Interview mit den Künstler:innen von "Sing meinen Song 3""Diese Show ist eine Wucht!"
02.03.2022
hitparade.ch: Habt Ihr die letzten Staffeln verfolgt - und habt Ihr es Euch so vorgestellt, wie Ihr es jetzt selbst erlebt habt?
Dabu Bucher: Die erste Staffel habe ich komplett geschaut und war komplett begeistert. Die zweite Staffel habe ich angefangen zu schauen. Da ich aber bereits informiert war, dass ich bei der dritten Staffel dabei sein werde, hat es mich unglaublich nervös gemacht, das zu schauen. Ich hätte nicht mehr schlafen können (lacht). Ich habe mir die Dreharbeiten mit weniger menschlicher Wärme vorgestellt. Ich dachte, das laufe eher kühl ab. Aber: Die Crew hat aus diesen Dreharbeiten einen Familienanlass gemacht. Und auch die Musiker:innen haben das total gelebt. Als ich mit den Oesch's auf der Bühne für die Duett-Sendung geprobt habe, haben wir nachher im Backstage einfach weitergemacht - und immer mehr Musiker:innen stiessen hinzu. Am Ende waren wir 15 Leute, die diesen Song weitergespielt haben. Solche Dinge hatte ich nicht erwartet.Stress: Ein bisschen. Ich hatte es schon in etwa so erwartet.
Melanie Oesch: Ja, sehr intensiv sogar. Ich bin ein richtiger Fan. Es ist nochmals ein anderes Kaliber, wenn man selbst auf dem Sofa sitzt. Emotional ist es eine Stufe höher. Und auch alles drumherum! Man sitzt ja nicht nur auf dem Sofa. Es sind sehr intensive Tage, man ist in einem Tunnel drin und spürt gar nicht, wie die Zeit vergeht.
Naomi Lareine: Ich habe gewisse Episoden gesehen. Da ich ein Netflix-Mensch bin, habe ich es nicht gezielt verfolgt. Aber ich wusste auf jeden Fall, was es für eine Sendung ist. Ich glaube, kein Mensch kann sich vorstellen, wie es ist, dabeizusein. Meine Vorstellungen sind übertroffen worden. Mir war nicht klar, was für ein Ausmass "Sing meinen Song" überhaupt hat. Ich wurde vorgewarnt, dass es emotional werden würde - ich hätte es dennoch nicht so erwartet. Es war eine grosse Arbeit und eine grossartige Erfahrung. Diese Show ist eine Wucht! (lacht)
Noah Veraguth: Nicht vollständig, aber die besten Momente habe ich gesehen. Es ist schon anders, wenn man dabei ist. Man ist halt nicht in einem Fernsehstudio, sondern auf Gran Canaria. Man ist weg von zuhause, es riecht anders, es ist ein anderes Klima, es ist eine spezielle Atmosphäre. Das heizt auch die Emotionen an. Das hatte ich unterschätzt.
hitparade.ch: Bei welchem:r Künstler:in hast Du Dich musikalisch am stärksten herausgefordert gefühlt?
Dabu Bucher: Nicht Melanie Oesch (lacht). Doch. Ganz klar. All das, was die anderen tun, ist näher bei mir. Es ist alles Pop-Musik. Und Rap habe ich früher auch gemacht. Aber Jodeln ist eine völlig andere Disziplin. Wenn man singen kann, kann man nicht automatisch jodeln. Das war eine grosse Herausforderung, und ich habe sie sehr ernst genommen. Ich wollte nicht, dass es lächerlich rüberkommt. Also habe ich Stunden bei einer sehr guten Jodellehrerin genommen. Stress: Bei Melanie Oesch war es eine Herausforderung, eine Idee zu finden, unsere beiden Welten zusammenzubringen. Sobald die Idee jedoch feststand, war es eigentlich einfach.
Carolin Chevin: Am Anfang waren es Oesch's die Dritten. Da wusste ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Dieses Genre ist einfach sehr weit von mir entfernt. Da fühle ich mich beispielsweise Sevens Musik näher. Daher war eine gewisse Berührungsangst am Anfang vorhanden.
Melanie Oesch: Musikalisch war es Naomi Lareine. Da wusste ich lange nicht, in welcher Form ich den Song bringen möchte. Und bei der gesanglichen Umsetzung war es Seven, der mich herausgefordert hat.
Naomi Lareine: Bei Caroline Chevin habe ich mich sehr herausgefordert gefühlt. Ich wusste, dass ihr der Song sehr viel bedeutet und ich wollte meine ganze Stärke und meine emotionale Kraft, die ich aufbringen konnte, hineinlegen. Der Song hat es verdient und auch sie hat dieses Geschenk verdient.
Noah Veraguth: Herausgefordert hat mich alles, was nicht Englisch war. Also Stress, Dabu Fantastic und Melanie Oesch. Das hat mich sprachlich vor eine grosse Challenge gestellt. Ich singe ja sonst nur Englisch. Dort musste ich mich durchnavigieren, wie wir es am besten rüberbringen.
Seven: Für mich war es Stress. Ich kenne ihn schon sehr lange, ich hatte Ende meiner Teenagerzeit ein Poster von ihm an der Wand. Ich war zuerst Fan, bevor ich ihn als Mensch kennengelernt habe. Ich habe lange gebraucht, um einen Song zu finden, den ich so umsetzen kann, wie ich es mir gewünscht hatte. Ich wollte etwas beisteuern. Und auch die französische Sprache hat mich herausgefordert. Ich mag die Sprache nicht so (lacht) und bin es nicht gewohnt, so zu singen. Melanie Oesch hingegen, die musikalisch am weitesten von mir weg ist, ist mir am einfachsten gefallen.
hitparade.ch: Vor vielen Menschen zu spielen seid Ihr Euch alle gewohnt. Wie aber ist es, vor einer kleinen, exklusiven Musiker:innen-Runde aufzutreten?
Dabu Bucher: Am schlimmsten finde ich es, vor meiner Familie zu performen. 32'000 Personen am Energy Air finde ich einfacher, als vor meinen Eltern und Geschwistern zu singen. Deswegen war es relativ schwierig vor dieser kleinen Runde. Dazu kommt, dass es Musiker:innen sind, die genau wissen, was eine gute Performance ist. Das hat mich sehr nervös gemacht. Stress: Ja, weil man den anderen Künstler:innen ein Geschenk macht. Es geht dort nicht um's Publikum. Es geht darum, seine Energie in eine Idee zu stecken. Man denkt nicht an die Kameras, sondern nur daran, es für die anderen Musiker:innen möglichst gut zu machen.
Caroline Chevin: Grundsätzlich sind Musiker:innen die schlimmsten Zuschauer (lacht). Die merken alles! Das sind Profis. Die kann man nicht bescheissen - die durchschauen dich! Man kann es sich so vorstellen, wie wenn man als Kind der Familie an Weihnachten mit der Blockflöte etwas vorflöteln musste. Je kleiner das Publikum ist, desto nervöser ist man. Man kann sich nicht verstecken. Bei "Sing meinen Song" stellte ich mir das anfangs sehr schwierig vor, nach einem gemütlichen Gespräch auf die Bühne zu gehen und direkt 100 Prozent abzuliefern. Das Adrenalin und der Ehrgeiz, es besonders gut machen zu wollen, helfen aber sehr.
Melanie Oesch: Ja, defintiv. Vor so gestandenen Künstler:innen aufzutreten, macht mega nervös!
Naomi Lareine: Auf jeden Fall! Je weniger Leute, desto nervöser. Und wenn das dann alles auch noch Musiker:innen sind, will man sie umso mehr beeindrucken. Und dann war ja sogar Stress da, der mein Mentor ist. Da war ich wirklich sehr nervös.
Noah Veraguth: Ja, man ist viel nervöser. Nur schon, weil es eine kleine Runde ist. Vor Musiker:innen ist es dann noch doppelt schwierig, weil diese Menschen wissen, wie man sich auf der Bühne fühlt. Das kreiert eine Extra-Dimension an Nervosität.
Seven: Tausendmal schlimmer! Ich kann vor 50'000 Menschen spielen und bin nicht ansatzweise so nervös, wie wenn ich vor 6 Musikerkolleg:innen spiele. Erstens hören sie alles. Zweitens kenne ich alle. Schlimm! Und: Dann muss man noch etwas machen, das nicht von Dir ist. Man will ja nicht das Lied eines Kollegen verhunzen.
hitparade.ch: Für die Vorbereitungen habt Ihr in den Musik-Archiven der anderen Teilnehmer:innen gekramt. Habt Ihr neue Musik entdeckt, die Ihr zuvor nicht auf dem Schirm gehabt hättet?
Dabu Bucher: Gerade bei den Oesch's habe ich viel entdeckt, das mir nicht bekannt war. Und ich habe festgestellt, dass es mir gefällt. Was mir aber besonders aufgefallen ist, ist die Musik von Stress. Ich habe mich nämlich mit den Lyrics beschäftigt und erst jetzt erkannt, was der für krasse Texte schreibt. Viele Menschen in der Deutschschweiz, die wie ich nicht so gut Französisch können, wissen gar nicht, wie ehrlich dieser Mensch in seinen Songs von seinem Leben erzählt. Das hat mich unglaublich beeindruckt.Stress: Die Musik von der Familie Oesch kannte ich am wenigsten. Aber sich damit zu befassen war wirklich cool.
Caroline Chevin: Ich habe alle Künstler:innen gekannt und auch Songs gekannt. Meist halt die bekannten Singles. Bei Seven kannte ich praktisch alles. Stress hingegen erstaunte mich mit seiner Vielfalt. Wenn man sich da richtig auseinandersetzt mit den Songs fällt erst auf, was diese Menschen alles schon geleistet haben. Ich empfand es als grosse Bereicherung. Ich habe einmal mehr gemerkt: Wir Schweizer:innen brauchen uns nicht zu verstecken. Wir haben sehr viele tolle Künstler:innen und es lohnt sich, sich damit zu befassen.
Melanie Oesch: Ich bin eine klassische Playlist-Hörerin. Daher bleiben viele schöne Sachen unentdeckt. Durch die Reise mit "Sing meinen Song" habe ich viele Perlen entdeckt.
Naomi Lareine: Für mich war das ganz klar die Musik von Melanie Oesch. Das Jodeln ist eine andere Welt. Ich hätte nie gedacht, dass mir diese Welt gefallen würde. Sobald Melanie die Bühne betrat, ist einem das Herz aufgegangen. Das hatte ich nicht erwartet.
Noah Veraguth: Die Musik von Naomi Lareine habe ich am wenigsten gekannt. Da habe ich viel Spannendes entdeckt.
Seven: Natürlich! Es ist ein grosses Geschenk, sich damit auseinanderzusetzen. Ich bin mittlerweile ein kleines Schweizer Musiker-Lexikon geworden. Wenn ich mich in die Archive stürze, erfahre ich immer sehr viel, das ich nicht gedacht hätte.
hitparade.ch: Was nehmt Ihr aus dieser Staffel mit? Sei es freundschaftlich, musikalisch oder generell?
Dabu Bucher: Ich habe sechs Menschen kennengelernt, die ich zuvor nur oberflächlich gekannt hatte. Ich schätze sie als Menschen und auch als Musiker:innen sehr. Ausserdem habe ich die Erkenntnis mitgenommen, dass es sich lohnt, Risiken einzugehen. Dass man sich mal auf etwas Neues, Unbekanntes einlässt und nicht nur das tut, was man gut kann. Was ich noch gelernt habe: Mit Oesch's die Dritten kann man sehr lange an einer Bar sitzen. Und man kann eine Woche lang mit sehr wenig Schlaf auskommen.Stress: Ich glaube, man lernt sehr viel über sich selbst. Es ist eine gute Übung für jede:n Künstler:in.
Caroline Chevin: Es ist sehr viel in diesem Köfferchen gelandet, das ich aus Gran Canaria mitgebracht habe. Es sind nahe Freundschaften entstanden, sehr viel Inspiration und Ansporn, weiterzumachen. Ich konnte sehr viel zehren von all den Eindrücken, was mich umso motivierter an meinem neuen Album arbeiten lässt. Es hat mir einen Kick gegeben, mich auch ausserhalb meiner Komfort-Zone auszuprobieren. Es ist ein gewaltiges Geschenk, das man da mit auf den Weg bekommt.
Melanie Oesch: Schön war, dass wir uns alle auf Augenhöhe begegnet sind. Es gab kein Schubladendenken. Klischées waren nicht vorhanden. Wir haben einfach über Musik geredet. Wir haben viele Parallelen entdeckt. Das nehme ich als Inspiration in unseren Musikalltag mit. Und ich habe einmal mehr gelernt, wie wichtig die Texte zur Musik sind. In einem Festzelt geht es um die Stimmung. In kleinerem Rahmen jedoch können Texte eine grosse Wirkung haben. Das nehme ich auf jeden Fall mit für unser künftiges Schaffen.
Naomi Lareine: Ich glaube, wir werden immer eine Connection haben. Wir haben uns gegenseitig mit unserer Musik befasst und tiefgründige Gespräche geführt. Ich habe ungewohnt viel von mir gegeben. Das bedeutet mir sehr viel. Aufgrund dieser schönen Erfahrung, werden mir diese Menschen für immer wichtig bleiben.
Noah Veraguth: Es war für mich eine sehr schöne Erfahrung, mit Menschen, die die gleiche Leidenschaft teilen wie ich, eine solche Zeit zu verbringen. Es war schön, mit diesen Leuten zu philosophieren. Wir hatten eine sehr schöne Zeit. Dafür bin ich dankbar.
Seven: Gewisse Freundschaften werden bestimmt lange halten. Wir haben einen gemeinsamen WhatsApp-Chat, der bestimmt glühen wird an den Abenden, wenn die Sendung läuft. Die erste Show schauen wir uns alle gemeinsam an. Es ist immer schön, wenn man Erinnerungen leben kann mit Menschen, die man mag und wenn daraus wahre Freundschaften entstehen.
Interview durchgeführt:
Bettina Wyss-Siegwart
Bettina Wyss-Siegwart
Redaktion:
Bettina Wyss-Siegwart
Bettina Wyss-Siegwart




