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Shem Thomas im Music Talk
"Wie ein Kind die Welt betrachten"

07.07.2021
Der Rheintaler Musiker Shem Thomas hat mit "Miracles" und "Old Ferry Road" zwei wunderbare Vorboten für's Album "8", das im Herbst erscheinen wird, veröffentlicht. Im Music Talk mit Bettina spricht er über seine Inspirationen, seine neue Rolle als Produzent und über ulkige, kleine Monster.
hitparade.ch: Dein Song "Miracle" hat viele elektronische Elemente, ist bis ins Detail produziert. Das ist der erste Song, den Du komplett alleine produziert hast. Wie bist Du an die Sache herangegangen?
Shem Thomas: Der Song hat sich über zwei Jahre entwickelt. Ich komme ja aus der Singer-Songwriter-Ecke. Meine Vision war, dass ich elektronische Elemente und einen urbanen Touch in den Song hineinbringen wollte. Dennoch wollte ich die Organik drin haben, die berührt. Und bei mir ist das die Stimme. Also wollte ich an der Stimme nichts verändern. So wie auch die Gitarre zu mir gehört. Mit ihr habe ich meine ganze musikalische Karriere aufgebaut, also wollte ich auch sie im Song präsent halten. Aber auf der anderen Seite wollte ich Sounds und Samples und Beats einbauen, denn davon bin ich ein Fan. Ein paar charakteristische, sich wiederholende Elemente. Ich wollte eine coole Mischung erzeugen.

hitparade.ch: Um auf die Zeile "And I open my eyes, lookin' upon. I see the changes began" sprechen zu kommen: Welche Veränderungen waren in Deinem Leben prägend und haben zu "Miracles" geführt?
Shem Thomas: Ich habe immer ein Kind gesehen, das durch die Welt gehen. Wenn man selbst ein Kind hat, dann lernt man das Staunen neu. Es gibt so viele Dinge auf der Welt, über die man staunen kann. Wenn man erwachsen wird, dann vergisst man vieles und kommt in einen Trott… In meinem Leben hatte ich immer wieder Momente, in denen mir alles zu banal und normal wurde. Und dann kam der Wunsch auf, aus dem Trott auszubrechen. Dann schaffte ich es, mein inneres Kind wieder hervorzuholen und mit Neugier diese Welt anzuschauen. Das hat mich zu diesem Song inspiriert.

hitparade.ch: Du hast früher Jazz, Punk und Hip Hop gemacht. Dein musikalisches Spektrum scheint grenzenlos. Hast Du Deinen Weg jetzt gefunden in dem Stil, den Du aktuell machst? Oder könnte es sein, dass Du nächstes Jahr ein klassisches Album oder ein Metal-Album produzierst?
Shem Thomas: Etwas Klassisches würde ich nicht machen. Aber ich bin ein Künstler, der sich musikalisch ausleben möchte, der viele Seiten hat. Es haben mich immer verschiedene Seiten interessiert. Ich möchte mich nicht zu fest einschränken. Ich möchte nicht sagen, dass ich die nächsten 30 Jahre nur noch das Eine machen werde. Mir ist schon klar, dass es keinen Sinn machen würde, auf einem Album zehn verschiedene Stilrichtungen zu vermischen. Aber ich verändere mich. Es ist ein Lebensprozess. Meine musikalischen Interessen wandeln sich im Laufe der Zeit. Das möchte ich leben. Es ist auch erst dann authentisch, wenn ich immer das mache, was für mich im Moment richtig ist und mir Spass macht.
Interview durchgeführt:
Bettina Wyss-Siegwart
Redaktion:
Bettina Wyss-Siegwart