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Interview mit Jiggo267
"Keiner hatte an mich geglaubt"

31.12.2021
Der Schweizer Rapper Jiggo267 aus Basel hat sich einen Traum verwirklicht. Mit "Blocktherapie" hat er sein erstes eigenes Album veröffentlicht. Und das, nachdem er jahrelang Zeit in die Musik investiert hat.
hitparade.ch: Du kommst aus Basel und machst Hip-Hop. Ich habe das Gefühl, Basel ist ein Hip-Hop-Mekka. Nicht?
Jiggo267: Das liegt wahrscheinlich daran, dass Basel an Deutschland grenzt. Hier sind die sozialen Brennpunkte.

hitparade.ch: Bist Du mit Deutschem Rap aufgewachsen?
Jiggo267: Eher mit amerikanischem. Ich bin mit Eminem und 50 Cent grossgeworden. Gangster-Rap hat mich schon immer fasziniert. Ich mag es, wenn die Texte keine Grenzen haben.

hitparade.ch: Und wie bist Du dazu gekommen, selbst zu rappen?
Jiggo267: Erst war das eher eine Art sportliche Herausforderung. Wir haben im Freundes- und Bekanntenkreis Rap-Battles veranstaltet und haben aus Spass Leute gedisst. Und je mehr wir gerappt haben, umso grösser wurde unser Selbstbewusstsein. So konnten wir es mit der Zeit richtig gut mit dem Freestylen.

Mama
Jiggo267 feat. Buny267 & Kream52 – Evening
Ich lieb dich
Blocktherapie
Jiggo267 feat. Chery – No Do
Fack Boys And Bit$es
Banlieue 55
Malinka
Bandage
Jiggo267 feat. Dysto & Mic Freezy – Verrückt
Jiggo267 feat. Buny267 – Vergib mir
Blockkidz
Abschiedsbrief
hitparade.ch: Freestyle ist ja die Königsdisziplin. Das kann man also lernen?
Jiggo267: Im Prinzip schon. Der Trick ist, einfach mal anzufangen. Am Anfang haben wir einfach irgend einen Mist gerappt, der gar keinen Sinn ergab. Mit der Zeit war man im Flow und nach vielen Jahren Übung schafft man es irgendwann, spontan zu rappen und dabei wirklich etwas zu sagen. Ehrlich gesagt hat uns in den ersten Jahren ein gewisser Grund-Alkoholpegel geholfen, die Hemmungen abzulegen (lacht).

hitparade.ch: Und dann kamen eigene Songs. Diesmal mit wohlüberlegten Texten, nehme ich an?
Jiggo267: Klar, das war natürlich etwas ganz anderes. Ich wollte das schon immer mal machen und habe regelmässig Texte für eigene Songs geschrieben. Am Anfang haben mich alle ausgelacht, es hatte keiner an mich geglaubt. Doch ich habe mein ganzes Herzblut in die Songs gelegt und meine Geschichte erzählt. Meine Freunde und ich hatten keine angenehme Kindheit. Wir lebten in Heimen und in Notwohnungen. Es war alles andere als leicht. Als ich erwachsen wurde, hatte ich Depressionen. Als meine Mama krank wurde, war es besonders schwierig.

hitparade.ch: Ihr hast Du einen eigenen Song gewidmet...
Jiggo267: Genau. "Mama" handelt von ihr. Mein Ziel war es immer, Negatives in Positives zu verwandeln. Mein Mindset hat sich verändert. Und ich glaube, da hat mir die Musik als Ventil sehr viel geholfen.

hitparade.ch: Heisst das, die Songs waren Deine Therapie? Deswegen "Blocktherapie"?
Jiggo267: Ja! Jeder Satz auf diesem Album ist grundehrlich und kommt direkt aus meinem Herzen. Und auch hier spürt man meine Wurzeln des Hip-Hop, denn ich nehme kein Blatt vor den Mund. Mir ist wichtig, dass man versteht, dass es im Leben manchmal scheisse laufen kann, man sich jedoch auch auf das Gute konzentrieren soll. Und dass jeder so etwas überstehen kann. Das war mein Weg vom Strassen-Rap zum tiefgründigen Rap.

hitparade.ch: Und wie waren die ersten Feedbacks zu Deinem Album?
Jiggo267: Sehr gut. Ich konnte mir in der Szene Respekt verschaffen. Das hat mir viel bedeutet.

hitparade.ch: Was würdest Du denn jungen Rappern raten, die zurzeit eine ähnliche Geschichte erleben wie Du?
Jiggo267: Ich gehe in Basel in Schulhäuser und erzähle meine Geschichte und wie ich daraus etwas Positives für mich geschaffen habe. Wichtig ist es sicher, bodenständig zu bleiben. Man sollte lieber Musik machen und dort seine Gefühle herauslassen, anstatt irgend einen Mist zu bauen. Und das soll ehrlich von Herzen kommen, man muss es fühlen. Man soll sich nie für jemanden verstellen. Schlechte Gedanken kann man aufschreiben. So lassen sie sich verarbeiten - vielleicht sogar zu einem Songtext. Ein Rap-Album ist wie ein öffentliches Tagebuch.

hitparade.ch: Du hast Gäste auf Deinem Album. Buny267 beispielsweise bei den Songs "Vergib mir" und "Evening". Wieso heisst er gleich wie Du?
Jiggo267: Er gehört zu meinen besten Freunden. Er ist mit mir im gleichen Viertel aufgewachsen. Das war die Burgfeldergrenze 267. Deswegen. Wir harmonieren gut und wir rappen seit Tag eins gemeinsam.

hitparade.ch: Dann habt Ihr sicher viel gemeinsam erlebt und er kann Deine Geschichte nachvollziehen...
Jiggo267: Absolut. Und deswegen war seine Mitarbeit sehr wertvoll. Wir haben wirklich alles mögliche gemeinsam erlebt. Früher haben wir nur Scheiss gemacht und waren dauernd bekifft. Seit einem Horrortrip von Spacecakes kiffe ich jedoch nicht mehr. Wir sind jetzt erwachsen geworden und möchten mit der Musik nicht sinnlos provozieren, sondern etwas bewirken. Und das fühlt sich sehr gut an.
Interview durchgeführt:
Bettina Wyss-Siegwart
Redaktion:
Bettina Wyss-Siegwart


Mama
Jiggo267 feat. Buny267 & Kream52 – Evening
Ich lieb dich
Blocktherapie
Jiggo267 feat. Chery – No Do
Fack Boys And Bit$es
Banlieue 55
Malinka
Bandage
Jiggo267 feat. Dysto & Mic Freezy – Verrückt
Jiggo267 feat. Buny267 – Vergib mir
Blockkidz
Abschiedsbrief