielen. Ausserdem: "Hush"-Tour klingt auch ziemlich gut.
Pee: Der Titel inspirierte uns schliesslich auch zum Album-Cover, auf dem man von jedem Band-Mitglied einen Viertel des Gesichts sieht, was zu einem schreienden Gesicht zusammengestellt ist.

hitparade.ch: Ihr habt aus 40 Songs auswählen können fürs neue Album. Wie trifft man eine solche Entscheidung?
Lukas: Es waren sogar mehr! 40 waren in der engeren Auswahl (lacht). Wir sind sehr demokratisch. Wir haben tatsächlich abgestimmt. So kristallisierten sich schnell gemeinsame Lieblings-Songs heraus. Es gibt zudem Songs, die einen sehr persönlichen Hintergrund haben für gewisse Band-Mitglieder, und die sind dadurch natürlich auch hoch im Kurs. Wir tauschen uns stark aus bei der Song-Wahl. Worauf wir zudem achten müssen, ist, dass die Songs in den Flow des Albums passen und gemeinsam eine Geschichte erzählen können. Die Kern-Songs, also die mit den meisten Stimmen, geben dabei die Richtung vor.

hitparade.ch: Und was passiert mit den restlichen Songs?
Lukas: Pee und ich haben ein Solo-Projekt, da kann es durchaus sein, dass wir auf solche Songs zurückgreifen. Es kann auch sein, dass es gewisse Songs auf ein anderes Album schaffen werden, wenn sie dort hineinpassen - und es gibt immer wieder Songs, die wir nicht nutzen.
Pee: Die verschwinden dann in der Versenkung. Sprich: In einen Ordner, der "Demo-Songs" heisst. Und es kann passieren, dass man diesen Ordner einmal öffnet und sich bei einer Nummer denkt: "Irgendwie war der trotzdem geil" (lacht). Zum 50 Jahre-Jubiläum von Dada könnte dann ein Album erscheinen, das "The Lost Tapes" heisst. So als Alternative zum bekannten "Greatest Hits" (lacht).

hitparade.ch: Eure Songs sind so, wie es sich Dada-Fans wünschen. Ihr bleibt Eurem Stil treu! Und der ist unverkennbar. Wie würdet Ihr selbst den typischen Dada-Stil beschreiben?
Pee: Das ist schwierig für uns, das zu beurteilen.
Lukas: Wir hören immer wieder, wir hätten einen Wiedererkennungswert. Woran das genau liegt, ist für uns wahrscheinlich noch schwieriger zu beschreiben als für Aussenstehende. Was würdest denn Du meinen?

hitparade.ch: Ich denke, es hat zu einem grossen Prozentsatz mit der Stimme von Pee zu tun, die man sehr schnell erkennt. Schön dabei ist, dass Euer Sound zu dieser Stimme passt, was den Sound homogen und harmonisch macht. Ihr wisst, was ihr gut könnt, und macht genau das, ohne immer wieder einen Anspruch an Euch selbst zu stellen, Euch dauernd verändern zu müssen. Das muss man nämlich nicht. Und wahrscheinlich hat es auch damit zu tun, dass Eure Musik ehrlich und authentisch klingt, weil ihr seit 23 Jahren ein eingespieltes Team seid, das sich durch die aktuellen Trends zwar inspirieren, aber nicht verbiegen lässt. Ok, jetzt hab ich viel geredet (lacht).
Pee: Es gibt Journalisten, die schreiben: "Das haben wir schon einmal gehört, wir wollen etwas Neues", wenn eine Band die gleiche Schiene fährt. Das ist okay! Aber ich persönlich bin frustriert, wenn ich mich auf das neue Album einer Band freue, und es ist komplett andere Musik als ich es erwartet hatte. Wenn meine Lieblings-Band "Counting Crows" etwas anderes machen würde, hätte ich die Krise (lacht)! Es gibt ja genug andere Bands, die man entdecken kann, wenn man Lust auf neue Musik hat. Ich mag die Beständigkeit.
Lukas: Und das bedeutet ja nicht, dass man sich nicht weiterentwickelt. Man darf einfach den Prozess nicht erzwingen, sondern sollte ihn natürlich passieren lassen. So bleibt man seiner Linie treu. Wir machen das, was uns Spass macht! Aber wenn man sich verändert, um dem aktuellen Zeitgeist zu entsprechen, geht viel verloren.

hitparade.ch: Wie beurteilt Ihr denn den aktuellen Zeitgeist der Musikszene?
Pee: Gewisse neue Entwicklungen gefallen mir nicht so sehr. Aber das ist sehr persönlich und hat sicher damit zu tun, mit welcher Musik man aufgewachsen ist. Wenn es nicht echt klingt, und wenn man schon von Weitem hört, dass keine echten Instrumente im Spiel sind, dann schreckt mich das ganz schön ab. Geschweige denn bei Autotune, das ist der Horror.
Lukas: Das finde ich auch schlimm. Oft wird Musik nicht mehr gemeinsam gemacht, sondern nur noch via Computer. Handkehrum können solche Songs vielleicht durch gute Texte inspirieren. Zudem gibt es auch noch heute viele Singer-Songwriter, die handfeste Musik machen, die mich begeistert. Da merkt man, die sind mit Instrumenten aufgewachsen und können gute Songs schreiben. Beispielsweise Dean Lewis, ein junger, sehr talentierter Musiker, gefällt mir zum Beispiel gerade sehr. Es gibt sie auch heute noch, diese Musik, die von Künstlern wie Cat Stevens oder John Lennon inspiriert ist.

hitparade.ch: Für wen ist der Song "Always With You"?
Lukas: Zu diesem Song habe ich mich tatsächlich von einer bestimmten Person inspirieren lassen, auch wenn der Song am Ende offen ist. Alle Band-Mitglieder lassen regelmässig persönliche Geschichten und Gedanken in die Songs einfliessen. Bei "Always With You" habe ich an meine Freundin gedacht.

hitparade.ch: "Dada Ballet" tanzt für mich aus der Reihe. Er erinnert mich ein wenig an "Pegasus". Kommt nur mir das so vor?
Pee: Es ist interessant. Der Song hat auch bei uns etwas polarisiert. Für mich persönlich tanzt er aber nicht aus der Reihe. Er hat einfach etwas, das man mag oder eben nicht mag.
Lukas: Er hat einen leichten Dance-Groove, was man von uns nicht so kennt. Das könnte der Grund sein, wieso er Dir speziell aufgefallen ist.
Pee: Er wurde auf dem Klavier geschrieben. Das macht ihn auch noch etwas anders, denn die meisten Songs schreiben wir auf der Gitarre.

hitparade.ch: Das letzte Stück dauert satte 13 Minuten! Wollt Ihr damit ein Statement setzen, dass man Musik nicht radiomässig auf 3.50 Minuten beschränken sollte? Nach dem Motto: Wir zeigen Euch jetzt, wie man richtig Musik macht?
Pee: Ganz genau, das hast Du richtig erkannt. Es ist definitiv ein Statement und ich bin froh, dass man es offensichtlich erkennt.

hitparade.ch: Ihr seid seit 23 Jahren gemeinsam unterwegs. Privat habt Ihr Familie und ein organisiertes Leben. Ist die Band ein Zufluchtsort?
Pee: Das ist sie defintiv. Dank dieser Band konnten wir uns eine Menge Therapiekosten sparen. Es gab schon so viele Tage, an denen ich nicht gut drauf war und nach der Probe war der Pegel wieder ganz oben.
Lukas: Auch wenn man zwei Tage lang unterwegs war, um Gigs zu spielen, kommt man extrem gelöst und glücklich nach Hause. Wir geben ja auch alles! Unser Investment ist kompromisslos. Die Musik gibt so viel zurück. Glück und Energie. Davon profitiert auch die Familie!
Pee: Natürlich kann es auch einmal umgekehrt laufen: Man geht glücklich in die Probe und kommt frustriert nach Hause (lacht). Aber das ist ja auch normal.
Lukas: Die Band ist auch Familie, da ist man sich nicht immer einig und es läuft nicht immer alles perfekt. Die Mischung machts! Wenn es nicht so grossartig wäre, würden wir das nicht seit 23 Jahren machen. Das mit den Therapiekosten ist schon richtig: Wir machen ja nicht nur Musik. Wir sprechen über alles, wir sind gute Freunde. Nach 23 Jahren ist man sehr verbunden. Als wir angefangen haben, hatte noch keiner von uns Familie. Und all diese wichtigen, privaten Meilensteine haben wir gemeinsam erlebt. Privat sind wir erwachsen geworden, in der Band dürfen wir auch einmal unvernünftig sein (lacht).

hitparade.ch: Trotz grossem Zusammenhalt: Nach 20 Jahren ist Euer Drummer Tommy ausgestiegen. Wie kam das? Und wie spürt Ihr das jetzt musikalisch?
Pee: Das kam nicht überraschend, das hat sich abgezeichnet. Er hatte einfach keinen Bock mehr, Schlagzeug zu spielen. Ich kann das nachvollziehen. Ich habe früher auch einmal Schlagzeug gespielt und irgendwann reichte es mir einfach. Seither habe ich nie wieder gespielt. Das kann passieren und muss man akzeptieren.
Lukas: Du hast damals natürlich gespürt, dass Du am falschen Instrument bist. Bei ihm ist die Musik zurzeit kein Thema. Vielleicht kommt einmal irgendetwas anderes.
Pee: Er hat sich eine ganze Weile damit herumgeschlagen. Wir haben irgendwann gemerkt, dass keine Energie mehr kam. Er hat uns und den Songs zuliebe weitergespielt, doch sein Herz schlug nicht mehr fürs Schlagzeug. Er war sehr fair und erklärte uns, dass er uns bremsen würde, wenn er bliebe.
Lukas: Wir empfanden das natürlich nicht so. Diese Band hat es immer nur mit ihm gegeben. Das war keine einfache Entscheidung. Es wurde jedoch immer deutlicher, er liess los. Es war auch für uns klar, dass er auf sein Bauchgefühl hören muss. Also ist er ausgestiegen und wir haben ihn ziehen lassen. Er ist nach wie vor ein super Freund und wird immer ein Teil der Familie bleiben. Auch wenn er in eine andere Richtung geht.
Pee: Er ist Götti von meinem Sohn und ich bin der Götti von seiner Tochter. Wir sind wirklich verbunden. Er war 20 Jahre lang wie mein Bruder. Ich habe ihn öfter gesehen als meinen Bruder. Und natürlich bleibt die Freundschaft stark, doch jetzt müssen wir wieder aktiv abmachen, es verändert einiges.
Lukas: Das Gang-Gefühl gibt einen so starken Zusammenhalt, das ist extrem.

hitparade.ch: Beim neuen Album hat ja bereits sein Nachfolger gespielt. Wo habt Ihr den neuen Schlagzeuger aufgetrieben? Und habt Ihr Euch schnell wieder gefunden? Nachfolger zu sein ist ja keine einfache Rolle…
Lukas: Am Anfang hatten wir das Gefühl, dass es sehr schwierig werden würde, einen Ersatzmann zu finden, der musikalisch, aber natürlich auch persönlich zu uns passt. Über einen Bekannten haben wir schliesslich von Timo gehört, der gerade aus New York zurückgekommen ist, wo er zwei Jahre lang gedrummt hat. Der hat die Musik im Blut und das Schlagzeug ist seine Leidenschaft. Also kam er zum Vorspielen. Und es war filmreif: Von beiden Seiten her hat es in der ersten Sekunde "Klick" gemacht. Menschlich wie musikalisch war es Liebe auf den ersten Blick.
Pee: Wir haben das Album in Schweden aufgenommen und wollten ursprünglich den Besitzer des Studios in Stockholm engagieren, der ein super Drummer ist. Doch als sich Timo so schnell und gut eingefügt hat, haben wir ihn direkt nach Schweden mitgenommen. Es hat sich angefühlt, als wäre er schon lange mit dabei. Als würden wir ihn seit Ewigkeiten kennen.

hitparade.ch: Ihr habt Euch für ein kleines Label in Eurer Heimatstadt entschieden, anstatt zu einem grossen Major-Label zu gehen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Pee: Wir waren zuvor bei Universal und dort lief es nicht optimal, denn der Manager, der uns zum Label geholt hatte, sprang kurze Zeit später ab. Unsere Ansprechperson war weg. Somit war alles etwas harzig. Sie waren in Zürich, wir hier. Es gab keine Verbindung. Und wir vermissten eine Ansprechperson, die für uns gebrannt hat. Wir spürten einfach nicht, dass wir wirklich jemandem wichtig waren.
Lukas: Es fühlte sich eher an wie "Dieses Album ist das Produkt des Kunden Nummer 35". Wir selbst legen unsere ganze Seele in diese Band.
Pee: Musik ist etwas persönliches. Und das darf für unser Label nicht nur der "Release 35" sein. Als Cyril vom frisch gegründeten Label 6003 Records in Luzern auf uns zukam, da wussten wir, dass es die richtige Wahl ist. Er kennt uns schon lange, ist mit Herzblut und Begeisterung dabei und ist selbst Musiker.
Lukas: Natürlich waren wir erst skeptisch, denn ein grosses Major-Label hat natürlich mehr Erfahrung und daher gibts dort mehr Möglichkeiten, aber er hat uns in dieser Sitzung voller Begeisterung und Engagement seine Ideen vorgestellt - in einer Art und Weise, die uns voll und ganz überzeugt hat. Er zeigte uns genau das, was uns gefehlt hatte.

hitparade.ch: Aus Euren Musik-Videos wird ein Kurzfilm entstehen. Wie darf man sich das vorstellen?
Lukas: Wir haben bisher drei Teile abgedreht. Es steht noch nicht fest, ob es einen vierten und fünften Teil gibt. Die Idee ist es, mit unseren Musik-Videos eine weiterführende Geschichte zu erzählen. Es geht um drei Songs des Albums - der erste ist "Mayhem", der ja bereits veröffentlicht ist. Dieses Video haben wir übrigens in Bosnien, Kroatien und Solothurn gedreht.

hitparade.ch: Eure Tour führt Euch vorerst durch die Schweiz. Wird es evt. auch noch ins Ausland gehen?
Pee: Die Touren, die wir bis jetzt im Ausland gespielt haben, entstanden spontan. Manchmal waren wir als Support unterwegs, beispielsweise in Deutschland, und manchmal waren es Engagements. Zum Beispiel wurden wir in China kurzfristig engagiert und der Booker organisierte uns eine ganze Tour. Da sind wir offen! Auch Bosnien wäre eine Option. Aber es steht noch in den Sternen.
Lukas: Wir spielen sehr gerne im Ausland und da wir eine englischsprachige Band sind, sind uns da keine Grenzen gesetzt. Aber was dennoch wichtig ist: Es muss sich auch für uns rentieren. Wenn es Pay to Play ist, können wir das nicht machen.
Pee: Es muss zumindest aufgehen. Sonst kann ich meiner Familie nicht sagen: "Ich bin mal einen Monat weg" - und draufzahlen.
Lukas: Wir sind gespannt, was mit dem Album passiert und welche Türen sich öffnen. Grundsätzlich sind wir offen für alles.
Interview durchgeführt: Bettina Wyss-Siegwart
Redaktion: Bettina Wyss-Siegwart


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